Schmerzhafte Würmer in den Beinen
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Manche beschreiben ihre Beschwerden mit «Coca-Cola» oder «Würmern» in den Beinen. Andere sprechen von unerträglichen Schmerzen. Das Restless-Legs-Syndrom ist schwer zu identifizieren. Betroffene werden als Hypochonder abgestempelt.
So individuell wie die Patienten, so individuell sind die Beschwerden des Restless-Legs-Syndroms (RLS) - einer der häufigsten neurologischen Erkrankungen, wie die Neurologin Daniela Berg vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung schildert. Gemeinsam ist den Betroffenen des «Syndroms der ruhelosen Beine» eine gelegentliche bis permanente Unruhe, meist in den Beinen, seltener in Füßen und Armen.
Diese ist häufig mit einem unstillbaren Bewegungsdrang gepaart, der den Patienten keine Ruhe lässt. «RLS ist tatsächlich eine schwer zu beschreibende Erkrankung», sagt Lilo Habersack, Vorstandsvorsitzende der Selbsthilfevereinigung RLS e.V., Sie selbst leidet seit Jahren an RLS und doch fällt es ihr schwer, dafür Worte zu finden: «Wer es nicht hat, kann es nicht nachvollziehen.»
Viele Betroffene erleben es laut Habersack als zusätzliche Belastung, mit ihren Symptomen nicht ernst genommen zu werden. Bei der Diagnosestellung seien sie regelrecht erleichtert, weil sie nicht länger als Hypochonder abgestempelt würden. Kritik, wonach RLS eine Erfindung der Pharmaindustrie zum Absatz von Medikamenten sei, weist Habersack zurück. «Ich bin froh über die wissenschaftlichen Fortschritte, denn nur was wir belegen können, wird uns geglaubt», sagt sie.
Frauen zweimal häufiger von RLS betroffen
Richtig in den Blick der Wissenschaft geraten ist die Krankheit aber erst in den letzten 25 Jahren. Ursprünglich als psychiatrische Erkrankung angesehen, werden heute von körperlichen Ursachen ausgegangen, sagt Berg. Diese würden noch immer erforscht.
Eine Rolle könnten unter anderem Störungen des Dopamin- und Eisenstoffwechsels, aber auch des Hormonhaushalts spielen. So leiden etwa 40 Prozent der Schwangeren an einer - zumeist vorübergehenden - Form von RLS. Da bei etwa 60 Prozent der RLS-Patienten eine familiäre Häufung vorliegt, wird auch eine genetische Komponente angenommen.
Bis zu zehn Prozent der deutschen Bevölkerung hat demnach eine Restless-Legs-Symptomatik. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Ältere Menschen leiden häufiger daran als jüngere, was daran liegen könnte, dass RLS-Symptome sich mit der Zeit verstärken. Etwa jeder fünfte Patient erkrankt schon vor dem 25. Lebensjahr. Allerdings sind die Beschwerden oft nur schwach ausgeprägt und beeinträchtigen den Alltag nicht, etwa wenn sie nur bei Langstreckenflügen oder Kinobesuchen auftreten, bei denen man lange unbeweglich sitzt. Nur in etwa zwei Prozent der Fälle sei eine medikamentöse Behandlung erforderlich.
RLS-bedingter Schlafmangel führt zu Folgeerkrankungen
In schwereren Fällen von RLS werden vor allem die aus der verstärkt abends und nachts auftretenden Unruhe resultierenden Schlafstörungen zum Problem. Anhaltender Schlafmangel führt zu Müdigkeit am Tag bis hin zu plötzlichem Einschlafen und nach Jahren oft zu sozialem Rückzug, psychosomatischen Erkrankungen, Angststörungen oder Depressionen, betont Berg. RLS sei bislang nicht heilbar, aber gut zu behandeln. Insbesondere Medikamente, die - in weitaus höherer Dosierung - gegen Parkinson eingesetzt werden, hätten sich bei RLS bewährt.
Bislang wird jedoch nur bei etwa jedem vierten Betroffenen die richtige Diagnose RLS gestellt, sagt Berg. Bei Kindern werde häufig fälschlicherweise ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom diagnostiziert. Einen ersten Anhaltspunkt liefern die vier Minimalkriterien: «Habe ich Missempfindungen?», «Treten diese auch im Ruhezustand auf?», «Hilft Bewegung dagegen?» und «Werden sie abends stärker?». Dann sind weitere Tests bei einem Neurologen unerlässlich - auch um andere Erkrankungen auszuschließen, deren Symptome denen von RLS mitunter stark ähneln.
sca/ham/news.de/ap
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