13.06.2010, 07.55 Uhr

Nasenspraysucht: Schnupfennase auf Entzug

Ist die Schniefnase mal länger als ein paar Tage verstopft, läuft man schnell Gefahr, von abschwellenden Nasensprays abhängig zu werden. Ein ärgerlicher Teufelskreis. Ohne langsamen Entzug klappt das freie Atmen dann nicht mehr.

Abschwellende Nasensprays pusten schnell die Nase frei. Die Gefahr abhängig ist  werden ist allerdings hoch. Bild: ddp

Abschwellende Nasensprays und Nasentropfen können schnell abhängig machen. «Bereits nach einer Woche kommt es bei täglicher Anwendung zum Gewöhnungseffekt», wie Sylvia Schnitzer vom Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte in Mecklenburg-Vorpommern sagt. Helfen kann dann eine Verringerung der Tagesdosis, zum Beispiel in Form einer Umstellung auf Nasenspray für Kinder.

Wenn der Gewöhnungseffekt eingetreten ist, kann sich die Nasenschleimhaut nicht mehr regenerieren, bleibt leicht angeschwollen und die Nasenatmung ist chronisch behindert. Der Griff zum befreienden Nasenspray liegt dann nahe. «Vor allem Heuschnupfen-Geplagte sind aufgrund ihrer dauernd verstopften Nase während der Pollensaison besonders gefährdet, in den Teufelskreis zu geraten», warnt die Vorsitzende des Landesverbandes.

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Spülungen schaffen Abhilfe

«Betroffene sollten nach Absprache mit ihrem HNO-Arzt eine Umstellung auf ebenfalls frei verkäufliche Kinder- und dann Säuglings-Präparate versuchen, da diese Sprays beziehungsweise Tropfen geringere Konzentrationen an Xylometazolin, Oxymetazolin oder Phenylephrin enthalten», sagt Schnitzer. Die Menge der verabreichten Sprühstöße oder Tropfen soll dabei aber nicht erhöht werden.

«Auch ist es hilfreich, die Nase täglich zu spülen. Sprüht man das abschwellende Mittel nur noch in ein Nasenloch, so kann man das andere mit dexpanthenolhaltigem Nasenspray oder einer Meersalz-Lösung behandeln und auch so zu einer schrittweisen Entwöhnung beitragen», erklärt die HNO-Ärztin aus Grevesmühlen. In hartnäckigen Fällen des medikamentösen Schnupfens (Privinismus) kann ein kortisonhaltiges, entzündungshemmendes Mittel die Ausheilung der geschädigten Nasenschleimhaut unterstützen.

Entzug dauert mehrere Wochen

«So oder so klappt die Entwöhnung aber nicht vom einen auf den anderen Tag. Betroffene sollten sich in Geduld üben. Mehrere Wochen dauert der Entzug in der Regel. Aber er lohnt sich. Denn ein dauernder Missbrauch kann dazu führen, dass die Nasenschleimhaut so austrocknet, dass das Gewebe abstirbt und die Nase zu stinken anfängt», sagt die Ärztin.

Laut Schätzungen sind etwa 100.000 Menschen in Deutschland von abschwellendem Nasenspray oder Nasentropfen abhängig. Ist die Nase länger als 14 Tage verstopft, sollte daher ein Arzt befragt werden, der dann die Ursachen der Nasenatmungsbehinderung herausfinden kann. «Er hat auch die Möglichkeit, mit dem Laser beispielsweise die Schwellkörper der Nase zu verkleinern und so dauerhaft Abhilfe bei diesem lästigen Problem zu schaffen», sagt Schnitzer.

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kat/ham/news.de/ap

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