Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Der Bienenstock gleicht einer besonders effektiven Fabrik für Heilmittel. Die fleißigen Insekten liefern nicht nur leckeren, gesunden Honig, sondern können wesentlich mehr. Die Apitherapie wendet uraltes Wissen um die heilenden Kräfte der Bienenprodukte an.
Dass Honig im Tee eine Erkältung schnell in Vergessenheit geraten lässt oder das Bienenprodukt in warmer Milch für sanfte Schlummerstunden sorgt, gehört bei vielen Menschen zum allgemeinen Wissen über Hausmittel dazu. Doch dass die Insekten noch viel mehr können, um unsere Gesundheit zu stärken oder sogar Erkrankungen zu heilen, ist vielen nicht bewusst. Dabei gehört die Apitherapie, die sich mit den Heilkräften von Bienenprodukten beschäftigt, zu einer der ältesten Heilmethoden der Welt. «Früher wurde sie viel mehr geschätzt als heute und Honig wurde mit Gold aufgewogen», sagt die Heilpraktikerin Barbara Berger-Marterer.
Dieses Ansehen sei leider in der westlichen Welt etwas in Vergessenheit geraten. Das liege vor allem an dem Vormarsch der Schulmedizin und dem Vertrauen in pharmazeutisch hergestellte Medikamente, vermutet Arno Bruder, Vizepräsident des Deutschen Apitherapie Bundes (DAB). Aber in der Imkerfamilie sei das Wissen über die Heilkräfte der Bienenprodukte immer präsent geblieben, weiß Bruder aus eigener Erfahrung. Der Imker therapiert sich seit Jahren selbst und wird durch sein bienengestärktes Immunsystem nur äußerst selten krank.
Das Glas Honig aus dem Supermarkt passe zwar auf den Frühstückstisch und das Honigbrot sei mit Sicherheit gesund, findet Bruder, aber in der Apitherapie haben die Gemische, die oft lange Lieferwege hinter sich gebracht haben, nichts zu suchen. «Für die Apitherapie ist nur das Beste gut genug», betont Berger-Marterer, die auch selbst Imkerin ist. Grund: Durch die vielen Verarbeitungsprozesse, Mischungen und Transporte können wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen oder zerstört werden. Ist der goldene Natursaft aber gut verarbeitet, dann steckt in ihm eine antibakterielle und antivirale Wirkung, sodass er mehr kann, als nur das gesunde Frühstück zu sichern. Etwa in der Wundbehandlung werde er häufig eingesetzt, berichtet Bruder.
Hinzu kommt, dass Kunden mit «Echtem Deutschem Bienenhonig» nicht nur die einheimischen Imker unterstützen, sondern natürlich auch die umgebende Natur, die auf die Bestäubung durch Bienenvölker angewiesen ist.
800 Anwendungsbereiche
Es gibt rund 800 medizinische Indikationen, vom Asthma über Multiple Sklerose bis Rheuma, die mit den Bienenprodukten Honig, Pollen, Bienenwachs, Propolis, Bienengift und Gelee Royal behandelt werden können. Dennoch stößt natürlich auch die Apitherapie an ihre Grenzen. «Es wäre fahrlässig, wenn man sagen würde, man könnte mit Bienenprodukten alles heilen», schränkt die Apitherapeutin ein. Zumal der Begriff «Heilen» im Ansatz der Naturheilkunde nicht greife. Während in der Schulmedizin vornehmlich Symptome behandelt werden, unterstützt die Apitherapie, wie die meisten Naturheilverfahren, die Selbstheilungskräfte des Körpers.
Bruder berichtet, dass es in jüngster Zeit Erfolge in der Behandlung von Asthmatikern mit Bienenstockluft gegeben habe. «Es ist in einigen Fällen sogar zu vollständigen Heilungsprozessen gekommen», so der DAB-Vize. Doch anerkannt sei das Verfahren noch lange nicht, da es kaum Geld für wissenschaftliche Studien gebe, die dafür benötigt werden. Allerdings: Es gebe zahlreiche Studien zur Apitherapie in anderen Ländern, berichtet Bruder.
Allergikern, die mit Blütenpollen zu kämpfen haben, rät Berger-Marterer, eine sanfte Desensibilisierung mit Blütenhonig bereits im Herbst zu beginnen. «Wer langsam anfängt und in kleinen Dosen steigert, hat die Chance, im Frühjahr fast frei von einer Blütenstauballergie zu sein.» Das funktioniere zwar auch mit Pollen, die man in Naturjoghurt auflösen kann oder ins Müsli streut. Aber da ist Vorsicht geboten: Eine allergische Reaktion auf eine derart hohe Dosis Pollen könne bei empfindlichen Menschen gefährlich werden, warnt Berger-Marterer und würde deshalb eine Desensibilisierung mit Pollen nicht empfehlen. Wegen der Allergiegefahr werde auch meist die Empfindlichkeit der Patienten getestet, bevor eine Therapie verordnet werde, betont auch Bruder.
Vorsicht bei der Selbstmedikation
Abgesehen vom Honiglöffel in der Teetasse sollte mit Selbstmedikation in der Apitherapie immer vorsichtig umgegangen werden. Besonders, wenn es zu allergischen Reaktionen auf die Bienenprodukte kommen könnte. Auch Imker, die sich mit Apitherapie auskennen, sollten nicht zu einer Erkrankungsdiagnose herangezogen werden, findet die Heilpraktikerin: «Bei allen Erkrankungen, die nicht alltäglich sind, sollte auf keinen Fall auf eine professionelle Beratung verzichtet werden.» Das gelte vor allem für schwerere Erkrankungen.
Der DAB hat es sich auf die Fahnen geschrieben, nicht nur das Wissen über die Apitherapie wieder ins Bewusstsein zu rufen. Auch gibt es Seminare und Kurse für Heilpraktiker und auch Imker, die zur Gewinnung von hochwertigen Produkten für die Therapeuten benötigt werden. «Wir zertifizieren inzwischen Imkereien, die sich mit dieser Thematik beschäftigen und sich weiterbilden», verrät Bruder.
Arno Bruder ist Imker und Vizepräsident des Deutschen Apitherapie Bundes (DAB). Er beantwortet gerne Fragen rund um Bienenprodukte und ihren therapeutischen Einsatz telefonisch unter (08921) 981060 oder (0177) 5972757 oder per E-Mail unter arno.bruder@bezirk-oberbayern.de.
sca/reu/news.de