Frühe Wechseljahre Letzter Tampon Mitte 30

Die Wechseljahre betreffen nur Frauen über 50. Oder etwa nicht? Mehr als jede zehnte Frau hat vor dem 40. Geburtstag mit dem Produktionsstopp im Eierstock zu kämpfen. Eine Diagnose, die dann schockiert und einen Strich durch die Familienplanung macht.

Frühe Wechseljahre (Foto)
Sicher, die Regel ist lästig, aber Mitte 30 sich schon davon zu verabschieden? Das ist für viele Frauen ein harter Schlag. Bild: dpa

Hört Frau das Wort Wechseljahre oder auch Menopause, dann sieht sie vor ihrem geistigen Auge eine mindestens 50-Jährige, gerne auch noch etwas älter, mit kurzen angegrauten Haaren. Mitte 30 ist das Thema noch sehr weit entfernt. «Frauen setzen sich in dieser Phase ihres Lebens nicht damit auseinander», weiß die Gynäkologin Dr. Cornelia Hösemann. Dabei sind geschätzt mehr als zehn Prozent aller Frauen schon vor ihrem 40. Geburtstag von dem letzten großen Hormonumschwung ihres Lebens betroffen. «Ich habe jede Woche mindestens ein oder zwei Fälle in meiner Praxis», sagt Hösemann. Dennoch sind die frühen Wechseljahre, die bereits Anfang 30 einen Strich durch die Familienplanung machen können, oft ein totgeschwiegenes Thema. 

Betroffene kommen sich noch viel zu jung vor, um zur Fraktion der «Omas», mit denen dieser Lebensabschnitt assoziiert wird, zu gehören. Somit posaunen sie selten in der Runde der Kolleginnen oder Freundinnen heraus, was sie gerade durchmachen, hat Autorin Sigrid Sator bei ihren Recherchen zu Frühe Wechseljahre: Was Frauen wissen wollen festgestellt. Selbst wenn alles nach Zeitplan läuft und erst jenseits der magischen 50-Grenze die unangenehmen Hitzewallungen aufkommen - Wechseljahre gehören nicht zu den Lieblingsthemen der Frauen. «Bin ich jetzt überhaupt noch Frau?» ist eine Frage, die in Internetforen im Hormonchaos oft fällt.

Von einer frühen Menopause wird vereinfacht dann gesprochen, wenn die Monatsblutungen bereits vor dem 40. Lebensjahr aussetzen, erklärt Hösemann. Doch Vorsicht: Die Blutungen sind nur ein sichtbares Symptom, dass nicht genau aufzeigen kann, was im Körper vonstatten geht. So ist eine Blutung auch noch während der Wechseljahre durchaus möglich, während das Ausbleiben der Regel nicht zwangsläufig das Ende der Fruchtbarkeit besiegeln muss. Die Menopause ist dann erreicht, wenn der Eierstock seine Funktion endgültig einstellt.

Und was ist mit der Familienplanung?

Gerade weil viele Frauen die Familienplanung nicht bereits Anfang 30 abgeschlossen haben und das erste Kind mit 38 Jahren bei Weitem keinen Seltenheitswert mehr hat, ist die Diagnose «Frühe Wechseljahre» für viele ein Schock. Zwar weise sie nicht direkt auf diese Möglichkeit hin, wenn Patientinnen den Kinderwunsch zeitlich nach hinten schieben, sagt Dr. Cornelia Hösemann. Aber sie mache doch darauf aufmerksam, dass mit jedem verstrichenen Jahr durch verschiedene Faktoren eine Schwangerschaft unwahrscheinlicher werden kann und sich die Risiken häufen können.

Viele verschiedene Symptome, wie die berüchtigten Hitzewallungen, Panikattacken, aber auch ungeklärte Knochenschmerzen oder Haarausfall sowie Depressionen, können Hinweise auf die Wechseljahre sein. Oft falle diese Diagnose aber nicht sofort. Schmerzen die Knochen, sucht der Orthopäde vielleicht erst einmal nach anderen Ursachen und eine Depression mag vorerst in einer Psychotherapie behandelt werden. Erst bei ausbleibender Regel klingeln die Alarmglocken und Patientinnen finden den Weg zum Frauenarzt. «Das kann gerade bei beruflich aktiven jüngeren Frauen aber manchmal sehr lange dauern», weiß Hösemann aus Erfahrung.

Warum der Körper die Aktivierung von funktionstüchtigen Eizellen bei der einen früher und bei der anderen später einstellt, konnte bisher nicht vollständig geklärt werden. Aber die Medizin kann einige Faktoren und Ursachen ausmachen, die zu der Veränderung führen oder diese begünstigen können. Wenn der Eierstock, ein Ort der Hormonproduktion, operativ entfernt werden müsse, dann stellt auch der Körper seinen Hormonhaushalt als Reaktion um. Dann können die Wechseljahre in Einzelfällen bereits Mitte 20 den weiblichen Körper ereilen. Sator nennt etwa als jüngsten bekannten Fall der vergangenen Jahre eine 26-Jährige aus den USA.

Die Faktoren Alkohol und Rauchen

Auch Chemotherapie, Bestrahlungen und verschiedene Medikamente können die Funktionsfähigkeit im Genitalbereich stark beeinflussen und zu Störungen des gesamten Hormonhaushalts führen. Diese können in Einzelfällen aber nach Absetzen der Chemotherapie reversibel sein, so Hösemann: «Bei Bestrahlung geht das jedoch nicht.»

Alkoholkonsum und starkes Rauchen gehören ebenfalls zu Faktoren, die den frühen Wechsel in den neuen Lebensabschnitt begünstigen, wie psychische Belastungen. «Je mehr geraucht wird, desto weniger Eizellen gibt es», so Hösemann. «Das ist ein Zusammenhang, den man den jungen Mädchen nicht oft genug mit auf den Weg geben kann.»

Und dann gibt es aber auch Frauen, die schon bei der Geburt mit einem sparsameren Vorrat von Eizellen, die reifen können, ausgestattet sind, sodass dieser einfach früher als bei anderen aufgebraucht ist. In vielen Fällen sei die Tendenz zur frühen Menopause vererbt und bereits die Mutter hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Herauszögern oder verhindern lässt sich das nicht. Auch Langzeitzyklen bei der Antibabypillen-Einnahme können keine Eizellen für später aufsparen.

Wie lange bis zum letzten Tampon?

Wie weit eine Frau in den Wechseljahren vorangeschritten ist und ob noch aktivierbare Eizellen in ihr schlummern, lässt sich inzwischen durch einfache Tests feststellen. Aber: Es lasse sich daraus nicht ableiten, wie viel Zeit noch übrig bleibt, bis der letzte Tampon zum Einsatz kommt und der Kinderwunsch nur noch über eine Adoption zu erfüllen bleibt.

Sicherlich sei es ganz angenehm, sich nicht mehr mit der lästigen Monatsblutung, den Unterleibsschmerzen, Verhütung und den Tampons herumschlagen zu müssen. Aber: Die Wechseljahre bringen neben den vorübergehenden Beschwerden auch einige Veränderungen, etwa der Knochen und der Haut, mit sich, die besonders jüngere Frauen nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. Gerade Frauen bis Mitte 40 empfehle Hösemann dringend eine Hormontherapie, um den Körper und die Psyche zu unterstützen.

Lesetipp: Sigrid Sator, Frühe Wechseljahre: Was Frauen wissen wollten, Patmos, 2007, 169 Seiten, 14,90 Euro.

sca/ivb/news.de

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • GinGin
  • Kommentar 3
  • 26.02.2014 22:45

Ich bin 27 und bereits auch seit mehreren Jahren in der Menopause! Wie kann das nur sein?? :( Silvi, was machst du für eine Hormonersatztherapie?

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  • silvi
  • Kommentar 2
  • 04.06.2013 20:57

Ich bin der jüngste Deutsche Fall in der Menopause!!! Im alter von 23 jahren wurde die Diagnose gestellt :-(. 2 Hormonwerte sind extrem schwankend.

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  • Beate
  • Kommentar 1
  • 25.10.2010 11:32

Ich hab das Bachblütenbuch und das Set von Petra Maria Scheid geschenkt bekommen. Die Wechseljahre haben deutlich an Schrecken verloren seitdem - Danke nochmal Schatz.

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