Laser-OP Nie wieder Brillenschlange

Operationen mit Laser (Foto)
Relativ schmerzfrei, unblutig und nach wenigen Minuten ist alles vorbei: Augenkorrekturen per Laser haben klare Vorteile.  Bild: news.de/ iStockphoto (Montage)

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Keine Lust mehr auf Brille oder Kontaktlinsen? Willkommen im Klub der mehr als 100.000 Deutschen, die sich pro Jahr für eine Laser-OP an den Augen entscheiden. Die richtige Technik zu finden, ist schwierig. News.de zeigt die Methoden mit ihren Vor- und Nachteilen.

So gut wie schmerzfrei, unblutig und nach ein paar Minuten ist alles vorbei: Operationen mit Lasertechnik haben - um die Fehlsichtigkeit zu korrigieren - die Augenchirurgie revolutioniert. Das sichere und schnelle Verfahren stößt auf großes Interesse: Nach Angaben des Gesundheitsportals Purovivo sind sechs von zehn Deutschen bereit, ihre Sehschwäche per Laser beseitigen zu lassen.

Das sorgt für volle Terminkalender der Augenärzte, wie bei Dr. Peter Buchmann von der Augenklinik Theresienhöhe in München. Pro Jahr werden dort mehr als 5000 Augenoperationen durchgeführt. Buchmann greift in rund ein Drittel aller Fälle selbst zum Laser.

Doch Laser ist nicht gleich Laser: Und dem gebündelten Kaltlicht sind auch Grenzen gesetzt: «Die Patienten müssen volljährig sein, denn erst ab 18 Jahren ist das Auge ausgereift. Zudem müssen die Linse und die Hornhaut klar sein», erklärt Buchmann. Das heißt: Bei Trübungen, wie beim Grauen oder Grünen Star, ist der Eingriff nicht möglich.

Auch die individuelle Sehschwäche des Patienten ist entscheidend. Für eine Laser-OP kommen nur Kurzsichtige mit bis zu zehn Dioptrin minus und Weitsichtige mit drei Dioptrin plus in Frage. Doch das ist nur ein grober Richtwert. «Bei mir sind Operationen bei kurzsichtigen Patienten mit acht Dioptrin die Schmerzgrenze», sagt Buchmann. Denn: Je schwächer man sieht, desto mehr Gewebe muss entfernt werden. Außerdem seien laut Buchmann die Hornhautdicke, die Hornhautverkrümmung und die Pupillengröße weitere wichtige Faktoren, die entscheiden, ob eine OP erfolgreich verläuft.

Was passiert genau bei der Operation? Ob kurz- oder weitsichtig, es wird immer das gleiche Verfahren angewandt – mit einem Unterschied: Liegt Kurzsichtigkeit vor, modelliert der Laser eine Minuslinse in die Hornhaut. Das heißt: Der Augenarzt entfernt in der Mitte etwas mehr, am Rande etwas weniger Gewebe. Bei Weitsichtigen ist es genau anders herum.

Experten wie Buchmann stehen dabei zwei Verfahren zur Verfügung, die als die sichersten und beliebtesten gelten:

Lasik-Methode

Die Lasik (Laser in situ Keratomileusis) ist das beliebteste angewandte Verfahren. Sie wurde vor elf Jahren vom Berufsverband der Augenärzte (BVA) offiziell als wissenschaftlich anerkanntes Verfahren eingestuft. Verfahren: Bei dieser Methode wird nicht an der Oberfläche gelasert, sondern Gewebe im Stroma (mittlere Hornhautschicht) abgetragen. Dazu wird das Auge mit Tropfen betäubt, danach wird ein Saugring auf das Auge gesetzt.

In der klassischen Methode hebt ein sogenanntes Mikrokeratom - ein winziges, mechanisches Präzisionsskalpell - ein dünnes Scheibchen von der obersten Hornhautschicht und klappt es zur Seite. Nun kommt der Kaltlicht-Laser zum Einsatz, der die darunter liegende Hornhaut individuell korrigiert.

Nach dem Eingriff legt der Arzt den «Flap», die Lamelle, wieder darüber. Der Hautdeckel saugt sich von selber an. Bereits nach zwei bis drei Minuten ist die Hornhaut stabil genug, um den Saugring zu entfernen.

Vorteil: «Man lasert schmerzfrei», wie Buchmann erklärt. Der Patient kann bereits nach wenigen Minuten gut sehen und auch wieder schnell beispielsweise zur Arbeit gehen. Die klassische Lasik-Methode ist seltener geworden. Die sogenannte Femto-Lasik hat ihr als Weiterentwicklung den Rang abgelaufen.

Das Mini-Skalpell wurde durch einen Femto-Sekundenlaser ersetzt. Deshalb spricht man hier auch von einer Lasik ohne Messer. Die enorme Präzision der Schnittdicke und des Schnittprofils schließen Fehler und Nachkorrekturen deutlich häufiger aus.

Nachteil: Diese Methode eignet sich für die Behandlung von Fehlsichtigen, die beispielsweise eine zu geringe Hornhautdicke aufweisen. «In der Regel sollte die Hornhaut nicht dünner als 0,5 Millimeter sein», so Buchmann. Auch bei Hornhautvernarbungen: Finger weg!

Kosten: Bis zu 2500 Euro inklusive Nachkorrektur – pro Auge versteht sich. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht.

Lasek-Methode

Bei der Lasek-Methode (Laser Epitheliale Keratomileusis) wird im Unterschied zum Lasik-Verfahren hier auf den Einschnitt in die Hornhaut verzichtet. Der Chirurg arbeitet mit dem Kaltlicht-Laser direkt auf dem äußersten, sehr empfindlichen Bereich der Hornhaut.

Vorteil: Laut Buchmann ist es die sicherste Methode. Und es ist eine Alternative für Patienten, die nicht für Lasik in Frage kommen.

Nachteil: Der Heilungsprozess ist im Vergleich zur Lasik deutlich verlangsamt – und schmerzhaft. Es ist ratsam, in den ersten beiden Wochen nach der OP nicht zu arbeiten. Anstrengende sportliche Betätigung, chemische und mechanische Reizung sowie staubige, rauchige Luft sollten gemieden werden. Vier Wochen lang werden Augentropfen verabreicht, um eine mögliche Narbenbildung zu verhindern. Das Sehvermögen schwankt in diesen ersten Wochen und die angestrebte Sehkraft stellt sich erst danach ein.

Kosten: Ebenfalls 2500 Euro pro Auge.

Implantierte Linse

Stark Kurz- oder Weitsichtige, die für beide Verfahren nicht in Frage kommen, müssen laut Buchmann nicht verzweifeln. Die Implantation einer zusätzlichen Linse ins Auge ist ein schonendes und reversibles Verfahren, bei der eine künstliche Linse in die Augenvorderkammer zwischen Hornhautrückfläche und Irisvorderfläche eingesetzt wird. Die individuell berechnete Linse gleicht die Sehschwäche aus.

Kosten: 2750 Euro pro Auge.

kat/ivb/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Hagen Henke
  • Kommentar 1
  • 27.07.2010 14:57

Nach der OP tritt soweit ich weiß quasi immer eine verstärkte Blendempfindlichkeit ein, die nächtliches Autofahren unmöglich machen kann. Diese Info findet sich fieserweise nur im Kleingedruckten der Behandlungsverträge.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig