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Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Artikel vom 12.05.2010
Heute ist Tag der Pflege. Doch nicht nur die über zehn Millionen chronisch Kranken leiden - auch ihre pflegenden Angehörigen stehen kurz vor der Erschöpfung. Obwohl das Problem bekannt ist, fehlt es immer noch an Lösungsansätzen.
Mehr als zehn Millionen Bundesbürger gelten als chronisch krank. Überwiegend leiden sie beispielsweise unter Diabetes, Herzerkrankungen, Krebs oder im fortgeschrittenen Alter an Demenz oder Alzheimer. Die Betroffenen zu betreuen und zu versorgen, kostet einen enormen Aufwand von Zeit und Kraft - und Geld.
Welcher Druck dabei auf den Pflegenden liegt, macht die Studie des Zentrums für Qualität (ZQP) deutlich, die im Rahmen des internationalen Tages der Pflege durchgeführt wurde. Die seit Herbst 2009 agierende, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, die Qualität in der Pflege sowie die Versorgung älterer und hilfsbedürftiger Menschen wissenschaftlich zu Grunde zu legen und strukturell zu verbessern. «Ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit ist, dabei die häusliche Versorgung unter die Lupe zu nehmen. Denn die wurde bisher nur stiefmütterlich behandelt», erklärt ZQP-Vorstandsvorsitzender Ralf Suhr.
Denn mit dem «Pflege-TÜV» fokusierte die Politik und die Öffentlichkeit vor allem die Qualität in der stationären und ambulanten Pflege. «Doch der Trend geht zur häuslichen Pflege, zur Versorgung in den eigenen vier Wänden. Und dabei erwarten die Betroffenen ein hohes Belastungsniveau an den eigenen Partner», schildert Suhr die Probleme.
Für die repräsentative Studie wurden 250 Bundesbürger befragt, die sich um einen chronisch kranken Angehörigen oder Lebenspartner kümmern. Das Ergebnis ist bedrückend: Sechs von zehn Frauen machen sich große Sorgen, die Pflege mit Familie und Beruf nicht in Einklang bringen zu können. Dagegen sind Männer vor allem fachlich überfordert: Jeder zweite hat Angst, den chronisch Kranken schlecht oder so gar falsch zu versorgen.
Egal ob Mann oder Frau: Die Altersschicht zwischen 36 und 50 spüre am stärksten die Überbelastung. Fast zwei Drittel klagen über Stress aufgrund von Zeitmangel. Besonders betroffen sind dabei Familien. Den Frauen komme dabei eine Überrolle zu: «Sie übernehmen in drei von vier Fällen die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger», sagt Suhr. «Eine Bürde, die in den vergangenen Jahren angesichts einer Berufstätigkeit und Familie noch gewachsen ist.»
Pflegende sind psychisch als auch physisch überfordert
Das geht an den Pflegenden nicht spurlos vorbei. Die physische und psychische Belastung führe zu Erschöpfung und mache die Betreuenden häufig selbst krank. «Symptome wie Stimmungstiefs, Burnout, Schlafstörungen, Bluthochdruck oder Kopfschmerzen sind gerade bei den Pflegenden besonders verbreitet. Entsprechend groß ist das Bedürfnis nach einer besseren Unterstützung bei der Betreuung, zum Beispiel durch einen ambulanten Pflegedienst», analysiert Suhr.
Knapp sechs von zehn Befragten wünschen sich eine professionelle Hilfe. Mehr als die Hälfte legt außerdem Wert auf mehr Beratung und Unterstützung bei den finanziellen Belastungen. Vor allem Männern geht es darum, die medizinisch-pflegerische Versorgung zu verbessern. Hier zeigt sich erneut ihre Unsicherheit und die Sorge, in der Pflege etwas falsch zu machen.
Die Wünsche lassen sich mit Zahlen belegen, die das Bundesamt für Statistik heute im Rahmen des Pflegetages veröffentlicht hat: Rund 774.000 Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und Pfleger arbeiten in Deutschland und sind damit mit Abstand die größte Berufsgruppe von den insgesamt 4,6 Millionen Beschäftigten im deutschen Gesundheitswesen. Rund zwei Drittel arbeiteten im Jahr 2008 in Krankenhäusern, fast 14 Prozent in der ambulanten und rund neun Prozent in der teilstationären Pflege.
Während zwischen 2000 und 2008 die Beschäftigtenzahl im Krankenhausbereich fast konstant blieb (plus 4000), sei sie dagegen in ambulanten Pflegeeinrichtungen um 35.000 (rund 48 Prozent) und in (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen um 13.000 (rund 25 Prozent) angestiegen.
Ein Großteil der Gesundheits- und Krankenpfleger sind demnach teilzeit- oder geringfügig beschäftigt, 2008 waren es fast 44 Prozent. Auffällig sei, dass vor allem die Frauen dieser Berufsgruppe (48 Prozent) davon betroffen waren, während bei ihren männlichen Kollegen die Quote der teilzeit- oder geringfügig Beschäftigten lediglich bei 18,5 Prozent lag.
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer großen Herausforderung. «Und wir müssen die Probleme jetzt anpacken, sonst drohen sie uns zu überrollen», warnt Suhr. Denn mit dem demographischen Wandel und der stetig besser werdenden medizinischen Versorgung müsse man sich auf noch mehr chronisch Kranke einstellen. «Ohne das Ehrenamt wären die Anforderungen aber schon jetzt nicht mehr zu bewältigen», gibt Suhr zu bedenken.
ivb/news.de
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