Von Jelena Pflocksch
Kinder brauchen Regeln, Eltern Auszeiten. Wie eine neue AOK-Studie zeigt, hängt die Gesundheit von Kindern wesentlich von der Einstellung und dem Verhalten der Eltern ab.
«Eltern sind die Vermittler von Gesundheit», sagte der Leiter der Untersuchung, Klaus Hurrelmann, bei der Vorstellung der AOK-Familienstudie in Berlin. Wenn in der Familie Regeln ausgehandelt und Routinen im Alltag eingehalten werden, können Kinder Stress besser bewältigen - physisch und psychisch. Eltern wissen das zwar, sind aber oft unsicher, wie sie es praktisch umsetzen sollen.
«Durch verschiedene Untersuchungen liegen bereits Daten zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen vor», sagte AOK-Vorstands-Vize Jürgen Graalmann. Zur Elterngesundheit hingegen gebe es noch keine verlässlichen Daten. Die Studie zeigt, dass Eltern, die unter starken Belastungen leiden, auch in der Erziehung verunsichert sind. Dies wirke sich wiederum negativ auf die Kinder aus. Die Forscher plädierten dafür, Eltern stärker in ihren Bemühungen zu unterstützen, anstatt ihnen immer neue Erziehungsvorschläge zu unterbreiten. Zudem förderten entspannte Eltern, die sich regelmäßig eine Auszeit gönnten, damit auch die Gesundheit der Kinder.
Wer nicht frühstückt, wird dick
Kernergebnis der Studie ist, dass Routinen und Rituale in der Familie sich entscheidend auf die Gesundheit von Kindern auswirken. «Die Familienkultur ist prägend», betonte Forscher Hurrelmann. So seien gemeinsame Mahlzeiten für die Kinder besonders wichtig und verringerten zudem das Risiko von Übergewicht. «Regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten sind ein Kennzeichen für normalgewichtige Kinder», so Hurrelmann. Besonders wichtig sei das Frühstück. Werde nicht regelmäßig im Familienkreis gefrühstückt, steige das Risiko des kindlichen Übergewichts um das 1,6-fache.
Eltern wüssten, was richtig für ihr Kind sei, sagte Wolfgang Settertobulte von der Gesellschaft für angewandte Sozialforschung, die die Studie erstellt hat. Oft litten sie aber unter großen Belastungen, was zu Unsicherheit in Erziehungsfragen führe. «Wir haben zwei Strömungen bei den Eltern beobachten können», sagte er. So gebe es die Eltern, die frustriert seien und sich nicht kümmerten, und diejenigen, die zu viel Fürsorglichkeit aufwiesen. Zahlreiche organisierte Extras im Tagesablauf seien aber gar nicht notwendig für ein gesundes Aufwachsen des Kindes. Viel wichtiger sei ein harmonisches Familienleben.
Arme Eltern, kranke Kinder
Der Studie zufolge wirkt sich das Verhalten der Eltern mehr auf ein Kind aus als die sozialen und finanziellen Verhältnisse, in denen es aufwächst. «Einstellung und Vorbildfunktion der Eltern sind wichtiger als die sozioökonomischen Verhältnisse», sagte Graalmann. Allerdings zeigt die Untersuchung auch, dass die Gesundheit der Eltern von ihrer gesellschaftlichen Stellung abhängt. «Sind die Eltern psychisch und finanziell belastet, wirkt sich das auch auf das Kind aus», sagte Hurrelmann.
Für die AOK-Familienstudie wurden zwischen Februar und April 2010 bundesweit mehr als 2000 Mütter und Väter zum Alltag mit ihren vier bis 14-jährigen Kindern befragt. Die Untersuchung baut auf einer Studie aus dem Jahr 2007 auf. Mit der neuen Studie liegen den Angaben zufolge erstmals repräsentative Daten zur Gesundheit von Eltern und den Auswirkungen auf die Kinder vor.
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