Mo., 13.02.12

Telefonaktion Wenn bei Keuchhusten die Rippen brechen

Artikel vom 09.09.2010

Keuchhusten beginnt wie eine Erkältung, doch dann treten hartnäckige Hustenanfälle auf. Was früher als typische Kinderkrankheit galt, trifft heute zunehmend Jugendliche und Erwachsene. Bei der news.de-Telefonaktion gaben Experten die Antworten.

Worin unterscheiden sich ein Erkältungshusten und Keuchhusten?

Professor  Klaus Wahle: Zunächst sind sie kaum zu unterscheiden, weshalb Keuchhusten oft erst spät festgestellt wird und wertvolle Zeit bei der Behandlung verloren geht. Keuchhusten wird von einem Bakterium namens Bordetella pertussis verursacht. Im ersten Stadium ähnelt die Erkrankung mit Schnupfen, leichtem Fieber und Heiserkeit einer Erkältung, aber nach gut zwei Wochen setzen die Hustenanfälle ein. Es kann bis zu sechs Wochen andauern, bevor die Symptome abklingen und nach bis zu zehn weiteren Wochen schließlich verschwinden. Wichtig ist: Hält ein Husten über zwei Wochen hinaus an, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen!

Warum ist Keuchhusten im Erwachsenenalter so bedenklich?

Dr. Michael Albrecht: Bei Erwachsenen geht Keuchhusten mit schweren Atembeschwerden und Schmerzen im Brustkorb einher. Darüber hinaus kommt es bei jedem Vierten zu Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen. Durch die Überlastung des Körpers bei den Hustenattacken besteht außerdem die Gefahr von Rippenbrüchen, Bandscheibenvorfall und Harninkontinenz. Deshalb sollten Erwachsene auf bestehenden Impfschutz achten.

Wie wird Keuchhusten behandelt?

Albrecht: Wichtig ist, schnell mit einer Antibiotika-Therapie zu beginnen. Zwar verhindert man damit nicht den Ausbruch der Krankheit, aber nach etwa fünf Tagen besteht keine Ansteckungsgefahr mehr und die Heilung kann schneller und unkomplizierter verlaufen. Ansonsten gilt es, die Beschwerden zu lindern: Ruhe, kühle und relativ feuchte Raumluft und viel Flüssigkeit, um das Abhusten zu erleichtern und kleine, dafür häufigere Mahlzeiten. Säuglinge müssen im Krankenhaus behandelt werden, da es bei ihnen häufig notwendig ist, den zähen Schleim abzusaugen.

Ab wann und wie lange besteht Ansteckungsgefahr?

Wahle: Die Ansteckungsgefahr beginnt bereits am Ende der Inkubationszeit, also noch bevor die ersten Symptome auftreten. In der sechsten Krankheitswoche sinkt die Ansteckungsgefahr wieder. Wird rechtzeitig eine antibiotische Therapie eingeleitet, verkürzt sich die Ansteckungsgefahr auf rund fünf Tage nach Therapiebeginn.

Warum ist Keuchhusten für Kleinkinder so gefährlich?

Dr. Michael Feld: Zunächst einmal: Gegen Keuchhusten gibt es keinen angeborenen Nestschutz, der Säuglinge davor schützt. Besonders bei ihnen kann der Keuchhusten einen schweren Verlauf nehmen und geht oft mit Komplikationen einher. Dazu zählen Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen, Komplikationen im Bronchialsystem oder sogar Gehirnentzündungen mit Krampfanfällen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die zweite Auffrisch-Impfung im Alter von neun bis 17 Jahren. Ist man dann lebenslang immun?

Wahle: Leider nicht. Die Immunisierung durch eine Impfung hält zwischen fünf und zehn Jahren an. Deshalb empfiehlt die Stiko am Robert Koch-Institut auch allen Erwachsenen seit 2009 eine einmalige Auffrischimpfung.

Muss ich die Impfung gegen Keuchhusten selbst zahlen?

Albrecht: Nein, die Kosten werden von Krankenkassen übernommen. Einige Krankenkassen belohnen Impfungen wegen ihrer vorbeugenden Wirkung sogar im Rahmen ihrer Bonusprogramme.

Wird der Impfstoff immer als Mehrfachimpfung verabreicht?

Feld: Ja, die Impfung gegen Keuchhusten wird immer in Form einer Kombinationsimpfung verabreicht. Steht in nächster Zeit beispielsweise die Auffrischung des Schutzes gegen Tetanus und Diphtherie an, sollte der Arzt prüfen, ob gegen Pertussis geimpft werden sollte. Bei dieser Gelegenheit empfiehlt es sich, auch den Impfschutz gegen Polio zu kontrollieren. Falls dieser nicht vollständig ist oder die Impfung bisher nicht einmalig aufgefrischt wurde, kann der Arzt eine Vierfach-Impfung verabreichen, die gleichzeitig vor Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio schützt.

Birgt nicht auch die Impfung Risiken?

Feld: Die heutigen Impfstoffe sind gut verträglich. Gelegentlich kommt es vor, dass an der Impfstelle für eine kurze Zeit eine kleine Hautrötung oder Schwellung auftritt.

Weiterführende Lnks

Die aktuellen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut sind unter www.rki.de abrufbar.

Weitere Informationen zur Impfung gegen Keuchhusten und weitere Krankheiten bietet die Internetseite www.impfen-aktuell.de. Praktisch: Man kann anonym den eigenen Impfstatus checken und einen Impfplan erstellen, der dann mit dem Hausarzt besprochen werden kann.

 


Die Experten am Telefon: Professor Klaus Wahle, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin, Hausarzt und Mitglied der Ständigen Impfkommission am Berliner Robert Koch-Institut (Stiko); Dr. Michael Albrecht; Facharzt für Allgemeinmedizin aus Köln und Dr. Michael Feld; Facharzt für Allgemeinmedizin aus Frechen-Königsdorf.

sca/mac/news.de/pr.nrw
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Telefonaktion mit Impfexperten (Foto)
Telefonaktion Impfen überfordert Säuglinge nicht

Beim Thema «Impfen» erfolgt häufig ein erbitterter Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern. Gerade junge mehr ...

Speichel überträgt Pfeiffer'sches Drüsenfieber (Foto)
Drüsenfieber Monatelang krank durch Küsse

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Angina. Doch Pfeiffersches Drüsenfieber befällt auch Milz und mehr ...

Kinderkrankheit Scharlach kann auch Erwachsene treffen (Foto)
Scharlach Von wegen Kinderkrankheit

Scharlach gilt als Kinderkrankheit. Doch auch Erwachsene sind nicht sicher. Die Folgen sind mehr ...

Telefonaktion: Wenn bei Keuchhusten die Rippen brechen » Gesundheit » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesundheit/855072665/wenn-bei-keuchhusten-die-rippen-brechen/1/
Schlagworte:
Abklingen, Alain Robert, Allgemeinmedizin, Alter, Ansonsten, Ansteckungsgefahr, Antibiotika-Therapie, Arzt, Atembeschwerden, Auffrisch-Impfung, Auffrischimpfung, Auffrischung, Ausbruch, Bakterium, Bandscheibenvorfall, Beginnt, Behandelt, Behandlung, Berliner, Beschwerden, Bonusprogramme, Brustkorb, Chris Albrecht, Diphtherie, Erkältung, Erkrankung, Erstellen, Erwachsene, Erwachsenen, Erwachsenenalter, Experten, Facharzt, Feld, Festgestellt, Fieber, Flüssigkeit, Form, Gaben, Gefahr, Geimpft, Gelegenheit, Gelegentlich, Grazia Früher, Halt, Hausarzt, Heilung, Heiserkeit, Husten, Immun, Immunisierung, Impfempfehlungen, Impfkommission, Impfschutz, Impfstoff, Impfstoffe, Impfung, Impfungen, Informationen, Inke Ruhe, Innere, Internetseite, Isabelle Prévost-Desprez, Jahren, Keuchhusten, Kilian Albrecht, Kinderkrankheit, Klaus Barbie, Klaus Baur, Klaus Brüggemann, Klaus Büchner, Klaus Doubek, Klaus Eck, Klaus Eichhorn, Klaus Engel, Klaus Gerster, Klaus Hagl, Klaus Krüger, Klaus Marschall, Klaus Probst, Klaus Schäfer, Klaus Wittmann, Kleinkinder, Koch-Institut, Köln, Kombinationsimpfung, Komplikationen, Kontrollieren, Körpers, Kosten, Krampfanfällen, Krankenhaus, Krankenkassen, Krankheit, Krankheiten, Kühle, Lebenslang, León Robert, Lungenentzündungen, Mac Informationen, Mahlzeiten, Mitglied, Mittelohr, Mittelohrentzündungen, Nächster, Patrick Rahmen, Polio, Praktisch, Prés, Prévost-Desprez, Professor, Prüfen, Rahmen, Raumluft, Rechtzeitig, Richter Beschwerden, Risiken, Robert Anthony, Robert Behling, Robert Bentley, Robert Bobby, Robert Dietrich, Robert Dippl, Robert Enke, Robert Fico, Robert Green, Robert Harsch-Niemeyer, Robert Holl, Robert Johnson, Robert Juckel, Robert Kasza, Robert Kiprono, Robert Koch-Institut, Robert Lindstedt, Robert Lottermoser, Robert Mak, Robert Marx, Robert Mugabe, Robert Nouzaret, Robert PlantAnkündigung, Robert Pulcini, Robert Ryczko, Robert Saalfeld, Robert Siodmak, Robert TescheHamburger, Robert Wagner, Robert Wilson, Robert Wintermantel, Ruhe, Säuglinge, SCA, Schleim, Schmerzen, Schneller, Schnupfen, Schutzes, Schwellung, Sechsten, Stadium, Ständige, Ständigen, Stephane Robert, Stiko, Strong, Symptome, Tage Ruhe, Tagen, Telefon, Telefonaktion, Tetanus, Therapie, Therapiebeginn, Treten, Trifft, Überlastung, Übernommen, Unerträglich, Verhindert, Verlauf, Verursacht, Vierten, Weiterführende, Wilfried Klaus, Wirkung, Wochen, Zeit, Zunächst,
Leserkommentare (0)
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren