Jodmangel Versalzen wir uns das Leben?

Deutschland sei in Sachen Jodmangel noch immer Spitzenreiter, meinen Mediziner. Da aber in fast allen Lebensmitteln Jod enthalten ist, komme es zum gefährlichen Überschuss, sagen hingegen Jod-Allergiker. Versalzen wir uns wirklich unser Leben?

Versalzen wir unser Leben? (Foto)
Jodzusatz ist nicht nur im Speisesalz enthalten. Nur dort ist es derzeit gekennzeichnet. In allen anderen Lebensmitteln wie Wurst, Milchprodukten und Brot nicht. Bild: dpa

«Die Antwort ist ein klares Nein», sagt Diät-Assistent Sven-David Northmann. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe den täglichen Bedarf von Jod auf 200 Mikrogramm festgesetzt. Erhält die Schilddrüse zu wenig Jod, bildet diese zum Ausgleich selbst Hormone, das Organ wächst, ein Kropf entsteht.

Gerade Kinder und Schwangere haben einen erhöhten Bedarf. Doch der wird nicht ausreichend gedeckt. Während Kleinkinder bis neun Jahre bis zu 140 Mikrogramm Jod aus dem Essen bekommen sollten, sind es durchschnittlich nur 100 Mikrogramm. Die Lücke ist bei Schwangeren noch größer, wie Northmann erklärt. Sie bräuchten für sich und ihr Ungeborenes bis zu 260 Mikrogramm, futtern aber nur die Hälfte. Deswegen entwickeln bis zu 70 Prozent aller werdenden Mütter im Verlauf der Schwangerschaft oder direkt nach der Geburt einen Kropf.

Jodhaltige Ernährung: Salzen Sie sich gesund

Eine leichte Entwarnung gibt es vom Robert-Koch-Institut, das in einer Studie ermittelt hat, dass die Jodversorgung von Jahr zu Jahr besser und flächendeckender wird. Doch was passiert, wenn zu viel Jod, also Jodbomben wie Fisch, Meeresfrüchte und Co. gegessen werden? Schadet es dem Körper, gerade wenn eine Überfunktion der Schilddrüse oder eine Erkrankung vorliegt?

«Die derzeitige Jodaufnahme bereitet den Patienten, die über eine Überfunktion klagen oder an der Basedowschen Krank leiden, keine Probleme. Allgemein gelten Jodmengen bis zu 300 Mikrogramm pro Tag, also die eineinhalbfache Menge mehr, als verträglich», beruhigt Northmann. Was zu viel ist, werde über Nieren und Leber wieder ausgeschieden. Und fügt hinzu: «Auch können Schilddrüsenüberfunktionen nicht durch Jodverzicht, sondern müssen nach Bedarf geheilt werden.»

Das sieht Dagmar Braunschweig-Pauli ganz anders. Seit 15 Jahren leidet die Duisburgerin an Morbus BasedowEine Form der Schilddrüsenüberfunktion, die spontan auftritt. Dabei bildet der Körper speziell gegen die Schilddrüse gerichtete Antikörper, die diese zu einer gesteigerten Produktion von Hormonen anregen. Erkennbar ist die Überfunktion daran, dass Augäpfel leicht hervorstechen. und klagt: «Mein Körper wurde täglich geschädigt durch die Zwangsjodierung», empört sie sich. Typische Symptome seien Herzrasen, Händezittern, Haarausfall, Hautausschläge und Kreislaufkollapse.

Mit Zwangsjodierung meint Braunschweig-Pauli, Gründerin der Selbsthilfegruppe der Jodallergiker, Morbus-Basedow- und Hyperthyreosekranken, dass gerde Menschen, die an einer Überfunktion der Schilddrüse leiden, nicht nachvollziehen können, in welchen Lebensmitteln zusätzliches Jod enthalten ist. Dabei ist nicht nur Speisesalz mit einem Jodzusatz versehen. Auch Fertiggerichte sind meist mit Jod gewürzt. Und in Tierprodukten steckt es ebenfalls, denn Vieh wird mit Jodzusätzen gefüttert, weil auch Kuh und Schwein den Stoff für eine gesunde Schilddrüse brauchen. Durch die Nahrungskette landet das SpurenelementSpurenelemente werden vom Körper für wichtige Stoffwechselprodukte benötigt. auf unserem Teller. Übrigens ist nicht mehr Speisesalz der Hauptlieferant von Jod, sondern Milch.

Und da liegt für die Jodkritiker das Problem. Derzeit gibt es keine exakte Kennzeichnungspflicht für Jodzusätze in Deutschland. Nur bei Speisesalz muss es auf der Packung stehen. Bei Milchtüten sucht der Verbraucher hingegen vergeblich nach dem Hinweis. Braunschweig-Pauli greift auf Produkte aus Ländern wie Spanien, Polen und Italien zurück, wo es mehr unjodierte Lebensmittel gibt. «Seitdem ich auf künstlichen Jodzusatz verzichte, geht es mir wieder besser», sagt sie.

ham/news.de

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