Sa., 26.05.12

Schmerztherapie 04.11.2010 Der eingebildetete Kranke

Schmerzen (Foto)
Schmerzen können Kopfsache sein - so das Ergebnis einer Studie von Hamburger und Mainzer Forschern. Negatives Denken beeinflusst das Schmerzempfinden. Bild: DAK

Schmerzen können Kopfsache sein - so lautet das Ergebnis einer Studie von Hamburger und Mainzer Forschern. Demnach können schlechte Gedanken den Patienten wirklich krank machen. Nun müssen Mediziner umdenken.
 

Zwar sei bereits bekannt, dass positive Gedanken den Genesungsprozess vorantreiben können. «Umgekehrt beeinflusst aber auch negatives Denken das Schmerzempfinden», sagte Neurowissenschaftler Arne May. «Wer sich Schmerzen einbildet, wird früher oder später auch welche haben», so der Experte vom Hamburger Universitätsklinikum (UKE).

Bislang sei die Kraft der Einbildung nur bei dem sogenannten Placebo-Effekt vorhanden gewesen, bei dem Patienten ein Scheinarzneimittel einnehmen und sich «gesund denken» würden. Bei Tests wurden Probanden täglich einem leichten Hitzeschmerz ausgesetzt, der durch Gewöhnung zunehmend abnehme, berichtete der Wissenschaftler. «Einigen haben wir allerdings gesagt, dass der Schmerz zunehmen würde. Ergebnis: Das Schmerzgefühl stieg zwar nicht, blieb aber konsequent gleich. Wir nennen das den Nocebo-Effekt.» Für dieses Verhalten sei ein bestimmtes Hirnareal verantwortlich - das sogenannte Operculumwerden diejenigen Rindengebiete des Frontal-, Schläfen- und Scheitellappens des Großhirns bezeichnet, die der seitlichen Hirnfurche anliegen und die sog. Insel bedecken. der Inselrindeist ein eingesenkter Teil der Großhirnrinde .

«Damit haben wir den Beweis, dass sich schon eine einmalig gegebene Information auf das Schmerzerleben auswirken kann.» Im Alltag bedeute dies, dass Ärzte vorsichtig sein müssten, was sie vor ihren Patienten sagten. Bewusst oder unbewusst gegebene Informationen würden den Verlauf und damit die Erfolgsaussichten einer Therapie signifikant beeinflussen.

In dem Zusammenhang forderte der Neurowissenschaftler eine bessere Medizinausbildung: «Grundlegende Fragen für einen Arzt sind doch die: Wie überbringe ich schlechte Nachrichten, was darf und was muss ich meinem Patienten sagen?» Diese Sensibilität werde heute während des Studiums aber nicht vermittelt. «Dabei gehört die aber eigentlich zu unserem Grundrüstzeug - besonders im Klinikalltag.»

som/ham/news.de/dpa
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