Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki - 25.06.2018, 15.17 Uhr

Verdauungsmythen: Lakritze, Schnaps und Co. - Was hilft dem Magen und was nicht?

Wenn Völlegefühl oder Durchfall plagen, es im Magen drückt oder Sodbrennen unangenehm aufstößt, gibt’s oft gut gemeinte Ratschläge. Schade, dass nicht alles wahr ist, was man hört. News.de deckt Irrtümer über die Verdauung auf.

Probleme mit dem Darm? Nicht alle gut gemeinten Ratschläge sind wahr. Bild: istockphoto

Mythen rundum die Verdauung: Hilft Milch bei Sodbrennen?

Kräuterschnaps hilft der Verdauung. Er soll vor allem nach sehr fettem Essen Völlegefühl und Verdauungsprobleme verhindern. "Schnaps ist bei Erwachsen durchaus hilfreich, um die Verdauung anzuregen", erklärt Professor Dr. Stefan Thorban von der Chirurgischen Klinik und Poliklinik München.

Den Kräutergeist sollte man aber nur direkt nach schweren Mahlzeiten einnehmen, so Thorban. Der Alkohol des Schapses bringt den Magen dazu, Säure zu produzieren und könne das Essen verdaulicher machen. Aber: Menschen die einen empfindlichen Magen oder Probleme mit der Bauchspeicheldrüse haben, sollten lieber auf den Schnaps verzichten.

Milch hilft bei Sodbrennen. Dass Milch bei Sodbrennen hilft, stimmt. "Milch puffert die Übersäuerung des Magens ab", so Thorban. Sie helfe aber nur in kleinen Portionen. Ein Glas am Morgen reiche aus. "Sodbrennen hat allerdings verschiedene Ursachen. Das müsste generell mit einem Arzt abgeklärt werden", ermahnt Thorban.

Scharfes Essen reizt den Magen. Menschen mit einem empfindlichen Magen meiden oft scharf gewürzte Speisen, wie der Teufel das Weihwasser. Sie essen lieber Schonkostleicht verdauliches, fettarmes und wenig gewürztes Essen ohne pikante Gewürze. Zu recht, wie Thorban meint. "Durch scharfe Speisen wird die Säureproduktion im Magen angeregt. Für Menschen die an Magenschleimhautentzündung leiden oder Geschwüre haben, ist scharfes Essen Gift", erklärt der Experte.

Cola hilft bei Durchfall und Joghurt unterstützt die Darmfunktion?

Joghurt ist gut für den Darm. Das stimmt. "Joghurt enthält bestimmte Bakterien, die für die Darmschleimhaut durchaus hilfreich sind", erklärt Thorban und fügt hinzu: "nicht nur prebiotische Joghurtsmit besonderen Bakterien angereicherte Joghurts, die die Darmflora unterstützen sollen können die Darmflora positiv beeinflussen, auch Naturjoghurt."

Bei Durchfall Cola und Salzstangen. Wer Durchfall hat, dem wird oft geraten, Cola zu trinken und Salzstangen zu essen. Das sei wirklich, besonders für Kinder, sehr hilfreich, meint Thorban. Durch den Durchfall kommt es zu Flüssigkeitsverlust und auch zu Verlust an Kalium.

Durch den Zucker im Getränk wird die Aufnahme des Salzes verbessert und dadurch nimmt der Körper mehr Flüssigkeit auf. Etwa ein halber Liter Cola und ein halbes Päckchen Salzstangen täglich seien durchaus zu empfehlen. Tee, trockene Heidelbeeren und Bananen wirken auch unterstützend. "Gegen Krankheitserreger wie Rotavirusdie häufigste Ursache für akute Durchfallerkrankungen bei Kindern und Salmonellen vermögen die Lebensmittel aber nichts auszurichten", so Thorban.

Warmes Essen ist wichtig. Großmütter beten es noch immer den Enkeln vor: Jeden Tag eine warme Mahlzeit muss sein. Quatsch! Gesünder oder kränker wird dadurch keiner. Es gäbe keinerlei Hinweise darauf, dass es grundsätzlich besser sei, warm zu speisen, sagt Thorban. Lebensmittel werden allerdings genießbarer und Keime durch das Erhitzen abgetötet. Durch das Kochen aber gehen auch wichtige Vitamine verloren. Zudem können beim Braten, Frittieren und Backen schädliche Stoffe wie Acrylamidist krebserregend entstehen.

Wirkung von Käse und Lakritze auf den Magen - Das steckt dahinter

Lakritze beruhigt den Magen. Dass Lakritze hilft, ist nur die halbe Wahrheit. "Ganz normale Lakritze, die wenig Zusatzstoffe enthält, hat eine beruhigende und entzündungshemmende Wirkung", bestätigt Thorban. Aber: Die beliebte Lakritze enthält Glycyrrhizin, ein Stoff der die Magensäureproduktion puscht. Bei übermäßigem Verzehr könne er sogar zu hohem Blutdruck führen. Generell seien salzarme Varianten zu bevorzugen.

Täglicher Stuhlgang ist Pflicht. "Die Empfehlung jeden Tag aufs Klo gehen zu müssen, ist übertrieben", so Thorban. Menschen sind verschieden: Ernährungsgewohnheiten, Hormonumstellungen oder Bewegungsdrang beeinflussen die Tätigkeit im Darm. Der eine geht jeden Tag aufs Klo, der andere nur dreimal die Woche.

Eine gesunde Verdauung aber hätten beide, da das noch im Bereich des Normalen läge. Wer länger nicht auf die Toiletten kann, einen Blähbauch oder Blähungen hat sollte zum Arzt gehen. "Bei häufigerem Auftreten von Verdauungsstörungen ist es sinnvoll über eine Ernährungsumstellung nachzudenken", empfiehlt der Experte.

Verstopfung vergiftet. Die Theorie, eine Verstopfung vergifte den Körper, stimmt Thorban zufolge nicht. Es sei schon so, dass sich bei Darmverschluss über längere Zeit Bakterien bilden. Theoretisch könnten über die Darmwände die Bakterien in den Bauchraum dringen. Eine echte Vergiftung sei das aber nicht.

Käse schließt den Magen. Aromatischer Käse zum Abschluss eines festlichen Mahls, macht satt. Thorban erklärt: "Das liegt daran, dass Käse meist sehr fettreich ist und ein Sättigungsgefühl verursacht, wobei länger gelagerter Käse besser verträglich ist als Frischkäse."

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som/news.de

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