Von Jennifer Fraczek
Die Zahl der Ärztefehler in Deutschland ist 2009 nicht gesunken. Das zeigt eine aktuelle Statistik der Bundesärztekammer. Demnach lag in 24 Prozent aller gemeldeten Fälle ein Missgriff vor.
Die meisten ärztlichen Behandlungsfehler passieren nach wie vor bei Operationen und bei der Diagnose von Krankheiten. 2009 wurden von den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern der Länder 1771 Fälle gezählt, in denen Patienten wegen einer falschen Behandlung Anspruch auf Schmerzensgeld hatten. In knapp 58 Prozent der Fälle handelte es sich um vorübergehende Schäden, hieß es bei der Vorstellung der Zahlen. In rund fünf Prozent dieser Fälle (91) führte eine falsche Behandlung jedoch zum Tod.
Am häufigsten waren den Angaben zufolge Fehler bei Hüft- oder Knieoperationen sowie bei chirurgischen Eingriffen nach Sprunggelegenksverletzungen sowie Unterarm- und Unterschenkelbrüchen. Da die meisten Operationen in Kliniken gemacht werden, ist die Fehlerquote in Arztpraxen in diesem Bereich naturgemäß geringer.
Fehler wurden dort bei der Diagnose gemacht. So habe es 2009 beispielsweise 41 Fälle gegeben, in denen Brustkrebs nicht erkannt worden sei, sagte Johann Neu, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern. Bei Hausärzten sei ein Problem, dass sie zu lange versuchten, eine Krankheit selbst zu behandeln und Patienten zu spät an Fachärzte überwiesen.
Neu betonte, dass sowohl die Zahl der Behandlungsfehler als auch die Bereiche, in denen sie passierten, in den vergangenen Jahren weitgehend gleich geblieben seien. Lediglich bei den Knieprothesen habe es einen Anstieg gegeben, weil einfach mehr solcher Prothesen eingepflanzt worden seien.
Wie schon 2008 gingen bei den Schlichtungsstellen im vergangenen Jahr insgesamt rund 11.000 Patientenbeschwerden ein, also rund ein Viertel aller Beanstandungen. Die Stellen beauftragen Gutachter, die prüfen, ob die Beschwerden der Patienten berechtigt sind und Fehler bei der Behandlung gemacht wurden. Bearbeitet wurden im Vorjahr 7424 Anträge. Danach lag nach Ansicht der Gutachter bei den Ärztekammern in rund 24 Prozent der Beschwerden tatsächlich ein Behandlungsfehler vor.
Auf die Gesamtzahl der Behandlungen gesehen ist die Zahl der Beschwerden eher gering. Laut dem Vorsitzenden der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, Andreas Crusius, gibt es in Deutschland pro Jahr rund 400 Millionen ambulante Behandlungen und 17 Millionen stationäre.
Doch es gibt Klärungsbedarf: Vor allem im Bereich der Intensivmedizin, wo durch eine Studie von 2009 eine hohe Zahl von fehlerhaften Medikamentengaben zutage trat, wollen die Ärzte die Therapie sicherer machen. Das könne durch eine einheitliche Farbkodierung der Arzneimittel sowie durch den Einsatz von EDV anstatt schwer lesbarer Handschriftnotizen in den Krankenakten geschehen, schlug Professor Walter Schaffartzik, Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin, vor.
Oft seien nämlich mangelnde Absprachen zwischen Pflegern, Stress und Übermüdung Grund für die Fehler in der Routinebehandlung. Auch ein automatischer EDV-Check, ob sich sämtliche einem Patienten zu verabreichende Medikamente überhaupt vertragen, könne die Arbeit auf der Intensivstation erleichtern und sicherer machen.
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