Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Die Leber ist das Klärwerk des Körpers. Und sie hat ein Gewichtsproblem. Fast bei jedem dritten Deutschen über 40 vermuten Experten eine Fettleber. Sie verfettet schmerzfrei und bleibt daher unbemerkt. Doch oft ist es dann zu spät: Das Organ ist zerstört.
«Die Leber wächst mit ihren Aufgaben»: Was der Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen mit seinem Bestseller eigentlich schmunzelnd erklären will, ist blutiger Ernst. Denn selbst das Multitalent kann an seine Grenzen stoßen, wie Professor Claus Niederau von der Deutschen Leberhilfe anlässlich des 11. Deutschen Lebertages am 20. November warnt. Der Grund: zu viele Gift- und Nährstoffe, die das Organ im Oberbauch nicht mehr verstoffwechseln kann – dank Übergewicht, mangelnder Bewegung, Alkohol, Medikamente und fettreichem und einseitigem Essen.
Dabei kann die Leber normalerweise gut mit Fett umgehen. In den sogenannten Leberläppchen wird nährstoffhaltiges Blut verarbeitet. Kohlenhydrate und Fette werden umgebaut und gespeichert. Zudem werden spezielle Proteine, die beispielsweise für die Gerinnung des Blutes sorgen, auf- und Giftstoffe abgebaut. Damit fängt das Kraftwerk des Körpers viele Schadstoffe und Bakterien ab, die andere Organe schädigen könnten.
Den wenigsten ist dies aber bewusst. Sie wissen gar nicht, was sie ihrem lebenswichtigen Organ alles zumuten, bemängelt Achim Kautz, Geschäftsführer der Deutschen Leberhilfe, die gemeinsam mit der Deutschen Leberstiftung und der Gastro-Liga den Deutschen Lebertag ausrichtet.
Die Leber leidet still
Dieses mangelnde Wissen rächt sich: Mehr als fünf Millionen Deutsche leiden laut Angaben der Deutschen Leberhilfe an einer Lebererkrankung. Kautz geht sogar von sieben Millionen Betroffenen aus. Dem Experten zufolge hat jeder Dritte Deutsche, der älter als 40 ist, eine Fettleber und ist überzeugt, dass nur wenige von ihrer Lebererkrankung wissen. Der Grund: Die Leber leidet still.
Wer übermäßig viel Fett zu sich nimmt, sich kaum bewegt und am Feierabend zu tief ins Glas schaut, stellt die Entgiftungszentrale vor unlösbare Aufgaben. Die Folge: Die Leber wächst. Erst bei einer deutlichen Vergrößerung des Organs nimmt man Symptome wie Druckgefühl im rechten Oberbauch – dort sitzt die Leber -, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen wahr. Die Auswirkungen sind unter anderem Störungen bei der Blutgerinnung oder Flüssigkeitsansammlungen in Bauch und Beinen. Auch die Gallenflüssigkeit wird dann von der Leber nicht mehr in ausreichender Menge produziert, was Blähungen, Fettverdauungsstörungen und Nährstoffverluste mit sich bringt.
Endstation: Zirrhose und Krebs
Das ist erst der Anfang: Eine Fettleber führt zwar selten zum Leberschaden, doch begünstigt sie eine Leberentzündung (Hepatitis). Dabei vernarbt langfristig das Gewebe, und eine Zirrhose entsteht. In diesem Stadium steigt auch das Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. Bei Zirrhose und Leberkrebs ist das Organ bereits so geschädigt, dass das zerstörte Gewebe nicht wieder hergestellt werden kann. «Als letztes Mittel bleibt dann nur noch die Lebertransplantation», sagt Kautz. Seinen Angaben zufolge sterben jedes Jahr 50.000 Menschen an den Folgen einer Leberzirrhose und 8000 an primärem Leberkrebs.
Kautz und seine Mitstreiter im Kampf gegen die Fettleber nutzen den Gedenktag, um mit Vorurteilen aufzuräumen. Alkohol sei zu Unrecht der Hauptverdächtige für Lebererkrankungen, so der Geschäftsführer der Deutschen Leberliga. Denn nur 30 Prozent aller Lebererkrankungen seien auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen. Auch Medikamente und Umwelteinflüsse können die Leber belasten.
«Den Hauptanteil machen aber falsche Ernährung, Übergewicht und mangelnde Bewegung aus», so Kautz. Der ideale Nährboden dafür, zudem an Altersdiabetes zu erkranken und mit Herz-Kreislaufproblemen zu kämpfen, denn Fettleberpatienten gelten als Risikokandidaten für diese beiden Leiden.
Daher setze die Behandlung einer nicht-alkoholischen Fettleber an diesen Punkten an, erläutert professor Claus Niederau. Um das Organ zu entlasten, empfehle es sich, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen. Ratsam sei eine leichte Kost mit fettarmen Fleisch- und Fischsorten, mageren Milchprodukten, Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.
Auch eine hohe Flüssigkeitszufuhr mit Wasser, Saftschorlen oder Tee spielt eine wichtige Rolle, denn sie unterstützt der Leberhilfe zufolge den Heilungsprozess. Daneben hilft regelmäßige Bewegung gegen zu viele Pfunde und kann gleichzeitig dazu beitragen, Diabetes abzumildern.
Jährlicher Routine-Check beim Arzt nötig
Frühzeitig erkannt lassen sich viele Lebererkrankungen wirksam behandeln und Leben retten. «Jeder muss sich fragen, ob seine Leber noch gesund ist», sagt Kautz und rät zu einer jährlichen Routineuntersuchung beim Hausarzt. Dabei sollte auch der Leberwert geprüft werden; ist er erhöht, müsse unbedingt nach der Ursache gesucht werden, fordert Kautz.
Weitere Informationen über die Leber, Lebererkrankungen und den Deutschen Lebertag gibt es unter www.lebertag.org.
sgo/news.de/dpa