Liebeskummer Scherbenhaufen ade

Wenn das Herz bricht (Foto)
Liebeskummer ist schmerzhaft. Dabei sei es Experten zufolge durchaus empfehlenswert, sich bis zu sechs Wochen in seiner Trauer gehen zu lassen. Bild: istockphoto

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
«Liebeskummer lohnt sich nicht, mein Darling», sang schon Siw Malmkwist. Ob unerfüllte Liebe oder nach der Trennung: Betroffene sind am Boden zerstört, fallen in ein tiefes, seelisches Loch. News.de zieht Sie aus diesem wieder heraus.

Was gibt es Schöneres auf der Welt, als zu lieben - und geliebt zu werden. Umso schlimmer, wenn einem dies genommen wird. Egal, welche Umstände dazu geführt haben. Doch wer unter psychischem Herzschmerz leidet, hat es nicht nur in seiner persönlichen Trauer schwer. «Liebeskummer ist viel mehr als ein seelischer Zustand, der oftmals belächelt wird. Wer trauert, wird aufgefordert, sich nicht so gehen zu lassen», kritisiert Silvia Fauck - eine der führenden Expertinnen auf dem Gebiet.

Fauck selbst litt fünfeinhalb Jahre unter Liebeskummer - oder dem, was sie darunter verstand. «Man kann irgendwann nicht mehr steuern, dass man durch den Kummer in eine Lebenskrise stürzt», schildert die Expertin, die durch ihre Erfahrungen heraus eine Liebeskummer-Praxis gegründet hat, die mittlerweile in acht deutschen Stätdten zu finden ist.

Liebeskummer
Erste Hilfe bei gebrochenem Herz

Was löst Liebeskummer aus?

«Die Verlassenen oder Trauenden sind nicht nur am Boden zerstört, sondern leiden auch oft an körperlichen Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen. Bei Männern kommen Rückenschmerzen hinzu, während Frauen oft unter Blasenproblemen leiden. Es gibt keine Krankheit, die der Liebeskummer nicht auslöst», erklärt die Berlinerin. Die häufigsten Symptome seien der psychologischen Beraterin chronischer Schlafentzug und mangelndes Hungergefühl. «Mittlerweile ist es auch erwiesen, dass man durch Liebeskummer wirklich Schmerzen im Herzen fühlt, die einem Herzinfarkt gleichen», so Fauck. In der Medizin ist dies als Broken-Heart-Syndrom bekannt.

Welche Phasen gibt es?

Experten sprechen in der Regel von drei Phasen: Die erste ist die schwierigste, denn die Betroffenen befinden sich mitten in der Trauerphase. «Aus der hole ich meine Klienten gerne raus, meistens in der Form, dass sie einfach ihre Geschichte schildern», erzählt Fauck aus der Praxis.

Doch auch die nächste Phase ist nicht minder eine Herausforderung: Es gilt, das verlorene Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Ist dies geschafft, ist der letzte Schritt, auf andere Menschen wieder zuzugehen und ihnen zu vertrauen.

Wie lange darf man trauern?

«Man darf sich durchaus gehen lassen und seine Trauer zeigen. Jeder Mensch leidet aber anders. Bis zu sechs Wochen ist durchaus möglich und verständlich», sagt Fauck. Doch wenn Betroffene merken, dass es von Tag zu Tag schlimmer wird, die Appetit- und Schlaflosigkeit anhält, dann wird es Zeit, zum Doktor zu gehen. Nu so können eine Depression ausgeschlossen werden, meint die Expertin.

Hilfe ohne Arztbesuch
Die Wehwehchen-Praxis

Das hilft

Sich gleich in eine neue Beziehung zu stürzen, um sich abzulenken und das angekratzte Ego zu flicken, sei laut Fauck das Schlimmste, was man machen kann. «Es ist eine Kette ohne Ende. Gerade Männer neigen dazu, sich schneller zu trösten. Die Frauen sind dabei die Tablette für das Selbstwertgefühl. Manchmal geht das so schnell, dass ich den Patienten meine Visitenkarte in die Hand drücke und salopp sage, diese sei im Notfall für die Partnerin, die bald wieder verlassen werde», so Fauck. Viel besser sei es, Zeit für sich zu nehmen. «Verändern Sie Ihr Umfeld. Machen Sie es sich schön. Denken Sie jetzt nur an sich», empfiehlt die Beraterin. Um sich wohlzufühlen, komme es auf die innere Einstellung an: «Vermeiden Sie Schuldzuweisungen, und streifen Sie die Opferrolle ab.»

Den Gefühlen dürfe ruhig freier Lauf gelassen werden – ein Appell gerade an die Männer. «Wir Frauen würden das so sexy finden, wenn Männer ehrlich wären, weil das zeigt, wie sensibel so ein Mensch sein kann», wünscht sich Fauck. Das Problem sei aber, dass weinende Männer in der Öffentlichkeit noch immer als Weicheier verspottet werden. «Das ist aber definitiv keine Form von Schwäche», so die Expertin.

Sich mit Freunden zu treffen, um auf andere Gedanken zu kommen, falle den Betroffenen schon leichter. Und das hilft. Das Schlimmste sei es, sich abzukapseln. Wer dennoch Schwierigkeiten hat, seine Gefühle gegenüber der Familie und den Freunden zu beschreiben, der könne laut Fauck seine Gedanken zu Papier bringen – sei es in Form eines Tagebuchs oder in Briefen. Letztere aber bitte nicht an den Ex-Partner schicken, warnt die Beraterin.

Lesen Sie hier weitere Tipps, wie Sie kleinere Probleme auch ohne Arzt bewältigen.

ham/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Lockowski43
  • Kommentar 1
  • 27.10.2010 12:33

Hinweis für den Redakteur: Das angeführte Lied sang nicht Conny Francis sondern Siw Malmkwist.

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