So., 12.02.12

Migräne Attacken sind gengesteuert

Artikel vom 30.08.2010

Nicht nur im Essen eine Qual: Wie Forscher jetzt herausgefunden haben, soll ein hoher Glutamatspiegel für chronische Kopfschmerzattacken verantwortlich sein. Sie haben dabei einen Abschnitt im Erbgut entdeckt, der die Migräne ermöglicht.

Diese Erbinformation ist offenbar an der Glutamatregulation im Gehirn beteiligt. Der Botenstoff kann den Forschern zufolge bei zu hoher Konzentration Migräne-Anfälle auslösen. Die Erkenntnisse könnten in Zukunft dazu beitragen, Therapien gegen Migräne-Attacken zu entwickeln.

Rund acht Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Migräne. Europaweit sind etwa acht Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen von dieser Erkrankung des Nervensystems betroffen. Sie beginnt oft bereits während der Pubertät, zu den typischen Kopfschmerz-Attacken kommt es jedoch meist erst im Erwachsenenalter.

Eine Migräne-Attacke ist durch einen halbseitig auftretenden, pulsierenden Kopfschmerz gekennzeichnet. Oft begleiten Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit einen Anfall.

Bislang war unklar, wann genau und wodurch die Attacken ausgelöst werden. Nun hat ein Team internationaler Wissenschaftler genetische Daten von 56.742 Menschen aus Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Island und Dänemark verglichen und dabei den Risikofaktor im Erbgut gefunden. Demnach haben Patienten mit einem speziellen Gen-Marker auf Chromosom acht ein deutlich höheres Risiko, eine Migräne zu entwickeln.

«Unsere Daten weisen darauf hin, dass der Marker rs1835740 an der Glutamatregulation beteiligt ist», erklären die Forscher. Glutamat ist ein sogenannter Neurotransmitter, der für den Transport von Informationen zwischen den Nervenzellen im Gehirn verantwortlich ist.

«Eine Anhäufung von Glutamat im Gehirn könnte eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Migräne spielen», erklärt Co-Autor Christian Kubisch von der Universität zu Köln. Das jetzt identifizierte Gen reguliert beim gesunden Menschen den Abbau des Glutamats in den Nerven-Enden. Bei der Variante, die gehäuft bei Migräne-Patienten vorkommt, könnte diese Funktion gestört sein, vermuten die Forscher. Hier ergäbe sich folglich ein möglicher Ansatzpunkt für die Entwicklung von Medikamenten. Die Leiden der Patienten ließen sich eventuell deutlich verringern, wenn es gelänge, die Ansammlung des Glutamats zu vermeiden.

sca/ham/news.de/ddp
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