Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager - 09.07.2010, 11.19 Uhr

Zeckensaison: Fiese Beißer im Unterholz

Zeckenbisse sind nicht immer harmlos. Doch in welchen Regionen verstecken sie sich? Wie kann man sich schützen und wie wird man sie los, wenn sie sich festgebissen haben? News.de hat die Antworten.

Zecken lassen sich am besten mit einer Pinzette entfernen. Bild: dpa

Kaum hat die warme Jahreszeit Einzug gehalten und alle Wintergedanken sind vergessen, stört die Zeckengefahr überall dort, wo es Natur gibt, die Sommeridylle. Die Spinnentiere sind weltweit verbreitete blutsaugende Parasiten. In den meisten Fällen sind ihre Bisse recht harmlos. Doch überträgt der Gemeine Hausbock eine Krankheit, kann dies gefährliche Folgen haben. Deswegen sind ihre Bisse nicht zu unterschätzen. Wer gewisse Verhaltensregeln einhält, sollte dennoch gefahrlos durch den Sommer kommen. 

Krankheitsträger
Die Zecke überträgt vor allem zwei schwere Krankheiten: Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Erkrankung. Sie wird durch Zeckenstiche in Risikogebieten übertragen. Es kommt bei der FSME häufig zu einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten. Gegen die Krankheit kann man sich durch eine Impfung schützen. Besonders Süddeutschland sowie auch die nördliche Schweiz und ein Großteil von Österreich galt bisher als Risikogebiet für FSME. Aber FSME-Fälle tauchen inzwischen auch in nördlichen Bereichen Deutschlands auf. . Borreliose kann, wird sie früh erkannt, leicht und vollständig ausgeheilt werden. Doch meist treten die ersten Symptome erst lange nach dem Biss auf, so dass die richtige Diagnose oft über Jahre ausbleibt. Zumal Borreliose einen geradezu undurchdringlichen Dschungel an verschiedenen Symptomen aufweisen kann, die Ärzte und Patienten auf falsche Fährten schickt. Ein Indiz für Borreliose kann ein rötlicher Entzündungsherd rund um die Bissstelle sein. Aber diese taucht nicht immer auf.

Bei FSME kommt es zu einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten, was im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Eine heilende Behandlung gibt es nicht. Aber: Wer in Risikogebieten lebt oder dort seinen Urlaub verbringen will, kann sich gegen den FSME-Virus impfen lassen. Die Impfungen werden in Risikogebieten ab dem ersten Lebensjahr dringend empfohlen. Eine Auffrischungsimpfung erfolgt alle fünf Jahre.

Neben FSME und Borreliose werden aber weltweit noch 50 weitere Krankheiten durch Zecken übertragen. Wenn auch wesentlich seltener.

Zeckensaison
Die Zeckensaison wird vom Robert-Koch-Institut (RKI) grob auf April bis November festgelegt. Doch die Spinnentiere werden ab einer Temperatur von acht Grad aktiv und können in einem warmen Frühling auch schon viel eher unterwegs sein. Doch je heißer es wird, desto höher das Risiko. Zumal in sommerlicher Hitze Zecken durch kürzere Bekleidung leichter Stellen am Körper finden, an denen sie sich festbeißen können.

Risikogebiete
Das RKI gibt in jedem Jahr die Risikogebiete heraus, die auf Karten abgefragt werden können. Per Definition wird ein Land- oder Stadtkreis dann als Risikogebiet bezeichnet, wenn in fünf Jahren mehr als 1,3 FSME-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner registriert wurden. Österreich gilt in Europa als Kernland der FSME-Verbreitung. Auch in den nördlichen Gebieten der Schweiz sowie im deutschen Süden werden Impfungen dringend angeraten. Aber: Wer an der Nordseeküste lebt, kann noch lange nicht unbekümmert aufatmen. Denn: Die Zecken sind schon längst durch ganz Deutschland durchmarschiert, so dass sogar im Süden Norwegens bereits Zeckenbisse vereinzelt registriert werden mussten.

Dort lauert die Gefahr
Zecken verstecken sich gerne in hohen Gräsern und im Unterholz. Dabei mögen sie es schattig. Spaziergänge durch den Wald in kurzer Hose oder ein faules Sonnenbad auf der Wildwiese im knappen Oberteil sind deshalb geradezu eine Aufforderung für die kleinen Spinnentiere, ihre Mahlzeit an diesen Körpern einzunehmen.

Schutz
Beim Durchstreifen von Wäldern ist es ratsam, eine lange Hose zu tragen und die Hosenbeine in die Socken zu stecken. Auch ist helle Kleidung günstiger als dunkle, weil die meist schwarzen oder durnkelbraunen Tierchen darauf leichter zu entdecken sind. Da Zecken sich gerne an schlecht sichtbaren Körperstellen, wie Kniekehle, Nacken oder Rücken, festbeißen, sollte man nach einem Tag im Grünen sich gegenseitig absuchen oder mit Spiegel den Körper unter die Lupe nehmen. Wird die Haut mit insektenabweisenden Sprays benetzt, fühlt sich die Zecke gar nicht erst dazu verleitet, es sich gemütlich zu machen.

Gebissen, was nun?
Hat eine Zecke doch ihren Kopf in der Haut ihres neuen Wirtes vergraben und labt sich an dessen Blut, dann sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden. Aber Vorsicht: Es muss die ganze Zecke aus der Haut gezogen werden. Bleibt etwa der Kopf stecken, drohen Entzündungen.

Darüber, wie man eine Zecke am besten beseitigt, gibt es viele Mythen und Geheimtipps. Die einen tröpfeln Öl auf das Tierchen, andere wollen es mit Zitrone verjagen. Doch das schadet mehr als es nützt. Es tötet zwar den kleinen Parasit ab, sorgt aber durch den Todeskampf erst recht dafür, dass Erreger in die Wunde gelangen.

Die weitverbreitete Empfehlung, die Zecke unbedingt links herum aus der Haut zu drehen, ist Blödsinn. Denn: Der Stechapparat der Zecke hat zwar Widerhaken, die das Herausziehen erschweren, aber verfügt über kein Gewinde.

Stattdessen ist es am besten, eine feine Pinzette möglichst nah an der Haut anzusetzen und die Zecke vorsichtig und komplett herauszuziehen. Wer sich das nicht zutraut, sollte besser zum Arzt gehen. Auch gibt es in der Apotheke spezielle Zeckenpinzetten, die die Prozedur erleichtern sollen.

Wer Angst vor Krankheitserregern hat, kann die Zecke einschicken und in einem Labor untersuchen lassen. Das kostet allerdings zwischen 30 und 40 Euro und wird nicht von der Krankenkasse übernommen. Experten raten davon ab, da nur ein bis zwei Prozent der Spinnentiere das FSME-Virus und etwa 10 bis 30 Prozent die Borreliose-Bakterien in sich tragen.

Stattdessen kann man für den Zweifelsfall die Zecke ein paar Tage aufheben – etwa in einem kleinen Glas oder mit Klebeband auf einem Stück Papier – und die Bissstelle auf Hautveränderungen beobachten. Taucht ein Entzündungsherd auf oder entwickelt man innerhalb weniger Wochen Fieber, ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Der Zeckenbiss sollte dann unbedingt erwähnt werden.

sca/ivb/news.de

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