Transplantationen nicht um jeden Preis
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Die Bundesärztekammer weist Forderungen aus den Unions-Reihen zurück, neue Regeln für Organspenden einzuführen. Danach sollen hirntoten Patienten Organe entnommen werden können, wenn sie dem zu Lebzeiten nicht widersprochen haben.
Frank-Ulrich Montgomery erklärte dem Berliner Tagesspiegel, schon die Debatte über eine solche Organentnahme, die als Widerspruchsregelung bezeichnet wird, verstärke bestehende Ressentiments. «Sie macht mehr kaputt, als sie an Nutzen bringt», sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer.
Auch gegen die Forderung, jedem Bürger zumindest eine Entscheidung für oder gegen die Organspende abzuverlangen, wandte sich der Ärztefunktionär. Jeder Mensch habe auch das Recht, sich mit seinem Lebensende nicht zu befassen, so Montgomery. Derzeit muss dem Gesetz nach ein Hirntoter einer Organspende zuvor ausdrücklich zugestimmt haben oder die Angehörigen müssen Ja dazu sagen. Die Rede ist hier von der erweiterten Zustimmungsregelung.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, hingegen befürwortete eine Debatte über Gesetzesänderungen. Die Widerspruchslösung könne dazu beitragen, mehr Menschenleben zu retten, erklärte er in Berlin. Die Diskussion dürfe aber nicht zu Verunsicherungen der Bevölkerung führen.
Der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Jens Spahn (CDU), bezeichnete die Forderung seines Kollegen Rolf Koschorrek als zu weitgehend. Allerdings forderte der CDU-Politiker, dass «man jeden Erwachsenen mindestens einmal im Leben mit dem Thema konfrontieren» muss. Ein guter Zeitpunkt dafür wäre aus seiner Sicht der Führerscheinerwerb, sagte Spahn. Im Idealfall könne die Bereitschaft zur Organspende dann gleich auf diesem Dokument vermerkt werden.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) plädiert für eine offene Debatte über die Widerspruchsregelung bei Organspenden. «Jahr für Jahr sterben Menschen, die vergeblich auf Organspenden warten. Es ist gut, dass offen darüber diskutiert wird, wie die Situation verbessert werden kann», sagte sie der Tageszeitung Die Welt.
Ähnlich äußerte sich der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Es müsse eine Regelung gefunden werden, die die Organspende zur Regel mache und diese nur bei ausdrücklichem Widerspruch zu unterlassen, sagte der Bundestagsabgeordnete dem Kölner Stadt-Anzeiger. Dabei solle der Bundestag ohne Fraktionszwang abstimmen.
Deutschland liegt im europäischen Vergleich im unteren Mittelfeld
In mehreren europäischen Ländern ist die Widerspruchsregelung Praxis. Diese führt unter anderem dazu, dass die Zahl der Organspenden deutlich höher liegt. Im Vergleich: Während in Deutschland auf eine Million Bundesbürger 15 Spender kommen, sind es beim Vorbild Spanien mehr als doppelt so viele - nämlich 34. Damit liegt Deutschland europaweit im unteren Mittelfeld.
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warten derzeit rund 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Schätzungsweise 1000 sterben Jahr für Jahr, während sie noch auf eine Transplantation hoffen.
Auslöser der Debatte war die Nieren-Spende des SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier an seine Frau Elke Büdenbender. Unions-Politiker hatten daraufhin in der Welt am Sonntag dafür plädiert, das Grundprinzip in der Transplantationsmedizin umzukehren. Der Obmann der Unionsfraktion im Gesundheitsausschuss, Rolf Koschorrek (CDU), kündigte an, für die Widerspruchsregelung zu kämpfen.
Dies sei «eine Möglichkeit, die Versorgung mit Spenderorganen hierzulande entscheidend zu verbessern», sagte er. «In Anbetracht des Mangels an Spenderorganen muss über alle Möglichkeiten offen diskutiert werden, die zu einer Verbesserung der Situation führen», sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), der Zeitung. Wissenschaftler und Ärzte plädieren ebenso für die Widerspruchsregelung.
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zeigte sich jedoch skeptisch. Die Bereitschaft zur Organspende dürfe nicht verordnet werden, sagte Rösler dem Blatt.
sca/mac/ivb/news.de/ddp/ap
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