Hamam Wellness auf orientalisch

Hamam (Foto)
Im Hamam genießen Körper und Seele gleichermaßen. Eine opulente Ausstattung macht das Ambiente perfekt. Bild: Sahara Wellness

Von news.de-Redakteurin Melanie Sohn
Wohlige Wärme mit orientalischem Flair: In einem traditionellen Hamam können Sie sich reinigen, die Seele baumeln lassen und entspannen. Dabei lernen Sie den Tellak, den Kese und das Pestemal kennen.

Abseits der herkömmlichen Spas haben sich in Deutschland die Hamams etabliert. Ein Hamam ist ein orientalisches Dampfbad, in dem Sie Massagen und Schönheitsanwendungen genauso genießen können wie die traditionellen muslimischen Entspannungs- und Reinigungsrituale.

Tauchen Sie ein in das Reich aus 1000 und einer Nacht: Farbenprächtige Mosaikfliesen, prunkvolle Malereien sowie Marmoreinrichtungen und edles Holz runden das Bild vieler orientalischer Wellnessoasen ab.

Dabei geht es sehr traditionell zu: Bevor Sie in das orientalische Dampfbad, das Bouchar gehen, wird geduscht und das traditionelle Leinentuch, das Pestemal, angelegt. Männer müssen es vom Bauchnabel, Frauen von der Brust bis zu den Knien tragen.

Feuchte Wärme und Entspannung

Hamam
Entspannung aus 1000 und einer Nacht

Sodann wartet das Dampfbad, ein Ort, an dem bis zu 50 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent herrschen. Das hilft, die Poren zu öffnen um die Haut auf die kommende Pflege vorzubereiten. Zusätzliche Belebung oder Entspannung erzeugen ätherische Öle wie Eukalyptus, Lavendel oder Zitrone, die dem Wasserdampf beigemischt werden.

Die Temparatur und die Luftfeuchte sind es auch, die ein Hamam von der gewöhnlichen Sauna unterscheiden, weiß Amal M'Charrak, Besitzer des Sahara Wellness in Düsseldorf. Er rät Interessierten immer konkret nach dem Dampfbad zu fragen. Ist keines vorhanden, ist es kein Hamam, so M'Charrak.

Im Badehaus - nichts anderes ist das Hamam -, geht es vor allem um die Reinigung von Körper und Geist. Bäder im Dampfraum, Duschen und das Waschen mit flüssiger Olivenseife, der Savon Bildi, sind feste Programmpunkte, die durchlaufen werden. Zwischendurch wird der Körper mit warmem Wasser aus der Tas übergossen, einer Messing- oder Kupferschale. Denn wenn Wasser reinigen soll, so ein altes Sprichwort, muss es fließen.

Ein Tellak auf dem Marmortisch

Anschließend erhalten Sie eine reinigende Massage, die zum orientalischen Waschritus gehört. Dazu liegen Sie auf einem warmen Marmortisch und werden vom Tellak, dem Masseur, mit einem Handschuh aus Rohseide, dem Kese, massiert.

Hautschuppen und Schmutz aus den Poren lösen sich, der gesamte Körper wird kräftig durchblutet und erfrischt. Außerdem dehnen sich durch die spezielle Technik die Muskeln und Sehnen des Körpers.

Aus diesem Grund müssen Tellaks eine spezielle Ausbildung machen und eine Prüfung ablegen. Ein gut geschulter Tellak massiert immer kräftig, jedoch nie so, dass es wehtut. Nach einer erneuten Dusche hüllt Sie der Tellak in weichen, duftenden Schaum und massiert pflegende Stoffe in die Haut.

Dazu löst er Olivenölseife in Wasser auf, taucht einen Schaumbeutel in die Lauge und pustet hinein. Es entstehen Unmengen von Schaum, die nun auf den Körper massiert werden. Diese Massage stellt den Abschluss des traditionellen Waschritus dar, reinigt und entspannt abermals.

Danach fahren Sie Ihren Körper im kalten Fußbad herunter, stabilisieren so Ihren Kreislauf und ziehen die Hitze, die sich im Körper angestaut hat, aus ihm hinaus, erklärt M'Charrak.

Viel Zeit und Ruhe sind nötig

Zwei bis drei Stunden sollten Sie für einen Besuch mit traditionellen Anwendungen im Dampfbad einplanen. Wer zusätzliche Öl- oder Schlammmassagen genießen möchte, braucht entsprechend mehr Zeit. Viele Hamams bieten mittlerweile auch Schönheits- und Wellnessbehandlungen an, die über die klassischen Anwendungen hinausgehen.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo viele Hamams ihre Pforten öffnen, schließen in den arabischen Regionen die traditionellen Badehäuser. Sie wurden einst errichtet, um Menschen, ohne fließend Wasser in der Wohnung, die Möglichkeit zu geben, sich zu waschen und zu pflegen.

Daraus ist eine Tradition geworden, die nicht nur der Körper- sondern auch der sozialen Pflege diente. Doch mit der Modernisierung der Wohnungen verschwand auch die Tradition der Hamams immer mehr. Nur noch die Älteren gehen regelmäßig in das einst so beliebte Badehaus.

sua/ivb/news.de

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