Kontrolliert schwanger bleiben
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Bei Frauen, die an Diabetes erkrankt sind, ist in der Schwangerschaft das Risiko für Fehlgeburten und Fehlbildungen deutlich erhöht. Eine ärtzliche Beratung sei daher schon im Vorfeld der Schwangerschaft notwendig, appellieren Diabetologen.
«Schwangere, die gut informiert sind und deren Zuckererkrankung von Anfang an - also schonvor der Empfängnis - gut eingestellt ist, können ihre Schwangerschaftsrisiken erheblich verringern», erklärt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.
Eine schlechte Stoffwechseleinstellung in der Frühschwangerschaft ist mit einem erheblichen Risiko für Fehlbildungen verbunden. Auch im weiteren Verlauf ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, um eine sogenannte fetale Makrosomie des Kindes zu vermeiden. Makrosome Kinder bekommen zu viel von dem Wachstumshormon Insulin, was zu Gewichtszunahme führt und auch die Körperkomposition verändern kann. Übergroße Babys können dann wiederum bei der Geburt für Komplikationen sorgen.
Auch die weitere gesundheitliche Entwicklung makrosomer Kinder ist oft ungünstiger, denn sie neigen im Kindes- und Erwachsenenalter zur Übergewicht sowie zu Diabetes und den mit der Stoffwechselkrankheit verbundenen Spätschäden wie Bluthochdruck, Sehstörungen sowie Nierenfunktionsstörungen.
Da im Verlauf der Schwangerschaft der Bedarf an Insulin steigt, sollten werdende Mütter lernen, die Insulindosis selbsttätig anzupassen, rät Albring. Bei Typ-1-Diabetes muss außerdem bei schwerer Unterzuckerung ein Glucagon-Notfallset benutzt werden, über dessen Anwendung auch der Partner Bescheid wissen sollte.
Muttermilch ist die beste Medizin
Die Geburt sollte in einem Zentrum mit angeschlossener Kinderklinik geplant werden. Dort sollte sich die werdende Mutter rechtzeitig persönlich vorstellen und ihren Mutterpass sowie das Blutzucker-Protokollheft mitbringen. Gerade auch für Diabetikerinnen ist es günstig, nach der Entbindung das Kind zu stillen, denn die Muttermilch ist die beste Ernährung für den Nachwuchs, erklärt Albring.
Auch die Anzahl von Typ-2-Diabetikerinnen im gebärfähigen Alter wächst. Das Risiko für Fehlbildungen und Fehlgeburten ist bei ihnen wie bei Typ-1-Diabetes gegenüber gesunden Frauen doppelt so hoch. Allerdings kommen bei Frauen mit Typ-2-Diabetes weitere Probleme hinzu, wie eigenes Übergewicht, eine höhere Rate an Begleiterkrankungen wie erhöhter Blutdruck oder erhöhte Blutfettwerte sowie eine kürzere Diabetesdauer und damit weniger Erfahrung im Umgang mit der Krankheit.
Bis zu 50 Prozent werden übersehen
Im Jahr 2008 hatten 4,4 Prozent aller Frauen, die ein Kind zur Welt brachten, einen Diabetes. Meist wurde die Stoffwechselstörung erst während der Schwangerschaft erkannt. Allerdings würden zu wenige Schwangere auf den sogenannten Gestationsdiabetes untersucht, bemängelt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG). «In Deutschland werden mehr als 50 Prozent dieser Erkrankungen übersehen», vermutet der Kieler Diabetologe Helmut Kleinwechter.
Gestationsdiabetes, der erstmals während der Schwangerschaft auftritt, könne das Geburtsgewicht des Babys erhöhen und zu Geburtsproblemen wie beispielsweise Neugeborenengelbsucht führen, mahnt er. Eine zeitige Therapie senke dagegen die Zahl der Neugeborenen-Todesfälle und der Komplikationen während der Entbindung, erklärt Kleinwechter. Zudem müssten Ärzte die betroffenen Frauen nach der Geburt weiter betreuen, auch wenn sich der Blutzucker zunächst normalisiere. «Jede zweite von ihnen erkrankt innnerhallb von zehn Jahren nach der Geburt an einem Diabetes», sagt der Mediziner.
sca/reu/news.de/ap
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