Eltern schüren Schulangst
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Artikel vom 13.08.2010
Rund 830.000 Kinder in Deutschland drücken in diesem Spätsommer zum ersten Mal die Schulbank. Für die Abc-Schützen ein spannender Tag, der ihnen auch Angst machen kann. Dafür sorgen die Eltern - oft unbewusst. Doch es geht besser.
Stolze Eltern und Großeltern mit Fotoapparaten bewaffnet und neugierige Erstklässler, die mit ihren Mitschülern neue Freundschaften schließen: Die Einschulung ist ein Familienereignis. Für Stefan Drewes ist es mehr. «Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist die Einschulung ein sehr wichtiger Schritt», erklärt der Vorsitzende der Sektion Schulpsychologie des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP).
Denn für die Kinder bedeute es, endlich zu den «Großen» zu gehören, endlich Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen und anders als im Kindergarten allein den Weg zur Schule zu bewältigen. Sprich: Der Sprössling wird selbstständig.
Schwer, das Kind loszulassen
Doch es gibt Erstklässler, die Mamas Rockzipfel am liebsten gar nicht loslassen würden. Sie sind verunsichert – durch die Eltern. Denn diese begleiten laut Drewes den Schulanfang oft mit gemischten Gefühlen. «Zum einen tun sich manche Eltern schwer, ihr Kind loszulassen und bedauern die wachsende Selbstständigkeit, zum anderen werden dabei Erinnerungen an die eigene Schulzeit wach», so der Schulpsychologe. Und es seien die negativen Eindrücke, an die man sich eher erinnert. «Die Kinder nehmen das auf», erklärt Drewes.
Gerade in der heißen Phase des Schulanfangs sollten Mütter und Väter daher Bedenken nicht vor ihren Kindern äußern. Auch vom beginnenden «Ernst des Lebens» zu sprechen oder den Kindern bei flegelhaftem Benehmen mit der Schule als Erziehungsmaßnahme zu drohen, sei laut Drewes kontraproduktiv. «Vielmehr sollen sie ihrem Kind Mut machen und in ihnen die Neugier wecken, dass es groß wird, ganz viele neue Freunde kennenlernen wird und selbst zur Schule gehen kann», rät der Experte aus Düsseldorf.
Daher ist es ratsam, wenn Eltern ihren Sprössling schon bei der Anmeldung mit zum Termin nehmen. Zudem sei es bei den meisten Kindergärten schon Standard, dass die Gruppe der Vorschüler der späteren Bildungsstätte einen Schnupperbesuch abstattet.
Viele Eltern haben Angst davor, dass der oder die Kleine im Unterricht nicht mitkommt und im Schulalltag untergeht. Doch Drewes sieht das aus Erfahrung gelassen: «Die Eltern sind völlig überrascht, wie selbstständig die Kinder schon nach wenigen Tagen die neue Aufgabe meistern.»
Hat das Kind starke Startschwierigkeiten – gerade jene, die im Kindergarten dasselbe Verhalten gezeigt haben -, müsse die Familie dem Nachwuchs ausreichend Zeit gönnen, sich auf Neues einzulassen und neue Freunde zu finden. «Man soll dem Kind keine Vorwürfe machen, sondern sich die Zeit nehmen, um es richtig unterstützen zu können», so Drewes. Ratsam sei es, den Alltag darauf einzurichten, dass am Morgen oder am Nachmittag nicht zu viel Stress oder Hektik entsteht.
Lernhaltung wichtiger als Lernstoff
Manche Paare versorgen ihre Kinder schon vor der Einschulung mit Lernstoff, was aus Sicht des Experten völlig unnötig sei. Denn die Kleinen werden in der Schule spielerisch an den Unterrichtsstoff herangeführt. «Viel wichtiger ist es, dass das Kind eine Lernhaltung einnimmt und eine beginnende Konzentration an den Tag legt», betont der Experte.
Um den Lernprozess anzuregen, brauchen Erstklässler zu Hause einen eigenen Arbeitsplatz, an dem Hausaufgaben gemacht werden können. Dieser sollte nicht im Wohnzimmer oder der Küche stehen oder Ablenkungen bieten. Ratsam ist zudem, die Hausaufgaben selbst erledigen zu lassen. Mehr als 20 oder 30 Minuten sollten die Aufgaben aber nicht dauern.
sca/ham/reu/news.de
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Ob Mathe, Deutsch oder Latein: Lernprogramme gibt es für alle Fächer. News.de stellt digitale Pauker mehr ...
Eine halbe Stunde länger schlafen: Das motiviert Schüler mehr und reduziert das mehr ...
Der sicherste Weg zur Schule ist der richtige. Wie ABC-Schützen gut ankommen, sagt mehr ...
Ich denke auch daß die Schulpflicht einfach zu starr ist. Fällt das Kind in den Pflichtzeitraum kann es nur in eine Förderklasse oder muß am Unterricht teilnehmen. Und Förderklasse auch nur wenn migrantenmäßig noch Platz frei ist - also nicht. Unser 6-jähriger Junge ist überfordert mit Schule. Und die Mutter läßt durchaus "los" - ihn alleine zu Freunden ziehen etc. - trotzdem klammert der Junge bei Einschulung. Klar er kennt niemanden in der Klasse. 99% Migranten. Kein einziger deutscher Junge. Nur 2-3 deutsche Mädchen. Rest: Migration! Was ja nix heißen soll, wenn diese sich integrieren.
jetzt antwortenKommentar meldenVölliger Schwachsinn! Die Kinder sind mit gerade sechs Jahren teilweise noch viel zu unreif für die Schule. Früher wurden diese Kinder in der Vor-Schule fit für den Alltag gemacht, heute müssen, diese teilweise emotional noch nicht schulreifen Kinder, in die Schule. Das sie hiermit überfordert sind und demnach Angst haben ist doch eine logische Schlußfolgerung.
jetzt antwortenKommentar meldenSchon das Wort EINSCHULUNG kennzeichnet DRUCK und wirkt ängstigend. Wir betreiben alle ein - weitgehend UNBEWUSSTES - System der Ängstigung. zuerst müssten wir uns unserer SUGGESTIVEN WIRKUNG bewusst werden, wenn sich das ändern soll. Die neue Ich-kann-Schule macht SUGGESTION bewusst und lehrt, mit ihr umzugehen. Dadurch kommen wir auch vom DRUCK weg, der Probleme nur komprimiert aber nicht löst, und hin zum SOG, der löst, aufrichtet, wachsen macht und exaktz lenken kann. Sug-gestion ist Sog-gestion. Eltern und Lehrer sollten lernen, damit umzugehen. Guten Erfolg! Franz Josef Neffe
jetzt antwortenKommentar melden