Von news.de-Redakteur Andreas Schloder - 04.06.2010, 11.53 Uhr

Alkoholfreies Weizen: Die etwas andere Apfelschorle

Kalorienarm und voller Nährstoffe: Alkoholfreies Weizenbier liegt im Trend, nicht nur bei Ausdauersportlern. Doch der Gerstensaft ohne Prozente ist, anders als die Werbung weismacht, kein Sportgetränk. Sondern nur ein alltäglicher Durstlöscher - auch für stillende Mütter.

Ein Weizen ohne Prozente ist nur bedingt ein Fitnessgetränk. Bild: dpa

Was ist nur mit den Deutschen und ihrem Image als Bierfetischisten los? Seit dem Jahr 2000 geht der Pro-Kopf-Verbrauch des Gerstensaftes kontinuierlich zurück. Die in Deutschland ansässigen Brauereien und Bierlager setzten 2009, laut Statistischem Bundesamt, 100 Millionen Hektoliter Bier ab. Das waren rund 2,9 Millionen Hektoliter oder 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Dem Biermuffeltrend entgegen setzt sich eine Sorte immer mehr durch: Alkoholfreies - insbesondere das süßlich schmeckende Hefeweizen. Vorteil: Im Gegensatz zur herben Pilsvariante spricht es auch die Damenwelt an. Kaum eine Brauerei - auch außerhalb des Weißbier-Mutterlandes Bayern - kann noch auf die Nullkomma-Variante im Sortiment verzichten.

40 Prozent weniger Kalorien als herkömmliches Hefeweizen

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zurück Weiter Fattigauer (Foto) Foto: PR/Egenberger Lebensmittel Kamera

Die Zielgruppe der Anbieter ist breit: Es sind die Figurbewussten und Sportlichen. Denn beworben wird das Bier als kalorienarmer Durstlöscher. Und es stimmt, wie die Stiftung Warentest in der aktuellen Juni-Ausgabe ihrer Zeitschrift test schildert: Wer statt zu normalem Weizenbier zum alkoholfreien greift, spart rund 40 Prozent Kalorien. Auf durchschnittlich 23 Kilokalorien pro 100 Milliliter kommen die 20 getesteten Biere in der Bewertung. Das entspricht dem Wert von Apfelschorle.

Fitnessfans, insbesondere Ausdauersportler, sind schon lange auf den Geschmack gekommen. Das Weizenbier liefert wertvolle Nähr- und Mineralstoffe: viel Kalium und Magnesium, etwas Kalzium, aber wenig Natrium. Zudem ist der Gerstensaft eines der wenigen Lebensmittel, mit denen der Mensch sich einfach mit Folat versorgen kann. Das ist besser bekannt als Folsäure, das für den Stoffwechsel wichtig ist. Etwa 30 Prozent des täglichen Bedarfs deckt eine Flasche ab. So kommen die Lebensmitteltester zu einem schnellen Fazit: Fast alle Weizenbiere im Vergleich sind im Alltag «gute» Durstlöscher. Aber auch nicht mehr.

Isotonisch ja, aber nicht genug für Ausdauersportler

Alkoholfreies Weizenbier eignet sich entgegen vieler Werbebotschaften nur bedingt als isotonisches Sportgetränk. Bei langen Läufen, Radrennen und anderen zehrenden Aktivitäten sind sie nicht optimal. Die meisten sind zwar isotonisch – das heißt, im Bier ist die Konzentration gelöster Stoffe so hoch wie im Blut. Das beim Schwitzen verlorene Wasser können die Biere deshalb schnell im Darm ersetzen. Auch der Energiegehalt von bis zu 147 Kilokalorien pro Flasche ist für Sportler nicht schlecht. Doch die Biere haben zu wenig Natrium und zu viel Kalium. Natrium ist wichtig, um die Wasseraufnahme anzuregen. Kalium setzen aber die Muskelzellen bei Anstrengung selbst frei. Steckt zu viel davon im Sportlergetränk, kann die Leistungsfähigkeit sinken, wie Stiftung Warentest erklärt.

Traubensaft hat mehr Alkohol

Nicht nur für Marathonläufer und Co. kann der prickelnde Durstlöscher nicht den gewünschten Effekt verfehlen: Auch wenn «alkoholfrei» auf dem Etikett steht, ist dies nur bedingt wahr. Beim Entalkoholisieren bleibt immer ein Rest zurück. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 0,5 Prozent. Alle Biere hatten im Test durchschnittlich 0,4 Prozent. Für trockene Alkoholiker heißt es daher «Hände weg»! Selbst bei kleinen Mengen riskieren sie einen Rückfall. Der Biergeschmack könnte zusätzlich dazu beitragen. Die Experten liefern zudem einen weiteren Hinweis: Selbst wenn in der Nullkomma-Variante noch Alkohol enthalten ist, ist der Grenzwert sehr niedrig angesetzt. Selbst Traubensaft darf mehr haben.

Für Stillende ja, für Schwangere nein

Auch Schwangere sollten auf das alkoholfreie Hefeweizen verzichten. Ärzte und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung raten vorsichtshalber ab, denn es ist nicht geklärt, wie viel Alkohol das Ungeborene gefährdet. Bei Stillenden jedoch soll das Alkoholfreie die Milchbildung fördern. Denn die Brauer benutzen zur Würze Milchsäure, was wiederum die Milchproduktion bei Müttern beeinflussen kann.

Nicht so vollmundig wie der große Bruder

Eingefleischte Biertrinker haben es schon immer gewusst: Bier ohne die entsprechenden Prozente schmeckt einfach anders. Nun haben sie die Bestätigung. Die Stiftung Warentest hat beim Test von 20 alkoholfreien Weizenbieren exemplarisch sechs Marken direkt im Vergleich verkostet: Das Alkoholfreie war jeweils wässriger, weniger bitter und hopfig. Es schmeckte schwächer nach typischen Aromanoten wie Gewürznelke oder Banane. Der Nachgeschmack war nicht so intensiv. Der Grund: Alkoholfreies Weizen hat weniger Aromastoffe – egal, wie die Brauer es herstellen. Stoppen sie die Gärung, bevor Alkohol entsteht, bilden sich nur geringe Mengen. Oder sie gehen beim nachträglichen Entalkoholisieren verloren. Außerdem fehlt der Alkohol als Geschmacksträger.

ham/reu/news.de

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