Ein Sturz ist mehr als ein Beinbruch
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Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Artikel vom 02.08.2010
Im Alter, bei Krankheit, Schwäche oder nachlassender Sehfähigkeit erhöht sich zwangsläufig die Gefahr zu stürzen. Mit fatalen Folgen, die Betroffene lange Zeit ans Bett fesseln. Welche Faktoren Stürze hervorrufen und wie man ihnen vorbeugt, zeigt news.de.
Gefürchtet sind vor allem Sturzverletzungen, die das Leben der Pflegebedürftigen nachhaltig verändern. Neben Hirnblutungen zählt gerade bei Senioren der Oberschenkelhalsbruch zu den Klassikern. Er sorgt dafür, dass der Betroffene nie wieder richtig gehen kann, da die Fraktur im Alter nur schwer verheilt.
Je nach Schweregrad der Verletzung kann sich der Pflegebedarf deutlich erhöhen. Nicht zu unterschätzen sind dabei die allgemeine Verunsicherung und die zunehmende Ängstlichkeit der Betroffenen.
Was sind die Ursachen?
Einerseits sind es Kleinigkeiten, die eine fatale Wirkung haben: Stolperfallen wie Teppichkanten, Türschwellen, herumliegende Kabel, mangelnde Beleuchtung der Wohnung oder fehlende Haltemöglichkeiten auf der Toilette sowie in der Badewanne.
Andererseits können krankheits- und altersbedingte Ursachen das Sturzrisiko erhöhen: Beispielsweise Alterserscheinungen, die sich in Form von schlechterem Gleichgewichtsempfinden, Sehstörungen und mangelnder Koordination zeigen. Demenz, Rheuma, Parkinson, Unterzuckerung bei Diabetes oder niedriger Blutdruck, der als Nebenwirkung von Entwässerungstabletten auftritt, können den Sturz zudem begünstigen.
Sehr häufig ereignen sich Stürze auf dem Weg zur Toilette, denn Harn- und Stuhldrang führen zu hektischen Bewegungen.
Vorbeugende Maßnahmen
Zuerst sollten sich Angehörige und Pflegedienst auf die Suche nach Stolperfallen machen. Dabei sollen rutschende Teppiche und herumliegende Kabel entfernt werden. Es bietet sich auch an, die Türschwellen zu markieren, um sie besser zu erkennen. Gegenstände, die täglich gebraucht werden - beispielsweise in der Küche - sollten auf Brusthöhe erreichbar sein, denn bei übermäßigem Bücken oder Strecken kann es einem schwindelig werden.
Zudem sollte die Wohnung ausreichend beleuchtet sein, damit sich Betroffene besser orientieren können. Ältere Menschen neigen dazu, über ihren eigenen Schatten zu stolpern, den sie nicht mehr richtig einschätzen können.
Um Pflegebedürftigen altersgerechtes Leben zu ermöglichen, bieten Wohlfahrtsverbände eine so genannte Wohnraumberatung an, um die eigenen vier Wände den veränderten Bedürfnissen anzupassen. Dabei empfiehlt es sich, bei möglichen Umbauten mit der Pflegekasse wegen finanziellen Zuschüssen zu verhandeln.
Geht der Betroffene sehr unsicher, geben Hilfsmittel wie Rollatoren, Badewannenlifter oder eine Toilettensitzerhöhung die Stabilität und das Vertrauen zurück. Um sie sich aber anzuschaffen, muss der Hausarzt eine sogenannte Hilfsmittelverordnung ausstellen, die anschließend bei der Pflegekasse eingereicht werden muss.
Die pflegenden Angehörigen sollen darauf achten, dass der Pflegbedürftige mindestens eineinhalb Liter an Flüssigkeit zu sich nimmt, denn Wassermangel führt zu Kreislaufschwäche und Verwirrtheit. Zudem sollte er ermuntert werden, sich von seinem Stuhl zu erheben und in Begleitung einen kleinen Spaziergang zu machen. Die Bewegung zu zweit stärkt das Selbstbewusstsein und nimmt die Angst vor dem Fallen.
Dabei sollte auf das bewusste Abrollen der Füße, das Heben der Beine und einen aufrechten Oberkörper geachtet werden. Die Akademie Selbständig im Alter, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Beweglichkeit von Senioren zu fördern, bietet verschiedene Bewegungsvarianten an, bei denen die Senioren spielerisch zu alter Beweglichkeit zurückfinden.
Wie bereits erwähnt ist der Gang zur Toilette wegen Harndrang besonders gefährlich. Wenn der Pflegebedürftige zu regelmäßigen Zeiten auf den Weg zum Klo begleitet wird, mildert sich das dringliche Gefühl ab. Bei Harninkontinenz kann ein Kondom-Urinal verwendet werden, das den Urin in einen Beutel ableitet. Um die richtige Methode herauszufinden, ist aber ein Gespräch mit Mitarbeitern des Pflegedienstes oder dem Sanitätshaus unvermeidlich.
Sinnvoll ist auch ein Hausnotrufgerät, das wie eine Arbanduhr getragen wird und per Knopfdruck nach einem Sturz Hilfe holt. Dieses Gerät kann gegen eine geringe Leihgebühr bei Wohlfahrtsverbänden besorgt werden.
Problemfall Fixierung
Es kann Situationen geben, in denen über eine Fixierung des Betroffenen nachgedacht werden sollte. Das bedeutet aber, dass diesem durch Bettgitter oder einem Bauchgurt die Freiheit genommen wird. Stimmt er der Maßnahme selbst zu , ist dies kein Problem. Ist der Patient aber nicht mehr entscheidungsfähig, braucht es eine richterliche Genehmigung.
ham/news.de
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