Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager - 25.08.2010, 11.30 Uhr

Schlafstörungen: Schlummern statt Wälzen

Jeder siebte Deutsche leidet an Schlafstörungen. Manchmal reicht es, die Schlafsituation zu optimieren, um nachts zur Ruhe zu kommen. Manchmal müssen Hausmittel und Rituale nachhelfen. Denn die Ursachen der wachen Nächte sind vielfältig.

Können Sie auch nicht schlafen? Dann geht es Ihnen wie jedem siebten Deutschen. Bild: DAK

Nicht jede Schlafstörung ist gleich behandlungsbedürftig, da das ruhelose und nächtliche Hin- und Herwälzen ganz unterschiedliche Auslöser haben kann. Mal schwappt eine Hitzewelle über das Land, mal lässt Stress bei der Arbeit grübeln oder die Trennung vom Partner die Gedanken kreisen oder die Nachbarn feiern gerade eine Party. Auch Koffein, Nikotin oder eine zu schwere Mahlzeit können kurzfristig den Schlaf rauben. 

Schlafmediziner gehen davon aus, dass jeder siebte Deutsche an behandlungsbedürftigen Schlafstörungen leidet. Diese haben etwa Depressionen, Stoffwechselkrankheiten, verschiedene Medikamente, Alkohol, Herzerkrankungen, Schmerzen jeder Art oder vielleicht Allergien zur Ursache.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer Schlafstörung, wenn Betroffene nicht einschlafen können oder schlecht schlafen und das mindestens in drei Nächten pro Woche über einen Zeitraum von einem Monat oder länger. Zudem fühlen sich die Schlaflosen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, das Schlafdefizit wirkt sich auf die soziale und berufliche Leistungsfähigkeit aus und es entsteht ein Leidensdruck.

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Das ideale Schlafzimmer

Bevor man nach einigen ruhelosen Nächten jedoch gleich den Arzt aufsucht, sollte man zuerst das Schlafumfeld kritisch beäugen. Liegt das Schlafzimmer an einer lauten Straße oder macht sogar die Einflugschneise eines Flughafens die nächtliche Ruhe zunichte? Es ist erwiesen, dass Lärm zu einer schlechteren Schlafqualität führt. Ein Umzug könnte Abhilfe schaffen.

Gleiches gilt für Licht. Scheint etwa eine Straßenlaterne durch die Gardinen, dann kann es nichts werden mit dem süßen erholsamen Schlummer. Dichte Jalousinen oder dicke Vorhänge sind gute Investitionen. Auch die Temperatur sollte stimmen,. 16 bis 18 Grad gelten als ideal. Ist die Matratze zu hart oder zu weich oder quietscht das Bettgestell bei jeden Atemzug, kann die Ursache für die müden Augenlider, die einen tagsüber quälen, entlarvt und behoben werden.

Stimmen alle Rahmenbedingungen im Schlafzimmer, der erholsame Schlummer will sich aber dennoch nicht einstellen, lohnt es sich, Hausmittel, Tricks und alternative Heilmittel auszuprobieren. Von Schlaftabletten sollte man dagegen möglichst die Finger lassen. Das Risiko, sich von den synthetischen Schlafhilfen abhängig zu machen und bei Absetzen sich noch mehr schlaflos durch die Nacht zu wälzen, ist einfach zu groß. Ein paar Tropfen Baldrian können dagegen Wunder bewirken, wie zahlreiche Studien belegen.

Statt wach im Bett zu liegen, die Augen verzweifelt zuzukneifen und sich fürchterlich zu ärgern, sollten Schlaflose aufstehen und etwas Sinnvolles machen. Etwa die Urlaubsfotos, die schon seit Monaten im Karton liegen, sortieren. Oder ein Buch lesen. Oder ein Puzzle lösen. Das macht müde. Wer sich dagegen zwischen den Decken im Dunkeln grämt, hat kaum eine Chance, tatsächlich ins Traumland abzudriften.

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Gut vorbereiten, seelig schlummern

Präventiv helfen Sport oder ein langer Abendspaziergang an der frischen Luft, um sich körperlich auszupowern. Oder zu entspannen. Welches Ritual man entwickeln muss, um die Sorgen und den Stress des Tages abzuschütteln und zur Ruhe zu kommen, muss jeder für sich selbst herausfinden. Schlafen die einen am besten über drögen Texten ein, schlummern die anderen am sanftesten mit Teddy im Arm oder leiser Musik aus der Stereoanlage. Am besten sollte das beruhigende Ritual etwa eine halbe Stunde vorm Zubettgehen beginnen. Wer es als beruhigend empfindet, kann auch ein nicht zu heißes Bad mit Jasmin oder Lavendel zum abendlichen Ritual werden lassen. Aber Vorsicht: Einige werden vom Planschen erst richtig wach.

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Verschiedene Getränke können zur Schlummerstimmung beitragen. So etwa warme Milch mit Honig, ein Kräutertee oder ein Kakao. Diese sollte man aber auf keinen Fall hastig hinunterstürzen, sondern in kleinen regelmäßigen Schlucken ganz bewusst genießen. Alkohol macht dagegen zwar erst mal müde. Doch der Körper hat dann in der Nacht seine liebe Mühe, das schwerverdauliche Zeug wieder abzubauen.

Auch eine schöne Hilfe gegen Schlafstörungen: Sex oder Masturbieren. Denn: Das erschöpft, bringt auf andere Gedanken und entspannt.

Dauern die Schlafstörungen dennoch über einen längeren Zeitraum an, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

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sca/reu/news.de

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