Nahrungsergänzung K(l)eine Wunderpillen

Sie machen schön, gesund und sind überall erhältlich: Nahrungsergänzungsmittel. Doch was bringen die bunten Pillen? Sind sie wirklich nützlich oder gar schädlich? News.de hat die angeblichen Vitaminbomben unter die Lupe genommen.
 

Nahrungsergänzungsmittel (Foto)
Für jeden etwas - aber auch immer das Richtige? Bild: ddp

Oft beginnt es mit anscheinend harmlosen Vitamin-C-Brausetabletten. Kurze Zeit später ist die Küche Herberge diverser Röhrchen, Blister und Schachteln. Vitamine und Mineralstoffe finden sich in Massen. Denn viele Hersteller dieser Präparate schüren die Angst vor einer unzureichenden Nährstoffversorgung, um ihre Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen.

Doch Deutschland ist kein Mangelland, wenn es um Vitamine und Mineralien geht. Grundsätzlich sind die Bundesbürger mit Nährstoffen gut versorgt, bestätigt Antje Gahl von der Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gegenüber news.de. Es gäbe zwar eine unzureichende Versorgung bei einigen Stoffen wie etwa FolsäureHitze- und lichtempfindliches Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine oder auch Jod. Diese dürfe aber nicht mit einem Mangel gleichgesetzt werden.

Wie viel wovon ist gesund?

Top-20-Lebensmittel : Vitaminbomben und Kraftpakete

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass für gesunde Personen in Deutschland keine Not herrscht, zusätzliche Nährstoffe aufzunehmen - wenn sie sich ausgewogen ernähren. Ausgewogen bedeutet laut DGE, aus möglichst vielen Lebensmittelgruppen seine Nahrung auszuwählen.

Zentral hält die DGE an der Regel «5 am Tag» immer noch fest. Sie besagt, dass man fünfmal täglich Obst und Gemüse zu sich nehmen sollte. Dabei entspricht eine Portion dem, was in die Hand passt. Also ein Apfel, eine Paprika, eine Handvoll Trauben oder Beeren.

Darüber hinaus sollten Milch- und Milchprodukte im Speiseplan nicht fehlen, denn sie versorgen den Körper mit Kalzium. Die DGE empfiehlt eine tägliche Kalziummenge von einem Gramm für einen Erwachsenen. Mit 200 Gramm Mozzarella oder 100 Gramm Bergkäse ist der Bedarf abgedeckt. Fettarmer Joghurt hingegen schlägt mit lediglich 120 Milligramm pro zweihundert Gramm zu Buche.

Über Fleisch und sauer vergorenes Gemüse (Sauerkraut, Gurken) wird der Bedarf an B-Vitaminen gedeckt. Wer außerdem regelmäßig zu Getreidekost greift, führt seinem Körper wertvolles Eisen sowie Folsäure und weitere B-Vitamine zu. Die Tagesdosis für Eisen beträgt zehn Milligramm für einen erwachsenen Mann. Frauen sollten 15 Gramm pro Tag zu sich nehmen. Zehn Milligramm Eisen sind in 100 Gramm Rinderleber oder 200 Gramm weißen Bohnen oder Linsen enthalten.

Zur optimalen Aufnahme empfiehlt es sich bei den Eisen-Lieferanten, zusätzlich Vitamin C zu konsumieren. So kann der Körper den Nährstoff besser verwerten. Zu einem Salat können Sie beispielsweise ein Zitronendressing zubereiten. Als Beilage zum Mittag eignen sich Blumenkohl oder auch Grünkohl hervorragend als Vitamin-C-Lieferant.

Auf die Versorgung mit Jod und Vitamin D sollte besonders geachtet werden. Jod steckt hauptsächlich in Seefisch wie Seelachs und Kabeljau sowie Fischleber - wer es geschmacklich verträgt, auch in Lebertran. Die empfohlene Tagesdosis von 200 Mikrogramm sind in 100 Gramm Schellfisch oder 200 Gramm Hummer enthalten.

Erkenne ich die Unterversorgung?

Eine einseitige Ernährung kann zwar zu einem kleinen Teil, jedoch nicht gänzlich durch Vitaminpille und Co. ersetzt werden. Um vorzubeugen, ist es sinnvoller, die Ernährung entsprechend umzustellen.

Lediglich Schwangere, Stillende oder auch Kleinkinder sowie Hochleistungssportler können einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen aufweisen. Eine zusätzliche Zufuhr wäre dafür sinnvoll. Dennoch sollte die Medikation keinesfalls selbst, sondern in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen selbst zu erkennen, ist fast unmöglich. Ernsthafter Mangel tritt erst nach einer längeren Zeit der starken Unterversorgung auf. Es kann Wochen oder auch Monate dauern, bis sich Defizite bemerkbar machen, erklärt DGE-Pressesprecherin Gahl.

Dennoch glauben viele, sie wären unterversorgt, weil sie unspezifische Symptome wie Schlappheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit oder auch generelle Abgeschlagenheit sofort mit einem Mangel an Nährstoffen verbinden. Doch die Ursachen können vielfältig sein. Eisen- und Kalziummangel kann beispielsweise nur der Arzt feststellen.

Warum nehmen wir diese Mittel?

Die Frage nach dem Grund der Einnahme lässt sich nicht sicher beantworten. Auch Ernährungswissenschaftler der DGE können lediglich Vermutungen anstellen. Denkbar ist eine trügerische Sicherheit, in der sich viele Menschen wiegen, da sie sich durch die Einnahme der Präparate optimal mit allem versorgt fühlen. Auch lässt sich damit das schlechte Gewissen aufgrund ungesunder Ernährung prima ausschalten.

Des weiteren strebt nahezu jeder nach Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Der Verbraucher jedoch fällt auf die Versprechen der Hersteller der Präparate herein. So werden nach dem Gießkannen-Prinzip Vitamine und Nährstoffe in den Körper geschüttet. Der gesundheitliche Nutzen ist gleich Null. Es wird lediglich teurer Urin produziert.

Krank durch Gesundmacher?

Laut der DGE haben Wissenschaftler noch keine genauen Werte zu allen eventuell gesundheitsschädigenden Wirkungen von Nahrungsergänzungspräparaten ermitteln können. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass eine starke Überdosierung auch zu Nebenwirkungen führen kann. So wurde Beta-Karotin, eine Vorstufe des Vitamins A, jahrelang als Rauchervitamin gepriesen. Mittlerweile ist seine krebsfördernde Wirkung bestätigt.

Im Jahr 2006 sprach das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein Einnahmeverbot für starke Raucher aus. Demnach dürfen Raucher keine Mittel mit einem Beta-Karotin-Wert von mehr als 20 Milligramm einnehmen, weil dadurch das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, enorm steigt. Die täglich empfohlene Dosis liegt bei einem Erwachsenen bei 0,8 bis 1 Gramm.

Durch den Genuss diverser Lebensmittel potenziert sich möglicherweise auch die Aufnahme bestimmter Stoffe. Wer einen Cocktail aus Säften, frischen Früchten oder Gemüse und Vitaminpillen zu sich nimmt, versorgt sich über, denn viele Lebensmittel sind heute zusätzlich mit Vitaminen oder Nährstoffen angereichert.

Die Wirkung bleibt nicht aus: Ein hoher Vitamin-C-Konsum kann Durchfallerscheinungen mit sich bringen und sollte vor allem bei Vorerkrankungen der Nieren mit Vorsicht genossen werden. Je mehr Produkte und Präparate konsumiert werden, desto unkalkulierbarer wird das Risiko der Wechselwirkungen.

sca/reu/news.de

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Netpro
  • Kommentar 5
  • 14.10.2010 13:00

Das Problem mit den "Nahrungsmitteln", die wir hier in den Industrienationen vorgelegt bekommen (z.B. Tomaten, die nur so aussehen), ist der, dass sie fast keine bis keine Nährstoffe mehr erhalten - ist hat "Industrienahrung", die man nicht mit richtigen Obst und Gemüse verwechseln sollte ;-) Deshalb muss man sogar Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, um eine unterversorgung an Nährstoffen vorzubeugen....

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  • Gerhard Schröder
  • Kommentar 4
  • 11.10.2010 13:36

Ich lach mich schlapp. Was soll denn der Unsinn, wird hier die Bevölkerung auf "Codex Alimentaruius" vorbereitet, auf bestrahlte und genverseuchte Nahrungsmittel ? Aus England kommt die Meldung, dass alle Menschen, die ihre Nahrungsmittel gezielt auswählen, geistig krank sind. Die Verrückten sitzen aber ganz wo anders. Ich bin 73 Jahre, lebe ohne Arzt, nehme keinerlei Pharmapillen, fahre Hunderte Kilometer Rad und hatte mal Arteriosklerose. Seitdem ergänze ich meine Nahrung mit natürlichen und wissenschaftlich geprüften Mitteln. Andere nehmen Pharmapillen und sind krank, komisch. G. S.

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  • romo
  • Kommentar 3
  • 02.10.2010 13:42

hier noch Fortsetzung von Komm. 2 es geht um Naturbelassenheit u. genau DAS kriegen wir in normalen Drogerien nicht - genau so wenig Beratung u. dazugehörige Sachkenntnis. Und wer sich heute nicht selbst Wissen holt u. jeden Mist der Industrie glaubt,der ... Es gibt einen Anbieter,der hat Marktführung weltweit,seit 74 Jahren!,gibt`s aber nicht im Geschäft,ist offiziell getestet worden u. als EINZIGER Sieger durch gegangen,von 25 getetest.Produkten - das ist die Firma Nutrilite - ein Direktvertrieb...(s.nutrilite.de) Warum sonst haben wir noch immer Steig.Krebs- u. Allergienrate?

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