Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Das Hochwasser ist in vielen Teilen Ostdeutschlands schon überstanden. Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt. Die wartet beim Aufräumen: Bakterien, Viren, Schimmelpilze. News.de zeigt, wie man beim Putzen gesund bleibt.
Die größten hygienischen Probleme kommen erst nach der Flut, wenn die Bewohner beim Aufräumen in ihren Häusern und Gärten mit verunreinigtem Schlamm und Wasser in Kontakt kommen. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt, ist grundsätzlich das Risiko für Krankheiten erhöht, deren Erreger mit dem Kot ausgeschieden werden. Diese können insbesondere schweren Durchfall hervorrufen. Doch auftretende Epidemien sind nach den Erfahrungen bei früheren Hochwassern eher unwahrscheinlich – wenn die Hygieneregeln eingehalten werden.
Wer ist gefährdet?
Vor allem Kinder, Senioren und Personen mit Hautkrankheiten, denn sie haben ein schwächeres Immunsystem. Das kann dazu führen, dass Durchfall für sie lebensbedrohlich ist. Deswegen appelliert das RKI, jung und alt beim Aufräumen fernzuhalten. Sobald Fieber oder Durchfälle bemerkt werden, sofort zum Hausarzt gehen.
Ein weiteres Problem sind Schimmelpilze, die in den feuchten und voll gesogenen Zimmerwänden einen idealen Nährboden finden. Diese können nach Angaben des Umweltbundesamtes bei massivem Befall die Gesundheit angreifen - wenn die Pilzsporen eingeatmet werden oder die Haut damit in Berührung kommt. Die Pilze können Allergien mit Heuschnupfen-ähnlichen Symptomen und Asthma sowie Kopfweh, Fieber auslösen und Haut sowie die Schleimhäute reizen.
Wie kann man sich schützen?
Das höchste Risiko einer Infektion liegt darin, wenn alles über den Mund aufgenommen wird – sei es Rauchen oder Trinken und Essen von verunreinigten Lebensmitteln. Deshalb: Immer gründlich Händewaschen - vor dem Essen und auch vor dem Griff zur Zigarette. Es sollten ausschließlich hygienisch unbedenkliche Lebensmittel wie gut durchgegarte Speisen und abgekochtes Trinkwasser konsumiert werden.
Aber: Nie während der Aufräumarbeiten vor Ort essen, trinken und rauchen. Alle nicht wasserdicht verpackten Nahrungsmittel sind reif für den Abfalleimer. Das gilt auch für Obst und Gemüse aus den betroffenen Gärten. Um die Haut beim Putzen vor Bakterien, Viren und Schimmelpilzen zu schützen, empfehlen sich Handschuhe, Gummistiefel und wasserdichte Kleidung.
Wie sieht es mit Trinkwasser aus?
Das Trinkwasser aus der zentralen Versorgung wird regelmäßig untersucht. Hinweise des zuständigen Gesundheitsamtes sollten beachtet werden, beispielsweise Abkochzeiten. Werden die Wasserhähne zum ersten Mal nach dem Hochwasser genutzt, sollte man zuerst mehrere Minuten das Wasser laufen lassen.
Welche Impfung sollte man haben?
Beim Saubermachen kann man sich zwar oft nur leicht verletzen. Doch ohne einen Impfschutz gegen Tetanus steigt das Risiko, an Wundstarrkrampf zu erkranken. Die letzte Impfung sollte nicht länger als zehn Jahre zurückliegen.Ansonsten gleich auffrischen lassen.
Wie reinigt man richtig?
In der Regel reicht es, die verschmutzten Flächen mit handelsüblichen Haushaltsreinigern sauber zu machen. Funktioniert das bei Teppichen und Polstermöbeln nicht, kommen Schaumreiniger zum Einsatz. Verschmutzte Kleidung wird bei mindestens 60 Grad gewaschen. Das gleiche gilt auch für Geschirr.
Richtiges Vorgehen bei Pilzbefall
Die feuchten Wohnungen sollten möglichst rasch durch gezieltes Heizen und Lüften - am besten über mehrere Tage mit Durchzugslüftung getrocknet werden. Hilfreich sind dabei auch Entfeuchtungsgeräte. Gelüftet werden sollte bei Befall aber nur, wenn zuvor bereits vorhandene Schimmelpilzsporen entfernt worden sind - etwa durch Abwischen oder Absaugen. So lassen sich hohe Konzentrationen von Schimmelsporen in der Raumluft vermeiden.
Nicht zu empfehlen ist es, den Sporen mit Mitteln zur Pilzabtötung, sogenannten Fungiziden, zu Leibe zu rücken. Grund: Die Chemiekeulen können Haut und Schleimhäute reizen. Nicht zu empfehlen ist auch Essiglösung als Hausrezept, denn die Wände neutralisieren die Essigsäure und machen sie damit unwirksam.
Das alles muss entsorgt werden: Befallene brüchige Materialien wie Tapeten, Gipskartonplatten, oder poröses Mauerwerk sowie Teppiche, Vorhänge und die Polsterung von Sofas. Denn der Aufwand wäre zu groß. Auch feuchtes Holz mit Schimmelpilzwachstum ist sehr schwierig zu sanieren. Meistens hilft es aber, bei schwierig zu entfernenden, tragenden Teilen die Oberfläche abzuschleifen.
Eine beispielhafte Eigensanierung sieht dem Umweltbundesamt zufolge so aus: Befallene Tapeten müssen entfernt, andere oberflächlich befallene Stellen feucht abgewischt oder mit einem Staubsauger mit Feinstaubfilter - der in neuen Modellen serienmäßig ist - abgesaugt, die Staubsaugerbeutel entsorgt und die Flächen anschließend mit 80 prozentigem Ethylalkohol behandelt werden. Dabei vorsorglich Schutzhandschuhe, Mundschutz und Schutzbrille tragen.
sgo/news.de