Mo., 13.02.12

Sammler im Wald So bleibt der Pilz nicht im Hals stecken

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Artikel vom 07.09.2010

Gerade im Spätsommer sind die Wälder voll. Es sind nicht Spaziergänger, sondern Sammler, die auf Beute aus sind: Speisepilze sind ihr Ziel. Doch so lecker die Früchte des Waldbodens auch sind: Wer sich nicht auskennt, spielt mit seinem Leben.

Ob Pfifferlinge, Maronen oder Steinpilze: «Schwammerl» sind ein Genuss für den Gaumen und lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und sie sind gesund: Da sie zu 90 Prozent aus Wasser bestehen, sind sie sehr kalorienarm, und enthalten kein Fett, dafür aber viel Eiweiß. 100 Gramm Pilze haben einen Nährwert von etwa 15 Kilokalorien. Der Eiweißgehalt liegt bei zwei Gramm - vergleichbar mit der Kartoffel.

Auch in Sachen Vitamine haben es Pilze in sich. Sie enthalten Vitamine der B-Gruppe (Niacin, Pantothensäure, Folsäure) und Vitamin D, was gut für die Haut ist. Die Schwammerl liefern zudem wertvolle Mineralstoffe wie Kalium, Eisen, Phosphor, Selen und Mangan. Doch Kenner wie Günther Groß schätzen vor allem eines an ihnen: den Geschmack.

Der Pilzexperte beschäftigt sich «erst seit 50 Jahren» mit Pilzen, wie der Vorsitzende der Pilzfreunde Augsburg-Königsbrunn scherzt. Vor allem der Parasol hat es ihm als liebster Speisepilz angetan: «Den wie ein Schnitzel panieren und im Fett ausbacken, ist eine Delikatesse», schwärmt Groß.

Gerade jetzt ist der 66-Jährige jeden Tag aufs Neue ein gefragter Mann, denn durch die kalten und regnerischen Tage im August sprossen die Pilze nur so aus dem Boden. Zusammen mit seinen Pilzfreunden macht er am Augsburger Markt die Pilzberatung. Wie wichtig die ist, zeigt die Anhäufung von Sammlern, die Groß ratlos die Pilze zeigen. Das Verhalten mancher ärgert ihn: «Es gibt nicht selten welche, die einfach alles einsammeln, aber nicht wissen, was sie überhaupt im Körbchen haben.» Deshalb sollte man nur ein paar wenige mitnehmen, damit die anderen überleben – auch wenn sie ungenießbar seien.

Über 2000 verschiedene Pilzarten

Pilze sammeln erfordert viel Wissen. «Allein bei uns gibt es über 2000 verschiedene Arten, da lerne ich selbst jeden Tag aufs Neue hinzu», sagt der Experte, der die Schwammerl kartiert und dokumentiert. Wer selbst auf Erkundungstour unterwegs ist, muss aufpassen: «Sammeln Sie nur die Pilze, die Sie kennen und nehmen Sie sich Leute mit, die sich auskennen», rät Groß. Auch Bücher können die nötige Unterstützung geben, doch Groß zufolge müssen es mindestens zwei aktuelle sein, denn «die alten haben noch Weisheiten drinnen, die nicht stimmen».

Wer sich uneinig ist, sollte Fachleute wie Groß fragen. Während der Pilzsaison Anfang August bis Anfang Oktober gibt es fast überall eine Pilzberatung. Wichtig ist, dabei den Fundort zu notieren: Laub-, Nadel- oder Mischwald? Welche Baumarten stehen in der Umgebung der Pilze?

Das hilft den Experten, die Pilze zu beurteilen – oft mit schlechtem Ergebnis für die Sammler. «In 80 Prozent aller Fälle, in denen der Steinpilz vermutet wird, handelt es sich um einen Gallenröhrling», so Groß. Das ist nicht gefährlich, aber ärgerlich, denn der Gallenröhrling ist ungenießbar. «Einer dieser Pilz macht ein Gericht zum bitteren Essen, das man nur noch wegschmeißen kann.» Dabei sei er einfach zu erkennen: Die Hutoberseite ist braun, die Innenseite immer weiß, und wenn man ihn drückt, wird er immer rosa. Der Drucktest macht den entscheidenden Unterschied zum Steinpilz deutlich.

Pilze aus dem Boden drehen

Im Wald warten noch andere Verwechslungen, die fataler ausgehen können: Das gilt vor allem für den Knollenblätterpilz, der für Nichtkenner dem Champignon sehr ähnelt. «Der Knollenblätterpilz hat innen kleine Lamellen und einen Hautsack im Boden, der Champignon hat beides nicht», erklärt Groß und macht deutllich, wie wichtig es ist, die Pilze ganz aus dem Boden zu drehen und nicht abzuschneiden. Nur dadurch ist der tödliche Irrtum zu vermeiden.

In seinem Gebiet ist der gefährliche Schwammerl jedoch nicht so verbreitet, vielmehr der Rauhkopf, der ebenfalls tödlich ist. Der Unterschied zum Knollenblätterpilz: Anders als beim ihm wirkt sein Gift nicht nach zwölf bis 18 Stunden, sondern erst nach rund zehn Tagen. Der schleichende Killer ist eindeutig an seiner rostfarbenen Erscheinung zu erkennen.

Pilze mindestens 15 Minuten lang erhitzen

Wer aber erfolgreich auf Tour war, sollte die Beute luftig in Körben transportieren. In Plastiktüten würde sich Kondenswasser bilden, die Pilze würden faulen. Laut Groß halten sich Wildpilze nur wenige Tage frisch. Man sollte sie entweder im Gemüsefach des Kühlschrankes oder auf dem Balkon aufbewahren. «Wichtig bei Wildpilzen: Immer mehr als eine Viertelstunde lang über 70 Grad erhitzen», so Groß. Das tötet vor allem den Fuchsbandwurm, der für den Menschen tödlich sein kann.

Wer sich dennoch schon nach den ersten Bissen schlecht fühlt, sollte laut Groß den Notarzt oder den Giftnotruf anrufen. Deshalb sollten immer kleine Putzreste aufgehoben werden, um im Notfall den Arzt entscheidende Tipps zu geben. Wichtig ist dabei, schnell den Magen zu entleeren, also brechen. Das Erbrochene sollte für den Notarzt aufbewahrt werden.

Weitere detaillierte Infos liefert die Deutsche Gesellschaft für Mykologie und zeigt auch die Pilzberatungsstellen in Ihrer Nähe.

ham/ivb/news.de
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Leserkommentare (3)
  • Kommentar: 3
  • 24.09.2010 13:44
von
Lorenz
Antwort auf Kommentar 1

Wäre schön wenn News.de schneller laden würde, ist total überfrachtet bzw. der Server überlastet.

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  • Kommentar: 2
  • 08.09.2010 05:28
von
Mara

Wäre schön, wenn Ihr den Artikel da auch mit ranlinken könntet... http://www.news.de/gesundheit/716487624/giftpilze-machen-sammlern-das-leben-schwer/1/

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  • Kommentar: 1
  • 07.09.2010 17:13
von
qwert
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