Sa., 26.05.12

Dubiose Krebsvorsorge 11.12.2010 Aspirin-Studie bereitet Kopfschmerzen

Aspirin (Foto)
Sie schaltet nicht nur den Schmerz ab, sondern soll das Krebsrisiko deutlich minimieren. Doch die Studie ist Experten zufolge mehr als einseitig. Bild: dpa

Ein britischer Forscher ist sich sicher: Eine regelmäßig geringe Dosis Aspirin senke das Risiko für viele Krebsarten deutlich - je nach Tumortyp um 20 bis 35 Prozent. Viele Experten warnen eindringlich vor der Selbsttherapie zur Krebsvorbeugung.

In der Untersuchung hatte ein Team um den Neurologen Peter Rothwell von der Universität Oxford acht Studien mit über 25.000 Teilnehmern ausgewertet. Ein Teil von ihnen nahm zum Schutz vor einem Herzinfarkt täglich mindestens 75 Milligramm des Aspirin-Wirkstoffs Acetylsalicylsäure (ASS), während die übrigen entweder andere Mittel schluckten oder aber Scheinpräparate.

ASS könne das Risiko, etwa an Lungen- oder Prostatakrebs zu sterben, in 20 Jahren um 20 Prozent senken, berechnet Rothwell im Nachhinein und stützt sich dabei aber auf eine tatsächliche Nachbeobachtungszeit von lediglich vier Jahren. Das Präparat verringere die Darmkrebsmortalität sogar um 35 Prozent, erklärt der Forscher.

Andere Experten bezweifeln dies. Denn ob die Teilnehmer aus den jeweiligen ASS-Gruppen den Wirkstoff tatsächlich kontinuierlich einnahmen, prüfte in den Studien niemand. Ebenso blieb unklar, ob die Personen aus den Kontrollgruppen das Präparat weiterhin mieden.

Und ein Drittel der Studienteilnehmer waren Frauen. Ihnen brachte die Einnahme von über 75 Milligramm ASS merkwürdigerweise keinen Nutzen. Das passt zu einer großen, früheren Untersuchung an fast 40.000 amerikanischen Frauen. Auch diese Studie hatte abgesehen von Lungenkrebs keine verringerte Tumorgefahr bei Aspirinkonsumentinnen gefunden.

Zwar hält der Epidemiologe Eric Jacobs von der Amerikanischen Krebsgesellschaft die Resultate für durchaus plausibel. Aber eine US-Expertenkommission rät Menschen mit normalem Krebsrisiko explizit von der präventiven ASS-Einnahme ab - nicht zuletzt, weil das Mittel die Blutgerinnung beeinträchtigt und Blutungen im Verdauungstrakt verursachen kann.

«Es ist sehr wichtig, die Vor- und Nachteile von Aspirin abzuwägen»

Andere Mediziner teilen dieses Urteil: «Auf Grundlage dieser Studie sollte man ganz bestimmt keine Therapieentscheidung treffen», sagt Raymond DuBois vom Anderson Krebszentrum der Universität von Texas. Die Kritik des Experten: Sämtliche acht Studien waren ursprünglich nur dafür angelegt, die Auswirkungen von ASS-Einnahme auf das Herzrisiko zu ermitteln. Ob die Teilnehmer aber Faktoren für eine erhöhte Krebsgefahr aufweisen wie etwa eine familiäre Vorbelastung, interessierte in diesem Zusammenhang niemanden. Und grundsätzlich bezweifelt DuBois, dass nur vier Jahre Nachbeobachtung ausreichen, um langfristige Rückschlüsse auf die Tumorgefahr zu ziehen.

Auch der britische Krebsexperte Ed Yong ist skeptisch. «Die Vor- und Nachteile von Aspirin gegeneinander abzuwägen ist sehr wichtig, und das sollte auf individueller Basis erfolgen», sagt der Mitarbeiter der Organisation Cancer Research UK. Er wies warnend darauf hin, dass die Einnahme von Aspirin Menschen als Entschuldigung dienen könne, um weiterhin rauchen zu können oder keine Diät einhalten zu müssen. «Wer überlegt, regelmäßig Aspirin zu nehmen, sollte zuerst mit seinem Arzt sprechen», betont Yong.

Misstrauen an der Studie scheint auch aus einem anderen Grund angebracht: Sechs der sieben Autoren des Lancet-Artikels bezogen in der Vergangenheit Honorare von Pharmaunternehmen, die den Aspirin-Wirkstoff ASS oder ähnliche Arzneimittel herstellen.

Seite 2 Macht Aspirin unfruchtbar?

Der Schmerzhemmer weckt aber auch in einer weiteren Studie Zweifel an der Verträglichkeit rezeptfreier Medikamente: Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol könnten beim männlichen Nachwuchs die Gefahr für spätere Unfruchtbarkeit steigern.

Fruchtbarkeitsprobleme bei Männern nehmen in vielen Industrieländern seit Jahrzehnten zu. In Dänemark stieg der Anteil der neugeborenen Jungen mit Kryptorchismus, einer Form von Hodenhochstand, zwischen den Jahren 1960 und 2000 von 1,8 auf 8,5 Prozent. Kryptorchismus steigert nicht nur das Risiko für Zeugungsprobleme, sondern auch für Hodenkrebs.

Als eine Ursache der zunehmenden Unfruchtbarkeit verdächtigen Forscher seit Jahren jene allgegenwärtigen Inhaltsstoffe von Plastik, die ähnlich wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen - etwa die zum Weichen von Kunststoff verwendeten Phthalate.

Einen neuen Verdächtigen will nun ein dänisch-finnisch-französisches Forscherteam ermittelt haben: Rezeptfreie Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol. Die Forscher befragten etwa 830 schwangere Däninnen zur Einnahme solcher Medikamente. Auf den ersten Blick erschrecken die in der Zeitschrift Human Reproduction vorgelegten Resultate: Bei gleichzeitigem Gebrauch von mehr als einem rezeptfreien Schmerzmittel stieg bei neugeborenen Jungen das Risiko für Hodenhochstand um das Siebenfache. Besonders empfindlich reagieren Babys demnach auf die Mittel im zweiten Schwangerschaftsdrittel: Dann trieb eine Schmerzmittel-Kombination die Gefährdung um den Faktor 16 in die Höhe.

Während dieser Phase steigerten auch einzelne Mittel das Risiko im Durchschnitt um mehr als das Doppelte. Ibuprofen und der Aspirin-Wirkstoff ASS vervierfachten die Wahrscheinlichkeit.

Den verantwortlichen Mechanismus untersuchten französische Forscher der Universität Rennes an Ratten: Demnach senken solche Medikamente in hoher Dosis die Produktion männlicher Sexualhormone wie Testosteron über bestimmte Botenstoffe, die Prostaglandine. Ähnlich wirken den Forschern zufolge auch Plastikweichmacher, die Phthalate.

«Wenn hinter der Zunahme von Fruchtbarkeitsproblemen unter jungen Männern hormonell aktive Stoffe stecken, sollte man die Einnahme leichter Schmerzmittel während der Schwangerschaft stärker beachten», fordert Studienleiter Henrik Leffers vom Rigshospitalet in Kopenhagen. «Eine einzige Paracetamol-Tablette enthält mehr hormonell störendes Potenzial als der gesamte Kontakt zu den häufigsten bekannten hormonell störenden Substanzen während der gesamten Schwangerschaft. Und diese Menge kommt an einem einzigen Tag, nicht wie bei anderen Substanzen verteilt über neun Monate.»

Der Berliner Embryonaltoxikologe Christof Schaefer hält diese Aussage für äußerst gewagt. Dass Ibuprofen oder ASS Prostaglandine hemmen, sei zwar bekannt. Damit sei der Effekt von Paracetamol aber nicht vergleichbar. Auch die geringe Zahl der betroffenen Kinder, sagt der Experte, reiche für die Warnung der Forscher bei weitem nicht aus. Schaefer verweist darauf, dass eine frühere und weit größere dänische Studie zu anderen Ergebnissen kam.

Auch die AndrologinSpezialgebiet der Medizin, das sich mit den Fortpflanzungsfunktionen des Mannes und deren Störungen befasst. Somit ist die Andrologie die männliche Entsprechung der Gynäkologie. Sabine Kliesch vom Uniklinikum Münster bemängelt die Studie. Die Forscher hätten versäumt, den Grad des bei den Kindern festgestellten Kryptorchismus zu definieren. Denn bei weitem nicht jeder Hodenhochstand bei der Geburt bedroht die spätere Fruchtbarkeit. Oft bessert sich das Problem in den folgenden Monaten von allein.

Sehr viele Schwangere greifen bei Beschwerden gerade zu diesen Schmerzmitteln. In der Studie hatten 57 Prozent der befragten Däninnen solche Präparate - meist gegen Kopf- oder Muskelschmerzen - genommen. Offenbar in dem Glauben, ein Medikament ohne Rezeptpflicht sei unbedenklich. In Deutschland dürfte die Einnahme unter Schwangeren ähnlich weit verbreitet sein. Paracetamol gilt für werdende Mütter als Schmerzmittel der Wahl. «Schwangere sollten so wenige Medikamente wie möglich nehmen», betont Kliesch. «Im Zweifelsfall sollten sie sich mit ihrem Gynäkologen beraten.»

sca/som/news.de/ap
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Sofia
  • Kommentar 3
  • 11.12.2010 19:33
 

Lino hat völlig Recht!

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  • PEDRO
  • Kommentar 2
  • 11.12.2010 16:22
 

Ja, ist es denn die Möglichkeit. Hier schreibt vermutlich ein Italiener names LINO und zwar so was von grammatisch falsch, dass ich auch ihn bitten muss, einen Deutschkurs zu besuchen. Ich habe zwar in etwa vestanden, was er sagen will, aber schöner wäre es gewesen, wenn Lino seinem Land Italien und allen in Deutschland lebenden Italienern ein wortgewandtes Vorbild der Deutschen Sprache gewesen wäre. Ansonsten gebe ich Lino vollkonnen Recht, von der Pharmaindustrie und ihren Lobbyisten wird man belogen und betrogen, selbst wenn man unmittelbar daneben steht.

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  • Lino Panarello
  • Kommentar 1
  • 11.12.2010 15:52
 

Von ein paar jahre,habe,jeden tag und für 10 tage lang,eine aspirin genommen....weil,habe gelesen daß das hertz,von infarkt,schutzen kann..leider,nach diese zeit (10 tage),habe eine sehr schwer blut emorragie von nase...gehabt.Ist besser so falsche information,an Die media...( zeitung,TV )nicht weiter geben.Danke.L.Panarello

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