Von news.de-Redakteur Andreas Schloder - 30.06.2010, 11.23 Uhr

Gefährliche Keime: Damit das Planschen nicht krank macht

Um dem Nachwuchs die heißen Sommertage so angenehm wie möglich zu machen, ist ein Planschbecken im Garten eine preiswerte Alternative zum täglichen Freibadbesuch. Hygienisch gesehen lauern darin jedoch Gefahren.

Damit der Spaß auch hygienisch sauber bleibt, sollte das Wasser täglich erneuert werden. Bild: dpa

Sie gehören zum Sommer wie das Eis am Stiel: quietschbunte, aufblasbare Kinderplanschbecken aus Plastik. Als preiswerte Alternative zum Freibad ermöglichen sie Kindern vergnüglichen Badespaß zu Hause.

Und einen gesünderen, wenn man einer belgischen Studie Glauben schenkt, auf die die Apotheken-Umschau verweist: Schwimmen in gechlortem Wasser erhöht bei Kindern unter zwei Jahren das Risiko für spätere Atemwegserkrankungen.

Den Zusammenhang legt eine Studie der Universität Leuven nahe. Die Analyse der Daten von 450 Kindern ergab, dass vor allem Schwimmbadbesuche im Alter von unter zwei Jahren häufiger dazu führen, dass sich in den feinen Verästelungen der Bronchien Entzündungen bilden. Dadurch steige die Gefahr, an Asthma oder Allergien zu erkranken.

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Günstigste Planschbecken gibt es bereits ab 15 Euro, Luxusausführungen mit Rutschen oder kleine Burgen kosten bis zu 80 Euro. Gleich, ob günstig oder elitär: Beim Kauf sollten Verbraucher auf das Tüv-Prüfzeichen achten. «Damit ist garantiert, dass das Produkt den geltenden EU-Richtlinien zu Schadstoffgehalt und Sicherheit sowie bestimmten Produktionsstandards entspricht», erklärt Karlheinz Hieronymus von Tüv Rheinland.

Durch Planschen impotent?

Denn da hapert es noch immer: Produkte ohne Prüfsiegel enthalten vermehrt gesundheitsschädliche Weichmacher, darunter die in der EU seit 2005 verbotenen Phthalate, die als DEHPDiethylhexylphthalat und DBPDibutylphthalat. Eine chemische Verbindung, die hauptsächlich als Weichmacher eingesetzt wird. bezeichnet werden. Hersteller setzen diese ein, um das Material - das sind meistens PVC-haltige Folien - geschmeidig zu machen. Diese Substanzen können sich aus dem Kunststoff lösen und gelangen bei Hautkontakt in den Organismus. Was sie im Körper anrichten, ist laut Umweltbundesamt noch nicht zweifelsfrei geklärt. EndokrinologenHormonforscher zufolge verfestige sich aber der Verdacht, dass die Stoffe fortpflanzungsgefährdend sind. Deshalb werben immer mehr Anbieter inzwischen mit dem Hinweis «phthalatfrei gemäß der Richtlinie 2005/84/EG».

Planschbecken contra Hartschalen

Die Zeitschrift Öko-Test geht in ihrer Planschbeckenanalyse deutlich härter mit den untersuchten Produkten um. «Noch immer können wir keine Entwarnung geben: Fast alle Becken sind stark mit Schadstoffen belastet. Die meisten Hersteller setzen inzwischen alternative Weichmacher ein - zum Beispiel DEHT1,2-Cyclohexandicarbonsäurediisononylester. Es handelt sich um einen Weichmacher, der besonders häufig bei Kinderspielzeug und Medizinartikeln verwendet wird. und DINCHDi-2-ethylhexyl-terephthalat. Ebenfalls ein Weichmacher. . Aber auch diese Stoffe lassen sich nicht fest im Kunststoff binden und können in die Umwelt gelangen», so das Testurteil. Wer auf Nummer sicher gehen will, der greift auf Hartschalen-Pools zurück, bei denen laut Öko-Test nichts zu beanstanden war.

Wasser täglich austauschen

Damit das Planschen ein sicheres Vergnügen bleibt, sollte folgendes beachtet werden: Die meisten Mini-Pools haben zwar nur eine Wassertiefe von zirka 30 Zentimetern, aber auch darin können Kinder beim Spielen ertrinken. Deshalb die Kleinen nie unbeaufsichtigt planschen lassen. Laut Tüv stehen die Becken am besten auf weichem, ebenem Grund, elektrische oder mechanische Luftpumpen erleichtern das Aufstellen. Abdeckplanen schützen das Wasser vor Verschmutzung durch Insekten oder Blätter.

Apropos Schmutz: Mittlerweile gibt es zwar etliche Reinigungs- und Desinfektionsmittel, die hygienisch sauberes Badewasser versprechen. Doch nicht alle sind für zarte Kinderhaut geeignet. Herkömmliche Spülmittel können der Kinderhaut ebenso schaden wie der Pool-Folie.

Der einfachste und beste Weg gegen eine schmutzige Brühe: am besten täglich das Wasser erneuern, spätestens jedoch alle drei Tage - insbesondere bei hohen Temperaturen und nach einem intensiven Planschspaß. Algenreste oder Schmutz lassen sich gut mit einem sauberen Lappen entfernen, sobald das Wasser abgelassen ist. Damit der Mini-Pool lange hält, sollten nur weiche Lappen verwendet werden, harte Borsten oder Schwämme können die Folie leicht beschädigen.

ham/reu/news.de

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