Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Sie ist wieder im Anmarsch - millionenfach in ihrer Mission unterwegs, uns den Feierabend im Freien zu vermiesen: die Stechmücke. News.de erklärt, wie man die Plagegeister so gut wie möglich von sich fernhält. Und, wenn es nicht klappt, welche Mittel gegen die Stiche wirken.
Wer annimmt, der lange und kalte Winter hätte die Insektenpopulation minimiert, den muss Marion Kotrba von der Zoologischen Staatssammlung in München eines Besseren belehren. «Allein bei uns in Deutschland gibt es über 20 verschiedene Arten der Stechmücke. Zwar überwintert der eine Teil im Erwachsenenstadium und ist dadurch anfälliger für die Minustemperaturen als die Eierlarven. Aber die sind zäh», macht die Zweiflügler-Expertin wenig Hoffnung auf einen stichfreien Sommer.
Im Gegenteil: Während die adulten Mücken gerade jetzt wieder Nachwuchs produzieren, komme auch Verstärkung aus den Eiern nach, die in der schützenden Hülle überwintert hatten. Die Niederschläge und die Überschwemmungsgebiete - wenn die Wassermassen wieder abschwellen - bieten den Quälgeistern optimale Bedingungen. «Generell ist zu sagen: Wo Luftfeuchtigkeit und warme Temperaturen, die ab jetzt eigentlich zu erwarten sind, zusammenkommen, muss auch mit vielen Mücken gerechnet werden», schildert Kotrba. Und Stichen natürlich.
«Bissige» Weibchen
Männliche Mücken sind dem Menschen sympathischer. Denn während sie sich rein von Nektar ernähren, präsentieren sich die Weibchen schon «bissiger». Für die Entwicklung ihrer Eier benötigen sie Proteine aus dem Blut. Auch ihr mit dem Saugrüssel eingebrachtes Gift basiert auf Eiweiß. Die Substanzen, die mit dem Speichel in die Wunde gelangen, sind der Auslöser für den menschlichen Juckreiz. Das Blut kann nicht gerinnen, eine Entzündung entsteht, die Histamin freisetzt. Das Gewebshormon sorgt für die Schwellung, die zugleich errötet. Dabei werden die umliegenden Nerven gereizt, die den Menschen zum Kratzen verleiten.
«Mückenstiche sind in der Regel nicht gefährlich, nur lästig», beruhigt Martin Miehe. Mit einer fatalen Einschränkung: «Auch wenn es noch so juckt, die Schwellungen nie aufkratzen. Dadurch können Bakterien in die Wunde eindringen, was zu derben kleinen ‹Knubbeln› führen kann», warnt der Hautarzt aus Berlin. In solchen Fällen müssten dann Antibiotika oder auch Cortisontabletten eingenommen werden, um eine drohende Blutvergiftung zu verhindern.
Gegen die fliegenden Blutsauger gibt es aber probate Mittel, sowohl vor als auch nach dem Stich, schildert der Dermatologe. «Wer gerade seinen Feierabend im Freien verbringt, sollte lange, luftige und vor allem helle Kleidung tragen.» Von bunten Textilien fühlten sich die Zweiflügler besser angezogen. Und bevor man gängige Antimückenmittel auf die Haut aufträgt, könne man sich auch günstiger vor Mücken schützen. «Einfach öfters kalt duschen, das kühlt die Haut ab und spült den Körpergeruch weg, der die Mücken so anzieht», rät Miehe. «Gerade stark schwitzende Menschen werden von den Mücken bevorzugt. Der im Volksmund verbreitete Glaube vom ‹süßen Blut›, das die Mücken anzieht, ist demnach nichtig», so der Dermatologe.
Doch der Volksmund hat in Sachen Stichbekämpfung auch Recht: Wenn keine kühlen Kompressen zur Stelle sind, um den Juckreiz zu lindern, dann einfach mal im wahrsten Sinne des Wortes darauf spucken. «Der eigene Speichel kühlt und enthält schwache Schmerzstiller und Antihistamine, die gegen allergische Reaktionen wirken», erläutert Miehe. Auch erfolgsversprechend: Zitronensaft. Ein paar Tropfen des sauren Nektars auf die Einstichstelle träufeln und der Juckreiz werde neutralisiert.
Die Wirkung der in Apotheken angebotenen Antihistamingele sei hingegen oft nicht ausreichend stark: Hier empfehle es sich, die Tuben zusätzlich zu kühlen, um den Effekt zu verstärken. Ist der Juckreiz sehr stark und langanhaltend, könne man auf cortisonhaltige Präparate zurückgreifen. Besonders geeignet seien hier alkoholische Lösungen. Von Salben rät der Arzt eher ab, da sie die Haut zu stark versiegeln. Die Gefahr eines Hitzestaus würde bestehen.
Miehe selbst gehört zu den glücklichen, die eher selten von den Mücken heimgesucht werden. «Wahrscheinlich spüren die schon vor dem Stechen, dass ich Hautarzt bin», sagt der Berliner augenzwinkernd.
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