Reisedurchfall Montezumas fiese Rache

Durchfall im Urlaub (Foto)
Wer im Urlaub unachtsam ist, kann sich schnell eine unangenehme Durchfallerkrankung zuziehen. Bild: dpa

Lästig und unangenehm, aber meist ungefährlich: der Reisedurchfall. In Ländern mit niedrigen Hygienstandards kann Montezuma plötzlich zuschlagen. Flüssigkeitsverlust, Übelkeit und Erschöpfung sind die Folgen.

«Die Durchfälle werden in der Regel von E-Coli-Bakterien ausgelöst», erläutert Sebastian Dieckmann, Leiter der reisemedizinischen Ambulanz am Tropeninstitut in Berlin. Das Klima in tropischen und subtropischen Regionen begünstige deren Verbreitung. Zudem seien die hygienischen Standards in manchen Ländern niedriger als in Europa. «Besonders problematisch wird es, wenn Trinkwasser und Abwasser nicht hundertprozentig voneinander getrennt werden.» Die Folge: Nahrungsmittel werden mit den Bakterien kontaminiert.

Nach Beobachtung des Reisemediziners sei es schwierig, sich vor einer Infektion zu schützen. Der Anreisestress und das ungewohnte Essen machen es den Bakterien leichter. Die Regel «Cook it, boil it, peel it or forget it» - koch es, siede es, schäl es oder vergiss es - hält Dieckmann für richtig, aber nur begrenzt praktikabel: «Es ist kaum möglich, im Hotel oder Restaurant zu kontrollieren, wie das Essen zubereitet wird.»

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Eine andere Regel entlarvt der Experte als Märchen: Scharfe Gewürzen töten die Keime nicht ab. Bessere Möglichkeiten der Vorbeugung sieht Dieckmann bei Getränken: Man sollte nur Flüssigkeiten zu sich nehmen, die direkt aus industriell befüllten Flaschen kommen. Im Zweifelsfall könne es ratsam sein, auf ein Glas zu verzichten.

Die verlorene Flüssigkeit wieder auffüllen

Wen es erwischt hat, der sollte viel trinken, um die verlorene Flüssigkeitsmenge auszugleichen. Sinnvoll seien Elektrolytlösungen, die sich Urlauber vor der Reise in der Apotheke besorgen können. Medikamente gegen die Diarrhoe sollten nicht wahllos geschluckt, sondern individuell abgestimmt werden. Dieckmann empfiehlt, dieses vor Abflug mit einem Mediziner zu besprechen, denn es könne keine allgemeingültige Empfehlung für ein bestimmtes Präparat gegeben werden.

Dauert der Durchfall länger, ist er schmerzhaft, blutig oder von Fieber begleitet, sollte vor Ort ein Arzt aufgesucht werden. «In den typischen Fernreisezielen haben die Ärzte Erfahrung mit Durchfallerkrankungen und wissen in der Regel, was zu tun ist», sagt Dieckmann. Er warnt davor, den Ehrgeiz zu entwickeln, schwerere Infektionen unbedingt selbst in den Griff zu bekommen. Es können sich gefährliche Krankheiten dahinter verbergen: «Beispielsweise bei Malaria kann als erstes Symptom Durchfall auftreten.»

Dauert die Erkrankung an, sollten Betroffene nach dem Urlaub einen Reisemediziner oder ein Tropeninstitut aufsuchen, um die Ursache herauszufinden. Vor einer bestimmten Krankheit müssen sich Reisende im Allgemeinen nicht fürchten: «Das Risiko, Cholera zu bekommen, ist für Touristen extrem gering», betont der Experte.

som/sua/news.de/ddp

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