Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Cholera ist in Deutschland eine in Vergessenheit geratene Krankheit. Die letzte Epidemie gab es im 19. Jahrhundert. Damals tötete der Erreger mehr als 8600 Menschen innerhalb kürzester Zeit. In anderen Ländern ist die Cholera dagegen bis heute grausame Realität.
Cholera ist in Europa kein Problem mehr. Das liegt vor allem an den verbesserten Hygienebedingungen. Vereinzelte Fälle gibt es in Deutschland lediglich, wenn Reisende den Choleraerreger einschleppen.
In Ländern wie Haiti, Indien, Pakistan und Thailand allerdings tritt Cholera häufiger oder sogar ständig auf. Das liegt hauptsächlich an katastrophalen Hygienebedingungen. Trink- und Abwässer werden nicht voneinander getrennt. Auch Gebiete in Südamerika und Afrika melden regelmäßig Cholerafälle.
Aggressiver Erreger
Die Krankheit wird durch eine sehr aggressive Bakterienart, die sogenannten Vibrionen, ausgelöst. Nach einer Ansteckung mit dem Erreger kommt es nach drei bis sechs Tagen zu massivem Durchfall, der anfangs volumenreich ist und zunehmend wässrig wird. Die Betroffenen leiden zudem an Erbrechen, haben Bauchschmerzen und starke Wadenkrämpfe.
Der Körper verliert dabei etwa einen Liter Wasser pro Stunde. Durch den rasanten Wasser- und Salzverlust können die Nieren versagen und es kommt zum Kreislaufschock. Unbehandelt und ohne Wasser und Elektrolyte (Salz) zuzuführen, verläuft die Cholera oft tödlich - manchmal innerhalb weniger Stunden.
Choleraerreger verbreiten sich hauptsächlich über verunreinigtes Trinkwasser oder die Nahrung. Sie gelangen über den Mund in den Verdauungstrakt. Selten gibt es eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch. Die Bakterien können aus dem Kot eines Choleraerkrankten, aus mit Fäkalien verunreinigtem Wasser oder von Feldfrüchten stammen. Auch Fische und Schalentiere sind in Choleragebieten Überträger der Krankheit. Choleraerreger lieben es nass. In feuchter Umgebung überleben sie meist mehrere Wochen.
Vorsichtsmaßnahmen
Im Kampf gegen Cholera ist in den Risikogebieten eine strenge Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene geboten. Wasser darf nie unbehandelt getrunken werden. Vorsicht ist zudem bei gedüngtem Gemüse angeraten. Obst und Gemüse sollten nur geschält und gekocht auf den Tisch kommen. Fleisch und Fisch dürfen nicht roh gegessen werden. Von Meeresfrüchten wie Muscheln und Krabben wird besonders gewarnt, da diese sehr oft Cholerabakterien enthalten. Auch Milch- und Rohmilchprodukte sind mit Vorsicht zu genießen.
Laut Auswärtigem Amt bestehe für Touristen ein sehr geringes Erkrankungsrisiko. Wer möchte, kann sich jedoch gegen Cholera impfen lassen. Seit einigen Jahren ist ein relativ gut wirksamer Cholera-Impfstoff verfügbar, der als Schluckimpfung verabreicht wird. Er hat eine Schutzwirkung bis zu 90 Prozent. Die Immunisierung wird Menschen empfohlen, die in der Flüchtlings- und Katastrophenhilfe sowie in der Krankenversorgung arbeiten. Auch Reisende, die in abgelegenen Gebieten unterwegs sind, sollten geimpft sein.
Gemäß internationaler Vorschriften gehört die Cholera zu den Quarantänekrankheiten. In Deutschland besteht daher Meldepflicht für Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod.
sua/ham/reu/news.de