Sa., 26.05.12

Hautkrebs-Screening 07.05.2010 Folgen unbesonnener Besonnung

Hautkrebs (Foto)
Hautkrebs lässt sich im frühen Stadium sehr leicht behandeln. Dafür braucht es aber ein regelmäßiges Screening. Bild: ddp

Hautkrebs alarmiert Mediziner in Deutschland gleich zweifach: Er ist nicht nur die mit Abstand häufigste Tumorart, sondern auch jene, die am schnellsten zunimmt. Eine Analyse zeigt: Es erkranken noch mehr Menschen bundesweit als bisher bekannt.

Demnach entwickeln jährlich zwischen Flensburg und Oberstdorf etwa 195.000 Menschen Hauttumore, 24.000 davon das besonders gefährliche Maligne Melanom. Bisher waren Experten von 140.000 Erkrankungen ausgegangen. Die neue Hochrechnung beruht auf dem Krebsregister von Schleswig-Holstein, das alle Hautkrebs-Diagnosen der Republik erfasst. Zum Vergleich: An Brust- und Prostatatumoren zusammen erkranken jährlich rund 120.000 Menschen.

Gerade die schnelle Ausbreitung von Hautkrebs bereitet Experten Sorge. «Die Häufigkeit des Malignen Melanoms hat sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren verdoppelt», sagt Rudolf Stadler von der Hautklinik Minden. Beim hellen Hautkrebs steigen die Zahlen noch rasanter. Zu dem alarmierenden Trend trage zwar auch die steigende Lebenserwartung bei. Die Hauptursache sieht der Dermatologe aber in dem Umstand, dass die überwiegend hellhäutigen Bundesbürger seit den 1970er Jahren zunehmend in südlichen Gefilden viel Sonne suchen. «Bei mindestens 90 Prozent der Hautkrebs-Patienten ist die UV-Strahlung entscheidend», sagt Stadler. «Die Folgen der uneingeschränkten Besonnung registrieren wir erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Jahrzehnten.»

Mehr als 3000 Todesfälle pro Jahr

Mehr als 3000 Menschen sterben jährlich an Hautkrebs, vor allem am Malignen Melanom. Werden die bedrohlichen Hautveränderungen früh entdeckt, lassen sie sich in einer kleinen Operation problemlos entfernen. Seit knapp zwei Jahren soll ein weltweit einmaliges Programm in Deutschland die Früherkennung verbessern. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren können sich alle zwei Jahre von speziell geschulten Medizinern vom Scheitel bis zur Sohle untersuchen lassen. Dafür entfällt sogar die Praxisgebühr. 35.000 Haus- und mehr als 3000 Hautärzte haben sich für das Screening fortbilden lassen.

In den ersten 21 Monaten nahm ein Viertel der rund 44 Millionen Anspruchsberechtigten das Angebot an. Selbst wenn der Arzt bei der Untersuchung fündig wird, ist das kein Grund zur Panik. Beim Melanom gebe die Analyse des Gewebes in 19 von 20 Verdachtsfällen Entwarnung, beim hellen Hautkrebs immerhin noch in fünf von sechs Fällen, sagt der Buxtehuder Hautarzt Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention.

Bei dem Vorsorge-Programm wurden über ein Drittel der bestätigten Melanome in jenem Stadium entdeckt, in dem sie noch auf die oberste Hautschicht begrenzt und gut heilbar waren. «Die vielen frühen Diagnosen zeigen den Erfolg des Screenings», sagt Breitbart.

Lange Wartezeiten und Unsicherheit bei Kosten

Aber nicht jeder teilt diese Begeisterung. In einer verdeckten Anfrage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vergab jede vierte der 175 Hautarztpraxen entweder keinen Termin oder erst nach zweimonatiger Wartezeit. Jede achte Praxis behauptete sogar, die Krankenkassen würden die Kosten des Screenings nicht erstatten.

Und manche Dermatologen bieten die Untersuchung mit Hilfe eines Spezialgeräts an - dessen Kosten müssen die Patienten allerdings aus eigener Tasche zahlen. «Geschulte Ärzte können verdächtige Hautveränderungen mit bloßem Auge erkennen», sagt Breitbart. Das Honorar von 20 bis 25 Euro für den etwa 15-minütigen Termin hält der Dermatologe für angemessen.

Aber das aufwendige Programm zielt nicht nur auf Früherkennung ab. «Das Screening ist auch eine Aufklärungskampagne, die der Vermeidung von Hautkrebs dient», sagt Breitbart. Die Menschen sollen keine bedingungslose Bräune suchen, sondern auch den schädlichen Einfluss der Sonne berücksichtigen. «Der einzige positive Effekt der UV-Strahlung ist die Anregung der Vitamin-D-Produktion», räumt der Dermatologe ein. «Aber für die Versorgung genügt es, in der warmen Jahreszeit Kopf und Hände 15 Minuten in die Sonne zu halten.»

Warnung vor Solarien

Bei intensiver Strahlung, rät Breitbart, solle man Gesicht und Körper mit Hut und Textilien schützen und auf den exponierten Hautflächen Sonnenmilch üppig dosieren. Weit problematischer als Sonnenbäder bewerten Dermatologen Solarien, in denen sich Umfragen zufolge mehr als fünf Millionen Bundesbürger regelmäßig bräunen.

«Selbst der EU-Grenzwert für Solarien von 0,3 Watt pro Quadratmeter entspricht der Sonnenstärke mittags am Äquator», bemängelt Breitbart. «In vielen Sonnenstudios stehen ältere Geräte, die noch drei Mal stärker strahlen.» Hautarzt Stadler, der regelmäßig auch junge Hautkrebs-Patienten stationär behandelt, bezweifelt, dass derartige Appelle viel Gehör finden: «Angesichts des heutigen Ästhetikwahns sind solche Mahnungen schwierig.»

kat/sca/reu/news.de/ap
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