Was ist schon eine Party oder ein entspannter Feierabend ohne Alkohol? Jeder neunte Deutsche denkt so, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) festgestellt hat. Der Alkoholmissbrauch wird «noch immer massiv unterschätzt».
Bedenkliches Zahlenpaket: Rund 9,5 Millionen Bundesbürger zwischen 18 und 64 Jahren haben Alkoholprobleme, etwa 1,3 Millionen von ihnen sind alkoholabhängig und bei rund zwei Millionen Menschen liegt Alkoholmissbrauch vor, wie die Direktorin der Bundeszentrale Elisabeth Pott anlässlich des Weltdrogentages sagte. Jedes Jahr stürben etwa 74.000 Männer und Frauen an den Folgen ihres Alkoholkonsums.
Für viele gehöre Alkohol zum Feiern oder zum Entspannen einfach dazu, sagte Pott. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass für einen erwachsenen Mann 24 Gramm Reinalkohol - etwa zwei kleine Bier - und für eine Frau zwölf Gramm Reinalkohol pro Tag an maximal fünf Tagen in der Woche gesundheitlich unbedenklich seien. «Alles, was darüber liegt, ist bereits riskanter Alkoholkonsum und führt auf Dauer unausweichlich zu gesundheitlichen Schäden. Bei Jugendlichen liegen diese Grenzwerte noch deutlich niedriger, denn ihr Körper ist noch nicht vollständig entwickelt», erläuterte die Suchtexpertin.
Zu den häufigsten durch chronischen Alkoholkonsum hervorgerufenen Krankheiten zählen: Leberzirrhose, Schädigungen des Gehirns, die sich in Konzentrations- und Gedächtnisstörungen oder Intelligenzminderung äußerten, sowie Herzmuskel- und Krebserkrankungen wie Leber-, Mund- und Speiseröhrenkrebs. «In Deutschland belaufen sich die durch alkoholbedingte Erkrankungen hervorgerufenen volkswirtschaftlichen Kosten auf etwa 24 Milliarden Euro pro Jahr», sagte Pott.
Luxemburger sind Europameister
Mit 15,6 Litern reinem Alkohol führt Luxemburg die Liste der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Alkoholkonsum an, gefolgt von Irland und Ungarn mit jeweils rund 14 Litern. Deutschland liegt im europäischen Vergleich an fünfter Stelle mit zwölf Litern ab dem 15. Lebensjahr.
Um den eigenen Nachwuchs vor Komatrinken und anderen Gelagen zu bewahren, empfiehlt sich, eine Studie amerikanischer Forscher zu Herze zu nehmen: Weder zu streng noch zu nachgiebig sollten Eltern sein, wenn sie ihre Kinder vor allzu ausschweifendem Trinken schützen möchten.
Am wenigsten anfällig für starken Alkoholkonsum sind Jugendliche, deren Eltern zuverlässig sind, sich durchaus verantwortungsbewusst zeigen, aber gleichzeitig ein warmes und liebevolles Zuhause bieten. Eher nachsichtige Eltern, ebenso wie vorwiegend strikte, erhöhen hingegen das Risiko für starkes Trinken merklich. Der Erziehungsstil hat zwar wenig Einfluss darauf, ob Jugendliche mal Alkohol versuchen. Doch was dessen übermäßigen Genuss anbelangt, scheint er durchaus eine Rolle zu spielen, berichten die Wissenschaftler.
Verdreifachtes Risiko bei netten Eltern
«Während Eltern nicht viel darauf einwirken, ob ihre Teenager Alkohol probieren, können sie einen merklichen Einfluss auf die gefährlichere Art des Trinkens haben», erläutert Stephen Bahr von der Brigham Young University in Provo. Gemeinsam mit seinem Co-Autor John Hoffmann hatte er knapp 5000 Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren nach deren Trinkgewohnheiten und dem Verhältnis zu den Eltern gefragt. Besonderes Augenmerk legten die Forscher dabei darauf, wie liebevoll die Eltern mit ihren Kindern umgingen und in welchem Ausmaß sie Verantwortungsbewusstsein zeigten - etwa wissen wollten, wo und mit wem ihre Kinder ihre Zeit verbringen.
Sie stellten fest: Diejenigen Jugendlichen, die ein strenges, aber liebevolles Elternhaus hatten, waren am wenigsten anfällig dafür, massiv Alkohol zu trinken, und hatten auch eher Freunde, die nicht tranken. Allein liebevolle und sehr nachgiebige Eltern dagegen verdreifachten beinahe das Risiko, dass Jugendliche stark tranken. Äußerst strenge, aber wenig warme Eltern erhöhten es um mehr als das Doppelte. «Die Zeit des Heranwachsens ist eine vorübergehende Periode und Eltern haben manchmal eine harte Zeit, da hindurch zu steuern», sagt Bahr. «Obwohl Freunde sehr wichtig sind, ist es nicht wahr, dass Eltern keinen Einfluss haben.»
sca/ham/news.de/ddp/wsa
Da kann ich nur beipflichten, und der Glauben an unser Rechtssystem und die Einsicht, das nicht alle Verbotenen Drogen harmlos sind, ginge bei den Kids auch nicht nehr beim ersten oder zweiten Joint verloren, würde man Cannabis fairerweise gleich behandeln wie Alkohol.
jetzt antwortenKommentar meldenSelber Schuld, lieber Staat. Für eine legalisierung von Cannabis - Viele Probleme gelöst. Vandalismus nimmt ab, Schädigungen des Körpers sind geringer, Komasaufen fällt ganz weg und Komakiffen ist sehr schwierig.
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