Ärztekammer warnt vor Doping im Alltag

Schlafmittel, Viagra & Co. - nach Angaben der Landesärztekammer nehmen immer mehr Menschen nicht verordnete Medikamente ein. Die Gründe seien vielfältig: Probleme im Alltag bewältigen oder die sexuelle und körperliche Leistungsfähigkeit steigern.

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Ärztekammer warnt vor Doping im Alltag Bild: dpa

Stuttgart (dpa) - Schlafmittel, Viagra & Co. - nach Angaben der Landesärztekammer nehmen immer mehr Menschen nicht verordnete Medikamente ein. Die Gründe seien vielfältig: Probleme im Alltag bewältigen oder die sexuelle und körperliche Leistungsfähigkeit steigern.

Christoph von Ascheraden vom Kammerausschuss für Suchtmedizin äußerte sich bei einem Symposium am Mittwoch (17. November) in Stuttgart besorgt: «Wir sehen uns in der Verantwortung, die Öffentlichkeit und die Kollegen für das Thema zu sensibilisieren.» Menschen setzten ihre Identität aufs Spiel, wenn sie alle Schwierigkeiten des Lebens mit Medikamenten behandeln und ihre Leistungen steuern. Außer möglichen Nebenwirkungen bestehe ein ernstzunehmendes Suchtpotenzial.

Das Internet vereinfache den Zugang zu diesen «Soft-Drogen». Ein Problem sieht von Ascheraden aber auch in der Ärzteschaft selbst: Mediziner rieten ihren Patienten häufig zu leichtfertig zur Medikamenteneinnahme. Beispiele seien «ausufernde Diagnosen» leicht depressiver Stimmungen, die mit Psychopharmaka behandelt werden, oder die Einnahme von Methylphenidat, bekannt als Ritalin.

Der Wirkstoff soll Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) helfen. Jedoch nehmen ihn laut von Ascheraden immer häufiger auch gesunde Kinder und Erwachsene ein, um ihre Konzentration zu verbessern. Folgen können Persönlichkeitsveränderungen, Antriebslosigkeit, Depressionen oder Abhängigkeit sein. Dies werde oft verharmlost: «Die Risiken können nicht abgeschätzt werden, und das ist die Gefahr», warnt der Suchtexperte.

Mit dem Stuttgarter Symposium setzt sich die Landesärztekammer zum Ziel aufzuklären. So wolle die Organisation die Mediziner aufrufen, Diagnosen wissenschaftlich zu fundieren und Arzneimitteln vorsichtig zu verordnen.

news.de/dpa

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