Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Prominente wie «Naddel» oder Sandy Meyer-Wölden machten es vor: Die Beziehung per SMS lösen. Damit sind sie nicht allein. Fast drei Millionen Deutsche haben einer Umfrage zufolge schon eine Partnerschaft auf diesem Wege beendet.
«Es ist aus!» «Es geht nicht mehr, ich wünsche Dir alles Gute!»: Per SMS oder Mail vom eigenen Liebes-Aus zu erfahren, ist hart, unfair und für die Verlassenen nicht nachvollziehbar. Doch was geht in den Köpfen der «Beziehungskiller» vor?
Am besten einfach die fast drei Millionen Deutschen interviewen, die nach eigenen Angaben schon einmal per E-Mail oder SMS ihren Partner in die Beziehungs-Wüste geschickt haben. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Bitkom-Webmonitor, eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands, der in unregelmäßigen Abständen gesellschaftliche und wirtschaftliche Phänomene der digitalen Welt aufgreift. Per Zufallsprinzip riefen die Meinungsforscher 1001 Zielpersonen in Deutschland ab 14 Jahren an - Mehrfachnennungen waren möglich.
Doch die Republik ist noch nicht ganz verloren: Tatsächlich gehen die meisten Beziehungen bislang noch nach einem Gespräch auseinander. 61 Prozent aller Befragten haben diese Form gewählt, jeder Zehnte schrieb einen Brief.
«Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander»
Die Jugend dagegen trennt sich häufiger mit den modernen Kommunikationsmitteln vom Partner. Von den Teenagern zwischen 14 und 19 Jahren ist es jeder Siebte. Bei Älteren ist diese Gewohnheit zwar selten, aber immerhin haben zwei Prozent der über 60-Jährigen bereits mit einer SMS fürs Liebes-Aus gesorgt. Nennenswerte Unterschiede zwischen Frauen und Männern gäbe es nicht.
So Schluss zu machen stößt in der Bevölkerung auf große Ablehnung. Nur drei Prozent aller Befragten billigen es. 92 Prozent lehnen es demgegenüber ab. Paradox: Obwohl Teenager die Trennung per Handy öfters nutzen, liege die Ablehnung in der Altersgruppe sogar bei 99 Prozent. «Offenbar klaffen bei einigen Jugendlichen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Mit den eigenen Verhaltensprinzipien geht man sichtlich entspannt um», so Bitkom-Vizepräsident Achim Berg «E-Mail oder SMS erleichtern unsere Kommunikation und sind fester Teil unseres Lebens – mit vielen positiven, teils aber auch fragwürdigen Begleiterscheinungen», sagt Berg.
«Das ist eine Form, die ich keinem wünsche. Wer so etwas macht, hat keinen Respekt verdient», erklärt Medienforscher Professor Jo Groebel vom Deutschen Digitalen Institut in Berlin, der die Entwicklung zum unpersönlichen Liebes-Aus schon länger verfolgt und es längst nicht mehr für ein Jugendphänomen hält. «Ich kenne selbst Leute in meinem Alter, die sich per SMS vom Partner getrennt hatten. Durch die modernen Kommunikationsmittel werden massiv strikte Grenzen überschritten. Hemmungen fallen weg», so der 59-jährige Medienexperte. Demnach werde durch Handy und Internet ein anonymes Portal für die eigene Feigheit geschaffen.
«Shopping der Liebe»
Groebel geht noch einen Schritt weiter und spricht vom «Shopping» der Liebe und der Partnerschaft. «Das ist genau so, wie wenn man ein Buch kauft. Zuerst bestellt man es und dann gibt man es wieder zurück, wenn man keine Lust mehr darauf hat», so Groebel. Der Medienexperte sieht die Entwicklung gerade bei Onlineportalen mit Skepsis. «Da gibt es die spannendsten Momente, wenn Leute auf dem Profil ihres Partners lesen können, dass sich dieser in einer komplizierten Beziehung befindet oder ganz andere Neigung an den Tag legt», schildert Groebel.
Mit den gefallenen Hemmungen hat Liebeskummer-Therapeutin Silvia Fauck täglich in ihren Praxen zu tun: Oft werde ein Krach inszeniert, um dann alles hinzuschmeißen und aus der Beziehungsnummer fein raus zu sein», wie sie in ihrer Kolumne schreibt. Dem anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben sei ja auch einfacher, als selbst Farbe zu bekennen. Auch Worte können Waffen sein, die erschüttern, verletzen und das weitere Leben des Gegenübers prägen können. «Diese Art der Befreiung des eigenen Gewissens auf Kosten anderer ist also mehr als fraglich», so Fauck.
Diplom-Psychologe Rüdiger Wacker aus Essen geht tiefer in die Materie. «Es muss zuerst einmal die Frage gestellt werden, ob es überhaupt eine richtige Art gibt, die Beziehung zu beenden.» Doch wer sich über Kurznachrichten vom Partner trennt, sagt schon viel aus, wie der Paartherapeut meint. «Es ist ein Spiegelbild der Beziehung selbst. Wenn man sich nur über diesem Weg zu helfen weiß, dann kann die Beziehung von Vornherein nur zum Scheitern verurteilt gewesen sein.»
Zwar ist es für die Betroffenen am Anfang die Hölle, doch wie geht man damit um? «Ich würde zurückschreiben, ob das die richtige Form sei und um ein persönliches Gespräch bitten. Kommt darauf keine Antwort, umso besser. Dann sprichwörtlich ein Ei über die Beziehung schlagen und sich freuen, dass es vorbei ist», meint Groebel. Wacker stimmt dem zu: «Wenn sich jemand so schrecklich verabschiedet, wirft es ein eindeutiges Licht auf die Person. Und man sollte die Wut benutzen, um den Abschiedschmerz schneller loszuwerden», so der Paartherapeut.
sck/reu/news.de
Traurig macht mich nur das die "Moderne Technik" versucht, menschlich Beziehungen zu ersetzen und diese gnadenlos ausnutzt. Scheinbar finden es "Erwachsene" die Handys verkaufen wollen, auch noch schön. Diese Hndys sind eigentlich mehr Zeugen einer Kultur des auseinander Lebens und des nicht miteinander sprechen Könnens.
jetzt antwortenKommentar meldenTraurig macht mich nur das die "Moderne Technik" versucht, menschlich Beziehungen zu ersetzen und diese gnadenlos ausnutzt. Scheinbar finden es "Erwachsene" die Handys verkaufen wollen, auch noch schön. Diese Hndys sind eigentlich mehr Zeugen einer Kultur des auseinander Lebens und des nicht miteinander sprechen Könnens, was langfristig, Folgen haben wird. Es entwikelt sich immer mehr eine Kultur der Beziehungslosiegkeit und des nicht miteinander Rreden könnenes, welche Gewalt gegen ander fördert.
jetzt antwortenKommentar meldenJugendliche müssen auch das Trennen ersteinmal lernen, wie so vieles. Verantwortung für das eigene Handeln inbegriffen. Da stellt sich die Frage - wo eigentlich ? Auf Pornoseiten, in "sozialen" Netzwerken, wo Verfügbarkeit zu den Hauptmerkmalen des Sozialverhaltens zählt, gelingt es nur schwerlich. Integere Erwachsene werden naturgemäß selektiv wahrgenommen. Also gehen Menschen, wie so oft, den Weg des geringsten Widerstands. Eine klassische Trennungsform, wie etwa eine gerichtliche Scheidung, ist allerdings auch selten ein Zuckerlecken. Welche Form der Trennungskultur ist die erträglichste ?
jetzt antwortenKommentar melden