Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager - 01.06.2010, 15.04 Uhr

Glücksfitness: Seelenheil ganz typgerecht

Allgemeine Ratschläge führen nie zum Glück. Deshalb sind Glücksratgeber Humbug, sagt die Psychologin Felicitas Heyne und hat ihre eigene Glücksfitness entwickelt. Diese basiert auf 16 unterschiedlichen Glückstypen, die in Tipps ihr Seelenheil finden.

Jeder wird auf andere Weise glücklich. Deswegen sind allgemeine Glücksratgeber Humbug. Bild: Fotolia

Ein gutgemeinter Tipp, der für den einen zum großen Glück und zur inneren Balance führen kann, ist für den anderen der schlechtmöglichste Weg zum Seelenheil. Deshalb, so die Erkenntnis der Psychologin und Buchautorin Felicitas Heyne, sind allgemeine Ratgeber, die das Glück im Alltag versprechen, wenig hilfreich. Wenn nicht sogar völliger Humbug.

Denn diese werden für den Durchschnittsmenschen geschrieben, den es so gar nicht gibt. «Was für Lieschen Müller eine wirksame Glücksstrategie ist, muss für Sie selbst keineswegs zielführend sein», macht Heyne deutlich. Dennoch wagt sich Heyne an einen eigenen Ratgeber heran, gibt ganz konkrete praktische Tipps und stellt Übungen vor, ein Fitnessprogramm für das ganz individuelle Glück zusammenzustellen. Ein Widerspruch in sich? Ganz und gar nicht.

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Ihre Grundlage: Es gibt, ganz grob betrachtet, vier Persönlichkeitstypen. Denker, Idealisten, Macher und Realisten. Diese Kategorien lassen sich wiederum in je vier Schubladen unterteilen. Diese hängen ab von der Energiedimension – extrovertiert oder introvertiert -, der Wahrnehmungsdimension – praktisch oder theoretisch -, der Entscheidungsdimension – logisch oder fühlend – und der Handlungsdimension – spontan oder planend. Daraus ergeben sich dann die 16 Glückstypen, wie etwa den ehrgeizigen Denker, den verträumten Idealisten, den lässigen Macher oder den gutmütigen Realisten.

Mit einem Test zum Glückstypus

Natürlich, heißt dies nur, dass dieser Typ dominiert. Nicht, dass andere Dimensionen nicht vorhanden sind, betont Heyne. «Wenn Sie Rechtshänder sind, benutzen Sie im Alltag sehr wohl auch Ihre linke Hand», vergleicht die Autorin das Verhältnis zwischen den Persönlichkeitsdimensionen.

Um seinen Typ festzustellen, gibt es einen ganz einfachen Test, der sich innerhalb von wenigen Minuten durchführen lässt. Auch Tendenzen zu weiteren Schubladen lassen sich aus diesem Test ablesen.

Stehen die Tendenzen erstmal fest, sind die Tipps schnell bei der Hand. Denn: Glücklich ist der, der seine Stärken und Schwächen kennt und ihnen entsprechend sein Leben gestaltet. Die Felder, in denen das Glück sich formen lässt, sind Liebe und Freundschaft, Ausbildung und Beruf sowie Entspannung und Freizeit. Für jeden Typen hat Heyne hier konkrete Ratschläge parat.

So sollte etwa der unabhängige Denker durchaus akzeptieren, dass es auch ein Leben außerhalb der Arbeit gibt, um einen Burn-Out zu vermeiden. Denn schließlich neigt dieser engagierte, ehrgeizige und motivierte Kollege dazu, der oft in Führungspositionen zu finden ist, es im Job zu übertreiben. Selbst dann, wenn er sich in seinem Beruf prinzipiell selbst verwirklicht und glücklich ist. Am besten, so rät Heyne, sollte dieser Typus sich eine Stelle suchen, bei der er autonom und flexibel arbeiten kann, wie etwa in der Selbstständigkeit.

Die richtige Berufswahl für jeden

Der harmoniebedürftige Idealist müsse dagegen daran arbeiten, seine Ideen auch mal mitzuteilen, damit Chefs und Kollegen seine Fähigkeiten überhaupt mitbekommen. Also: Werbung in eigener Sache ist gefragt, sonst droht schnell das frustrierende Mauerblümchendasein.

Ein lässiger Macher sollte sich tunlichst von Verwaltungs-, Büro- und Routinetätigkeiten fernhalten, wenn ihm sein Glück lieb ist. Als Sozialarbeiter, Innenarchitekt oder Designer, ist dieser Teamplayer, der den Umgang mit Menschen liebt und dessen Herz für Ästhetik schlägt, gut aufgehoben. Fürsorgliche Realisten sind dagegen idealerweise im Kundenservice zu finden. Aber nur, wenn sie nicht im Konkurrenzkampf mit den Kollegen stehen.

Doch egal an welcher Stelle welcher Typ darauf achten muss, aktiv Ausgleich zu schaffen, welche charakterischen Stolperfallen ihn immer wieder erwarten und wo es ihm leicht fällt, ganz von alleine zum Glück zu kommen – Heyne sieht immer wieder die gleichen Komponenten, die ins Gleichgewicht gebracht werden müssen.

Es gilt bewussten Genuss zu erleben, der dem Macher zwar nahe liegt, der aber in Exzessen konsumiert. Entspannung, die aus dem Hamsterrad des Arbeits- und Freizeitstresses führt, ist für das seelische und körperliche Glück unerlässlich. Körperliche Bewegung, zu der sich etwa Denker eher zwingen müssen als Macher und bei der es Idealisten schnell übertreiben, verhindert nicht nur viele Krankheiten, sondern hält auch Depressionen und damit unglückliche Momente fern.

Übungen statt grauer Theorie

Selbsterkenntnis darüber welche Stärken und Schwächen man in den Topf werfen kann, sowie berufliche Erfüllung mit dem Beruf als Berufung, gehört zu einem täglichen zufriedenen Lächeln dazu. Zwar ziehen sich einige Menschen am liebsten zurück, doch für alle ist ein funktionierendes soziales Netzwerk zwischen Liebe und Freundschaft unerlässlich. Auch wenn es sehr unterschiedlich ausgeprägt das Seelenheil bringen kann. Und letztendlich ist es die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens, vor der sich niemand drücken dürfe.

Damit aber die theoretischen Ratschläge nicht nur Verwirrung hinterlassen, gibt es einige Übungen, die auf den richtigen Weg bringen können. So können sich sensible Idealisten gedanklich eine dickere Haut zulegen, in dem sie sich immer wieder vorstellen, sie besäßen magische Kräfte und könnten sich einen Panzer um die Seele legen. Vielleicht aus Titanium oder Diamanten, völlig egal. Wer dieser Vorstellung regelmäßig nachhängt, wird auf Dauer gelassener und kann Angriffe besser abblocken, ist Heyne überzeugt.

Der sprunghafte Macher kann dagegen etwa sein Durchhaltevermögen trainieren, in dem er drei berufliche und drei private Ziele für die kommenden fünf Jahre notieren, sie nach Wichtigkeit sortieren und in kleinen Häppchen planen. Wichtig: Nicht das Endziel allein, sondern auch die erfolgreichen Zwischenschritte sollte sich der Macher bewusst machen und zelebrieren. Und: Der Fortschritt wird konsequent dokumentiert.

Lesetipp: Felicitas Heyne, Glücksfitness – Das individuelle Training für mehr Lebensfreude, Orell Füssli Verlag, 192 Seiten, 2010, 19,90 Euro.

sca/news.de

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