Wechseljahre Wenn das Testosteron streikt

Wechseljahre bei Männern (Foto)
Mein Auto, meine Yacht, meine Geliebte: Wenn Männer plötzlich wieder auf «jung» machen, könnten sie unter Wechseljahren leiden. Bild: iStockphoto

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Neuer Sportflitzer, die graumelierten Schläfen weggetönt und die Ehefrau durch ein attraktiveres Modell ersetzt: ein typisches Klischee von Männern in der Midlife Crisis. Doch die Realität sieht anders aus.

Lange Zeit galten sie nur als Frauenproblem: die Wechseljahre. Beim zarten Geschlecht sind die Symptome auch leicht zu erkennen. Setzt die Menopause ein, bleibt die Regelblutung aus. Erst in jüngster Zeit ist Medizinern bekannt geworden, dass auch Männer unter dem Wechsel in den neuen Lebensabschnitt leiden.

Die hormonelle Umstellung erfolgt beim starken Geschlecht im Vergleich zu den Frauen schleichender und zieht sich über Jahre hinweg, wie Dr. Hartmut Jonitz schildert. «Pro Tag kommen bis zu drei Männer in meine Praxis, denen Symptome der männlichen Wechseljahre zu schaffen machen», erklärt der Facharzt aus Darmstadt, der beim Berufsverband der Deutschen Urologen tätig ist.

Ab dem 40. Lebensjahr beginnt normalerweise der hormonelle Abbau. Dabei verringert sich die Bildung des Sexualhormons Testosteron – laut Jonitz durchschnittlich um ein Prozent pro Jahr. Doch gäbe es Ausnahmen. Bei einigen Männern fällt der Hormonspiegel schnell und stark ab. Dann verspüren diese Hitzewallungen wie es eigentlich nur Frauen erleben. Die Alterspanne ist groß: Ab dem 40. Lebensjahr sind Wechseljahre die Regel, bei nicht wenigen fängt dieser Prozess aber erst mit 70 an.

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Fehlende Morgenerektion ist symptomatisch

Doch wie zeigt sich der Hormonabbau? Die männlichen Wechseljahre waren bis jetzt wissenschaftlich nicht exakt definiert. Einen ersten Schritt machten in diesem Jahr britische Wissenschaftler. Das Forscherteam fand heraus, dass es neun typische Beschwerden sind, die alle in Zusammenhang mit einem niedrigen Testosteronpegel stehen. Die wichtigsten Marker sind demnach sexuelle Symptome: Die Erektion am Morgen kommt seltener, auch die Gedanken an Sex verschwinden immer häufiger. Zudem wird der Penis nicht steif genug.

Daneben spielen drei körperliche Einschränkungen eine Rolle: Kraft und Motivation aufzuwenden, etwa für das Heben schwerer Gegenstände, mehr als einen Kilometer zu Fuß zu gehen sowie sich vorzubeugen, zu knien oder zu bücken. Als psychische Symptome nennen die Wissenschaftler den Verlust von Energie sowie Traurigkeit und Müdigkeit. Allerdings standen diese nicht sexuellen Symptome nur schwach im Zusammenhang mit niedrigen Testosteronspiegeln.

Weitere Beschwerden, die vorher oft als Anzeichen männlichen Wechseljahre galten und deshalb mit Testosteron behandelt wurden, standen nicht im Zusammenhang mit der nachlassenden Funktion der Keimdrüsen, so die Wissenschaftler. Dazu zählen Schlafstörungen, Konzentrationsmangel, Nervosität und Ängstlichkeit. Das seien aber die Auswirkungen der Hormonveränderung, unter denen die Männer zu leiden haben, meint Jonitz.

Nicht immer hilft die Hormonspritze

Doch wie kann der Arzt dem adrenopausierenden Patienten helfen? «Um die Diagnose korrekt zu stellen, ist ein Hormontest wichtig», sagt Jonitz. Dabei kann der Arzt nur helfen, wenn der Testosteronwert deutlich unter der Altersnorm liegt. Dann kann der Spezialist eine Hormontherapie verschreiben, in der der Patient das fehlende Hormon in Form von Spritzen verabreicht bekommt.

Doch Vorsicht: Ist der Wert des sogenannten Prostastaspezifischen Antigens erhöht, kommt die Injektion nicht in Frage. Denn der Betroffene neigt dann zu Prostatakrebs, das Risiko würde durch die Hormontherapie noch größer. Ein weiterer Negativaspekt: dem Patienten könnte durch die Hormonzufuhr ein Busen wachsen.Die beste Waffe gegen den Hormonabbau sei laut Jonitz daher immer noch Sport und eine ausgewogene und gesunde Ernährung.

ham/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • wilsom
  • Kommentar 4
  • 19.11.2012 00:39

Alles Quatsch.Sex geht im Kopf ab.Der Koerper kann Testosteron in kuezester Zeit ausschuetten.

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  • StefanBecker
  • Kommentar 3
  • 25.10.2010 11:27

Bei mir hat der Salzhaushalt nicht gestimmt. Meine Frau hat ein Buch über SchüßlerSalze von Petra Maria Scheid. Das hat geholfen. Ich fühl mich viel fitter.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 24.10.2010 20:09

Entscheidend für das, was geht oder nicht, dürfte im Wesentlichen der Umgang der Partner miteinander sein. Offenheit, Ehrlichkeit und Verständnis können sehr wohl die Schlüssel für ein immer noch harmonisches Miteinander im fortschreitenden Alter sein. Ich lebe in einer Partnerschaft, in der beide Partner durch Krankheit gezeichnet sind. Dennoch geht gerade hier mit den genannten Verhaltensweisen Vieles. Da habe ich in jüngeren Jahren (auch 56) im Zustand bester körperlicher Gesundheit weitaus Schlimmeres erlebt, das mit Krankheit nicht das geringste zu tun hatte. Es kann aber dazu führen!

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