Der Suff ist vorprogrammiert
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Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Artikel vom 06.07.2010
Die Eltern trinken, sind aggressiv und lassen ihre Wut am Nachwuchs aus: Keine schöne Vorstellung, aber bittere Realität. Das Schlimme daran: Die Kinder werden genauso. Schon ab dem dritten Lebensjahr übernehmen sie die Muster.
Trübes Deutschland: Einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Instituts in Berlin zufolge gilt derzeit jedes zehnte Kind in der Bundesrepublik als psychisch krank. Insgesamt 20 Prozent der deutschen Kinder sollen psychische Auffälligkeiten zeigen.
Aber was ist der Auslöser dafür, dass der Nachwuchs immer häufiger gegen Ängste, Depressionen oder Aggressionen ankämpft? Einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Kinder haben die Bedingungen und Lebensumstände, unter denen ein Kind in den ersten drei Jahren aufwächst – die Schwangerschaft miteingerechnet.
Ein wesentlicher Faktor sei dabei die Drogen- insbesondere die Alkoholsucht von Eltern, wie Hiram Fitzgerald herausgefunden hat. Der Professor für Psychologie an der Michigan State University macht dabei wenig Mut auf Besserung: Kinder, die in einem von psychischer Krankheit und Sucht geprägten Beziehungsumfeld aufwachsen, neigen dazu, den gleichen Lebensweg wie die Eltern einzuschlagen.
Langzeitstudie mit 400 Familien
Grundlage dieser Erkenntnis ist seine seit 26 Jahren laufende Forschungsstudie an 400 US-Familien, in welchen der Vater mindestens einmal wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen worden war. Zum Zeitpunkt dieses Vorfalles hatte jede der Familien mindestens ein Kind im Alter von drei bis sechs Jahren. Seit den 1980er Jahren wurden individuelle Eigenschaften der Kinder sowie die Familienbeziehungen und auch die soziale Einbettung der Familie in den Wohnbezirk erfasst.
Fazit: Die Probleme dieser Kinder beginnen meistens schon, bevor sie richtig reden können, mit Beziehungsstörungen. Und sind besonders häufig akutem und chronischem Stress ausgesetzt. «Solche frühen Stresserfahrungen sind wichtige Komponenten für frühe Ursachen der Alkoholerkrankung», erläutert Fitzgerald.
Schon im Alter von drei Jahren können die Kinder von alkoholkranken Eltern ihr Verhalten und ihre Emotionen schlechter steuern als Gleichaltrige. Die Jungen waren aggressiv sowie impulsiv und wiesen schwierige Temperamentseigenschaften und negative Stimmungen auf.
Eltern prägen das Kind
Aber die Kinder haben zudem emotionale Probleme wie Angst oder Depression, die während des Wachstums zutage treten. Auch biologische und physiologische Prozesse wie beispielsweise das Schlafverhalten werden von klein auf negativ beeinträchtigt.
Aus der statistischen Analyse zieht Fitzgerald wichtige theoretische Schlussfolgerungen: Im Säuglingsalter und in der frühen Kindheit bildet sich die Innenwelt des Kindes vor allem durch sein unmittelbares Umfeld und seine Bezugspersonen Nummer eins: die Eltern. Gerade die Elternfiguren prägen die Kinder. «Es ist eben ein großer Unterschied, ob eine Mutter dem Kind vermittelt: ‹Du bist sicher heute ein sehr glückliches Baby!› oder ‹Dein Vater ist ein dummer Betrunkener und kümmert sich überhaupt nicht um uns!›», so Fitzgerald.
So bilden Kinder von alkoholkranken Eltern schon früh ein inneres Bild davon, dass alkoholische Getränke dann eine Rolle spielen, wenn Spannung, Stress und Beziehungskonflikte ansteigen. Und sie nehmen diese alkoholischen Getränke viel sensibler wahr als Vergleichskinder aus nüchternen Familien.
«Zeig mir die Milchflasche»
In den Untersuchungen des US-Forschers wurden den kleinen Probanden im Alter von drei bis sechs Jahren Bilder von jeweils fünf alkoholfreien Getränken sowie fünf Drinks mit Prozenten gezeigt. Diese sollten sie identifizieren und wiedererkennen nach dem Prinzip «Zeig mir die Milchflasche!». Dann wurden ihnen zehn Zeichnungen von Erwachsenen und Kindern in verschiedenen Konfliktsituationen gezeigt. Die Kinder wurden dann gebeten, das Getränk zu benennen, das jede Person in diesen Zeichnungen gerade trank.
Die große Mehrheit, einschließlich der Dreijährigen, erkannte bereits mindestens ein alkoholisches Getränk. Kinder von Alkoholikern erzählten von sich aus sieben Mal häufiger als Kinder aus Familien ohne alkoholkranken Elternteil, dass die auf den Bildern gezeigten Erwachsenen und Kinder Alkohol tranken. Fitzgerald schließt daraus, dass die Kinder sich in ihrer Wahrnehmung und Sensorik bereits ganz früh auf eine Suchtgefährdung hinbewegen.
kat/ivb/news.de
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Mein Vater war auch Alkohliker,ich kann ein Lied davon singen.Für viele Kinder ist das ein verheerender Zustand und Entwicklungsschädigend.Mit der Axt durchs Haus,Mama bedroht,Essen mitsamt Teller,Töpfe durch die Küche geworfen,oft totales Geschrei sind ein paar Gegebenheiten.Meine Lehre als KFZ-Mechaniker schaffte ich geradeso,konnte mich ganz schlecht konzentrieren.Ein paar Jahre später,mit Abstand,innerer Ruhe,ging ich in die Maschinenbautechnikerschule(Quantensprung)da war ich besser.Das sagt doch alles aus bei dieser Problematik.
jetzt antwortenKommentar meldenStimmt nur bis zu einem gewissen Punkt. Als Erwachsener kann ich selbst entscheiden, ob ich meinem Körper das antue. Hatte als Kind selbst auch einen Vater der nicht nur Alkoholiker war, sondern auch noch unberechenbar gewalttätig. Bin trotz allem heute sehr gesundheitsbewusst. Alkohol ist in unserer kranken Gesellschaft geprägt von Leistungsdruck, Hektik und sich nicht auf venünftige Weise entspannen können ein riesen Problem. Eltern haben aber die Verantwortung, dass sie ihren Kindern gesundheit vorleben. Hilfe annehmen ist keine Schande. Glück und Freiheit beginnt in unseren Köpfen.
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