Von news.de-Mitarbeiterin Corina Broßmann
«Wer schön ist, ist auch gut.» Diese Annahme ist uns in die Wiege gelegt. News.de erklärt, warum es attraktive Menschen deshalb leichter im Leben haben.
Meist reicht ein kurzer Blick, um jemanden vertrauenswürdig, intelligent oder sympathisch zu finden. Schon in der Antike war bekannt, dass die äußere Erscheinung wichtig für unser Bild vom anderen ist. Die berühmte griechische Dichterin Sappho fasste bereits vor mehr als 2600 Jahren treffend zusammen: «Wer schön ist, ist auch gut.»
Heute wird in den USA jährlich mehr Geld für Maßnahmen zur Gewichtsreduktion ausgegeben als für das gesamte Bildungssystem. Warum wohl? Aus gesundheitlichen Gründen, des Selbstwerts wegen oder eben, um positiver auf unsere Mitmenschen zu wirken? Vermutlich spielt letzteres auch bei selbstbewussten Persönlichkeiten eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Schön gleich gesund gleich gut
Unsere Gegenüber scheinen körperliche Schönheit tatsächlich unbewusst mit einer ganzen Reihe wünschenswerter Charaktereigenschaften zu verbinden. Dass das nicht nur ein Klischee ist, haben verschiedene sozialpsychologische Studien nachgewiesen.
Alan Feingold, Psychologieprofessor an der renommierten Yale University, hat die Ergebnisse von 35 solcher Forschungsarbeiten zusammengefasst und ein einheitliches Bild vorgefunden: Schöne Menschen kommen in fast allen Lebensbereichen besser weg. Ihnen werden positivere, soziale Fertigkeiten wie Ausgeglichenheit und soziale Kompetenz zugeschrieben. Es wird davon ausgegangen, sie seien intelligenter als weniger hübsche Mitmenschen, besäßen mehr Sexappeal, Gerechtigkeitssinn, EmpathieDie Fähigkeit, sich in die Gefühlslage anderer Menschen hineinzuversetzen. und eine allgemein stabilere psychische Gesundheit. Lediglich bei der Beurteilung der Bescheidenheit schneiden die Schönen schlechter ab: Sie werden als eitler und arroganter eingeschätzt.
Bessere Noten, mildere Strafen
Selbst bei Bewertungen von Leistungen in Schule und Beruf haben gutaussehende Menschen einen Vorteil. So erhielten etwa Professoren mit attraktiveren, gleichmäßigeren Gesichtszügen in Feingolds Studien positivere Bewertungen durch ihre Studenten.
Und auch Justitia scheint nicht so blind zu sein, wie sie es sollte: Wissenschaftler der University of Houston haben 2235 Gerichtsurteile analysiert und festgestellt, dass hübschere Angeklagte, zumindest bei kleineren Vergehen, mildere Strafen bekommen haben. Schönheit ist – wie es auch Aristoteles vor mehr als 2000 Jahren formulierte – besser als jeder Empfehlungsbrief.
Schöne Selbsttäuschung
Unterschiedliche Erwartungen an attraktive und unattraktive Menschen führen dazu, dass wir auf diese Menschen auch anders zugehen. Das trägt dazu bei, dass sich Erwartungen und Rollenbilder bestätigen. Zu schönen Menschen ist man also netter, zu hässlichen unfreundlich - aber ohne rationalen Grund. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine selbsterfüllende Prophezeihung.
Tatsächlich manipulieren sich Menschen auf diese Weise selbst. Aufgrund dieses einfachen, aber schwer auszuschaltenden psychologischen Mechanismus ist das Ergebnis der Studie Feingolds und seiner Kollegen wenig verwunderlich. Ob uns das im Einzelfall im Alltag dabei hilft oder daran hindert, unsere Mitmenschen schnell und fair einzuschätzen, bleibt dahingestellt.
Lesetipp: Alles über die Liebe, Professor Dr. Manfred Hassebrauck, MVG-Verlag, 233 Seiten, 14,80 Euro, Erscheinungsjahr 2010.
ham/kat/ivb/news.de