Sa., 26.05.12

«Schaufensterkrankheit» 28.04.2010 Verstopfte Gefäße überbrücken

Schaufensterkrankheit (Foto)
So harmlos die «Schaufensterkrankheit» klingt, so gefährlich kann sie werden. Und im schlimmsten Fall zur Amputation führen. Bild: ddp

Weil die Gefäße verstopft sind, tut jeder Schritt weh. Kleine Alibistopps haben der Durchblutungsstörung den Beinamen Schaufensterkrankheit eingebracht. Um zahlreiche Amputationen zu verhindern, haben Mediziner eine neue Therapie entwickelt.

Niemand soll es mitbekommen. Deswegen bleiben Menschen mit heftigen Schmerzen in den Waden zur Ablenkung vor Geschäftsauslagen stehen. Was im Volksmund «Schaufensterkrankheit» genannt wird, ist eine schwere Durchblutungsstörung der Gliedmaßen.

Jährlich 50.000 Amputationen in Deutschland sind inzwischen die Folge. «Wir stellen eine massiv steigende Zahl fest - vor drei, vier Jahren waren es noch rund 40.000 Amputationen», sagte Professor Holger Reinecke von der Universitätsklinik Münster. Mit einem neuartigen Verfahren kann der Verlust von Gliedmaßen verhindert werden, selbst wenn Gefäße mit Ablagerungen bereits gänzlich verschlossen sind.

Bei komplett und langjährig verkalkten Beinarterien kommen die Ärzte mit dem Katheter nicht am Verschluss vorbei, um ihn zu zerstören. «Nun können wir den Katheter durch die weiche Gefäßwand am Pfropfen vorbei schieben, ihn umschließen und zur Seite drängen», erklärte der Kardiologe. Diese neue Methode - wegen des Katheterumweges «Outback» (Hinterland) genannt - wurde deutschlandweit im vergangenen Jahr bei rund 500 Operationen angewandt.

Risikofaktoren für dieses Leiden, das medizinisch korrekt «periphere arterielle Verschlusskrankheit» heißt, sind etwa Rauchen und Diabetes. Bei Männern im Alter ab 65 Jahren sei inzwischen jeder Fünfte betroffen. Insgesamt geht die Deutsche Gefäßliga von bundesweit fünf Millionen Betroffenen aus.

Die Patienten leiden zunächst unter schleichend stärker werdenden Beinschmerzen. Mit Fortschreiten der Erkrankung können Gewebeteile absterben - im schlimmsten Fall droht die Amputation. Reinecke geht wegen der älter werdenden Menschen von weiter steigenden Patientenzahlen aus. Problematisch sei, dass selbst Mediziner die Verschlusskrankheit oft nicht rechtzeitig oder gar nicht erkennen. Vermutet würden häufig Rückenleiden oder Bandscheibenprobleme: «Dabei genügt die Blutdruckmessung an Armen und Beinen.»

kat/ivb/news.de/dpa
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