Sa., 26.05.12

Burnout 14.12.2010 Das steckt hinter Krömers Krankheit

Burnout erkennen und beheben (Foto)
Zu viel Arbeit, persönliche Probleme, selbstgemachter Leistungsdruck: Mit dem Burnout zieht der Körper die Notbremse. Bild: iStockphoto

Von news.de-Redakteurin Corina Broßmann

Kurt Krömer kann nicht mehr. Diagnose: Burnout. Sie steht für eine Form von Belastung, die Menschen aus der Bahn wirft. Das Taschenbuch Burnout – Erkennen und verhindern ist ein gut strukturierter Helfer für alle, die ihre eigene Gefährdung einschätzen wollen.

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TV-Comedian Kurt Krömer hat sich zuletzt einfach zu viel Arbeit zugemutet, heißt es auf seiner Internetseite. Alle weiteren Auftritte seiner Erfolgstournee «Kröm de la Kröm» wurden deshalb abgesagt. In der vergangenen Woche musste sich der Berlin-Neuköllner zur Kur in eine Klinik einweisen lassen. Die Diagnose: Burnout.

Was ist eigentlich Burnout?

Krankhaftes Ausgebranntsein ist gekennzeichnet durch geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung. Risikofaktoren sind negative Arbeitsbedingungen, reduzierte soziale Strukturen aber auch persönliche Eigenschaften wie Perfektionsstreben und ein geringes Selbstwertgefühl.

Wer hat's erfunden?

Das Burnout-Syndrom wurde erstmals 1974, also schon vor mehr als 30 Jahren, vom amerikanischen Psychoanalytiker Freudenberger beschrieben. Charakterisiert ist es durch einen Erschöpfungszustand nach lang anhaltender Belastung. Neben dieser Erschöpfung, welche sich nicht nur körperlich, sondern auch emotional und mental äußert, zeigen sich vor allem Zynismus, Demotivation und reduzierte Leistungsfähigkeit. Überschneidungen mit den Symptomen von Depression sind häufig irritierend. Begleitende körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Magenprobleme sind ebenfalls nicht selten.

Wer ist gefährdet?

Die Belastung liegt zwar überwiegend bei der Arbeit vor, kann aber auch durch privaten Stress oder die Kombination von beidem verursacht werden. Häufiger Auslöser sind beispielsweise pflegebedürftige Angehörige. Neben den Lebensumständen spielt der Charakter eine entscheidende Rolle. Besonders gefährdet sind sogenannte Helferpersönlichkeiten. Die zu hohen Belohnungserwartungen des «Helfers» werden im Alltag immer wieder enttäuscht und führen zu einer Frustration, die entscheidend zum Burnout beiträgt.

Andere Persönlichkeitsstrukturen, die zum psychischen Ausbrennen neigen, sind «Nicht-Nein-Sager», Idealisten und Perfektionisten. Perfektionisten erledigen am liebsten alles allein und können nicht oder nur schlecht Aufgaben delegieren. Idealisten sind oft noch ehrenamtlich aktiv. «Nicht-Nein-Sager» lassen sich ständig neue Aufgaben aufladen.

Was tun?

Die Therapie eines Burnouts kann auf der beruflichen Ebene erfolgen und auf der persönlichen. Der Arbeitgeber sollte zum Beispiel die Verkürzung von Schichten, mehr oder längere Arbeitspausen, Sonderurlaub, Leistungsfeedback, mehr Selbstbestimmungsmöglichkeiten bei der Arbeitsausführung und Mitspracherecht bei Entscheidungen in Betracht ziehen.

Im privaten Bereich empfiehlt sich ergänzend: die Situationsanalyse. Dabei werden die Faktoren festgestellt, die das Burnout verursachen und aufrechterhalten. Daraufhin gilt es, Abstand zum Konfliktherd zu gewinnen, also etwa eine Reha-Maßnahme bei fortgeschrittenen Fällen und eine Beratung durch Ärzte und Psychologen. Wichtig ist das «Sich-Eingestehen» des Burnouts.

Betroffenen fällt das besonders schwer, weil sie nur ungern Schwäche zeigen und zugeben. Leider wird Burnout vor allem bei Männern immer noch als Versagen erlebt. Die aktuelle Lebenssituation sollte aber grundlegend hinterfragt werden. Es müssen so viele Stressquellen wie möglich aufgespürt und eliminiert werden.

Und dann?

Darauf aufbauend müssen Betroffene die Kontrolle über das eigene Leben zurückgewinnen und sich zumindest vorübergehend mehr abgrenzen. Dazu gehört das viel zitierte «Nein-Sagen-Können» und eine intensive Zeit der Erholung. Wichtig ist hierbei, die Balance zwischen entspannenden und aktivierenden Maßnahmen zu finden.

Ein Zuviel an Aktivität kann das Burnout noch verstärken, ein Zuviel an Entspannung dagegen die krankhafte Passivität begünstigen. Als abschließende therapeutische Maßnahme steht die Wiederherstellung des Selbstwertgefühls des Patienten durch eine Psychotherapie auf dem Plan. Eine optimistische und konstruktive Lebenseinstellung ist da Ziel. Ergänzend bemühen sich Ärzte und Psychologen, dem Patienten beim Wiederaufbau eines sozialen Netzes zu helfen. Damit wird das Risiko, dass sich ein Burnout entwickelt oder wieder auftritt, stark reduziert.

Das Burnout-Syndrom scheint Ausdruck der globalisierten Leistungsgesellschaft und ein natürlicher Spiegel der postmodernen Zeit zu sein. Grund genug, sich mit dem Stress-Phänomen über die verbreiteten Klischees hinaus auseinanderzusetzen und sich selbst, Freunde und Kollegen einschätzen zu lernen.

Lesetipp: Burnout – Erkennen und verhindern; Dr. Christian Stock; Haufe; 127 Seiten; 6,90 Euro.

brc/ham/ivb/news.de
Leserkommentare (10) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • hans kreipl
  • Kommentar 10
  • 12.06.2011 22:59
 

Psychotherapie - gut, "fehlverhalten" und andere krankmachende gewohnheiten erkennen und abstellen - gut, was ich ausserdem schwer empfehlen kann um gerade dann, wenn man zwar die krankmachenden dinge erkannt hat, sie aber aus eigenen kräften nicht abstellen/verändern kann, weil man einfach zu geschwächt ist, ist die therapie mit chinesischen heilkräuter-tees. mit solchen tees kann man an die wurzel gehen und diese stärken. schau einfach mal vorbei www.tcm24-kreipl.de.tl gruss und alles gute alex!

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  • Karin
  • Kommentar 9
  • 16.12.2010 17:46
 

Soziologe Alain Ehrenberg Also ich gehe bei Krankheit immernoch zum Mediziner. Von einem Soziologen würde ich mich nicht behandeln lassen. In der Buchbeschreibung taucht der Begriff "Depression" aber sehr häufig auf. Sicher beschreibt er die stressbedingte Entstehung des Burnouts in der heutigen Zeit richtig, den Rest der Krankheitsanalyse würde ich aber (Bio-)Medizinern überlassen. Übrigens ist das Transmitterungleichgewicht nicht der biologischer Ursprung sondern die biologische Eigenschaft der Depression.

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  • Karin
  • Kommentar 8
  • 16.12.2010 17:38
 

Hallo märz, schauen sie mal bitte hier: http://www.info-depressionen.de/depressionsarten/erschoepfungs-depression.htm da lesen sie, dass Burnout und Depression sehr wohl das gleiche sind. Mit dem wichtigen Hinweis, das der Begriff "Depression" ein Sammelbegriff für eine Klasse von Störungen ist, ähnlich wie der Begriff "Rheuma". Burnout ist sozusagen eine spezielle Form der Depression mit den im Artikel beschriebenen Symptomen und Ursachen. Allen Depressionen mittel bsi schwer ist aber eben dieses Transmitterungleichgewicht gemein, siehe Artikel von Prof. Holsboer vom MPI in München.

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  • märz
  • Kommentar 7
  • 16.12.2010 01:37
 Antwort auf Kommentar 6

...und kurz gedacht, denn psychologische Konflikte können zu Krankheiten führen, ohne einen physiologischen Ursprung zu haben.... Empfehlenswert wäre u.a. die Lektüre des Buches: "Das erschöpfte Selbst" des Soziologen Alain Ehrenberg... ...allerdings für solche geistigen Tiefflieger wie "R" etwas zu anspruchsvoll. *GRÜSSEREI*

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  • märz
  • Kommentar 6
  • 16.12.2010 01:29
 

Was Deinen 1. Kommentar betrifft: so ein selbstüberschätzender Blödsinn, "R"! Was das B-O-Syndrom betrifft und viele andere Erscheinungsformen psychischer Erschöpfungszustände, die aus unzureichender Erforschung und Kenntnis gemeinhin "Depression" genannt werden, so ist sich die psychologische und soziologische Wissenschaft zumindest darin einig, daß sie im Mindesten gesammelte Symptome (in einem Begriff) vereinigen, deren Krankheit und Auslöser noch nicht im Einzelnen gefunden wurden. Das alles auf nur physiologische Vorgänge zu beziehen, wie es "Karin" tut, ist auch zu eindimensional...

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  • Karin
  • Kommentar 5
  • 15.12.2010 18:12
 

BURNOUT ist eine Modewort und Synonym für die Krankheit DEPRESSION, welcher ein Ungleichgewicht der neuronalen Botenstoffe (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, Histamin) im menschlichen Gehirn zu Grunde liegt. Mein Psychiater (Charite) hat mir das auch bestätigt. Dieses Chaos der Botenstoffe wird durch die ungesunde, von ihnen richtig beschriebene, Lebensführung hervorgerufen. Andere Auslöser für Depressionen sind plötzliche einschneidende Lebensereignisse, wie Tod naher Angehöriger oder Jobverlust.

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  • Bantel
  • Kommentar 4
  • 15.12.2010 10:28
 Antwort auf Kommentar 1

Herr RAGNAROEKR, was sind Sie nur für ein "Mensch"? Sie gehören wahrscheinlich zu der Kategorie die den Puderzucker von früh bis Abend in den Hintern geblasen bekommen und nicht einen Finger krumm machen müssen um in dieser Bananenrepublik zu überleben, auf welchem Niveau auch immer!Wenn nach 40 Arbeitsjahren mit zehntausenden Überstunden nichts mehr geht, reden Sie u.a. von Wohlstandszöglingen, nur weil man das Geschaffene erhalten will, es aber aus gesundheitlichen Gründen(Burnout) nicht mehr kann und diese Krankheit auch überall "anerkannt" wird! Sind Sie einer dieser Anerkenner?

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  • Christine Klopf
  • Kommentar 3
  • 14.12.2010 20:28
 

das Burnout-Syndrom hat nichts mit Weichei, Kuschelpädagogik, Wohlstandszögling zu tun, es ist sehr wohl eine Krankheit und dieser Kommentarschreiber ist geschmacklos, ich nehme an er rennt selbst von irgendwas davon

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  • Ohneröcker
  • Kommentar 2
  • 14.12.2010 20:16
 Antwort auf Kommentar 1

Genau! Und nicht vergessen: Guttenberg wählen, der kriegt bestimmt keen Burnout...

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 1
  • 14.12.2010 19:37
 

Das Burnout-Syndrom ist keine Krankheit,sondern hängt mit dem massenhaften Auftreten von Weicheiern zusammen.Diese bestärken sich im Überfordertsein gegenseitig.Dann krachen sie zusammen oder verglühen langsam. Ihnen kann dann nicht einmal R helfen. Die Betroffenen sind zu schwach zum Aufstehen. Hier liegt also ein soziales Phänomen vor. Ursache dürfte die Kuschelpädagogik sein, die bei Wohlstandszöglingen Schaden anrichtet. Schafft diese Pädagogik ab,dann heilt das B-S von selbst ab. Daher fordert R von allen Geschunden:Bekennt euch wieder zur Stärke und vernichtet das Schwache in euch!

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