Mit Schuh und Cremes gegen Beulen
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Von news.de-Redakteurin Nadine Faßhauer
Artikel vom 09.06.2010
Die Bikinisaison steht vor der Tür – und schon drehen sich viele Frauen wieder gequält vor dem Spiegel und betrachten ihre Oberschenkel. Fast jede Frau hat sie: fiese Dellen, auch als Orangenhaut oder Cellulites bekannt. News.de sagt, was dagegen hilft und was nicht.
Ach, wie wäre das schön: Einfach ein paar Turnschuhe kaufen, damit durch die Gegend spazieren und schon ist die Haut an Po und Oberschenkeln glatt und knackig. Oder einfach jeden Tag ein bisschen Creme auf die Problemzone geschmiert und Frau sieht aus wie die Schönheit auf der Lieblingszeitschrift. Die verschiedenen Industrien wissen um diese Träume und gehen gezielt mit Produkten auf Opferfang.
Die Werbung versucht zu verkaufen, dass dieser Traum der einfachen Anti-Beulen-Lösung zum Greifen nahe ist. So scheint die Strategie der Schuhmacher auch etwa durchaus aufzugehen: Eine media control-Sonderauswertung ergab, dass der Easytone von Reebok, der als Patentlösung zu straffen Schenkeln beworben wird, im April 2010 rund 69 Prozent der Verkäufe in den Top Ten der Fitness- und Walkingschuhe der Frauen ausmachte.
So funktioniert der Schuh laut Hersteller: Balancepolster in den Sohlen sorgen für eine gewisse Instabilität, wie sie zum Beispiel auch bei einem Strandspaziergang entstehen würden. Dieses Wackeln muss von den Muskeln ausgeglichen werden. Dadurch sollen angegeblich besonders die Waden, die Oberschenkel und der Po trainiert werden. Und zwar jedes Mal, wenn man in diesen Schuh schlüpft. Training also ganz nebenbei auch beim Shoppen oder beim Weg vom Schreibtisch in die Teeküche.
Sportwissenschaftler Jens Bauer sieht darin eine Trainingsform, wie sie ähnlich in Fitnessstudios angewendet wird. Etwa in Form von Physiobords oder Kissen auf dem Boden. Aber bringt dieser Sporttreter wirklich, was er verspricht? Das bezweifelt Bauer: «Egal welchen Schuh man trägt, es ist immer abhängig davon, was man damit macht. Es funktioniert nicht, dass man diesen Schuh anzieht und die Cellulites ist verschwunden.»
Das Konzept sei aber nicht neu. Bereits seit einigen Jahren sind sogenannte MBTKennzeichnend für die MBT ist eine konvex in Laufrichtung abgerundete Sohlenform mit einem eingefügten Fersenweichteil. Bedingt durch die dadurch absichtlich weich und „wabbelig“ gemachte Schuhbodenkonstruktion verliert der Fuß den für eine physiologische Fortbewegung kennzeichnenden Halt. Das wirkt sich auf größere Teile der Halte- und Stützmuskulatur aus, weil der Körper aktiv im Gleichgewicht gehalten werden muss. Schuhe auf dem Markt, die das Gleiche versprechen. Bauer bezweifelt aber nicht nur den einfachen Erfolg, sondern befürchtet negative Auswirkungen. Durch die erhöhte Sohle unter dem Schuh könnten langfristig Schäden entstehen. Zum Beispiel an den Gelenken oder der Achillessehne. Denn ein Schuh sollte eigentlich Stabilität geben. «Selbst wenn der Easytone die Cellulites vermindern würde, ich aber danach einen Achillesschaden habe und dadurch keinen Sport mehr treiben kann, dann kommen die Dellen doppelt wieder zurück», gibt Bauer zu bedenken.
Aber Bauer kann dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen. «Solange solche Konzepte die Leute motivieren, Sport zu treiben, sich zu bewegen und der Schuh langfristig zu keinen Schäden führt, ist das wunderbar.»
Doch wie löst sich das Dellenproblem? Eine ganze Produktmaschinerie befasst sich mit dieser - meist weiblichen - Schwachstelle. Ob Cremes, Massageroller oder Peelings: Sie können laut des Sportwissenschaftlers zwar alle oberflächlich etwas straffen, die Cellulites wird man damit aber nicht los. Denn: Weder Cremes, noch Öle oder Gels können tief genug in die Hautschichten eindringen, um tatsächlich aktiv zu werden. Wenn überhaupt, dann fördern sie nur die Durchblutung der oberen Hautschicht. Bis zu den Fettzellen in der Unterhaut gelangen solche Produkte jedoch nicht. Darin sind sich die Experten einig. «Es gibt kein absolutes Rezept, damit die Dellen verschwinden - man muss damit leben. Das Ganze kann sicherlich etwas reguliert werden, aber man kann die Furchen nicht wegzaubern», sagt Bauer.
Wer unter Orangenhaut leidet, hat meist eine schwache Bindehaut. Übrigens: Auch Männer können betroffen sein. Wenn auch nicht so oft wie Frauen. Zwar kann diese Bindehaut mit Sport und gesunder Ernährung in Form gehalten werden, allerdings können Betroffene ihr Gewebe nicht grundsätzlich ändern. Was für ein Bindegewebe jeder Einzelne hat, ist nicht ausschließlich vom Gewicht und der sportlichen Fitness abhängig. Es wird schlichtweg vererbt. So gebe es Menschen, die stärker dazu neigen, Cellulites zu bilden, als andere. Sie können zwar grundsätzlich daran arbeiten, aber sie immer nur lindern.
Neben Sport hilft es auch bei der Ernährung, auf einen bestimmten Zusammenstellung im Speiseplan zu achten: Viel Obst und Gemüse, schnell abbaubare Kohlenhydrate, wenig Fett und immer genügend Flüssigkeit. Dann noch regelmäßig joggen gehen und aus den ollen Dellen werden zumindest nur weiche Wellen statt häßliche Krater.
kat/ivb/news.de
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