Von news.de-Redakteurin Nadine Faßhauer
Ayurveda bezeichnet die traditionelle indische Gesundheitslehre. Mit ihrer Hilfe können Krankheiten vorgebeugt und die Selbstheilungskräfte gestärkt werden. Die besten Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Im Mittelpunkt steht die Ernährung.
Ayuh bedeutet Leben, veda ist das lebendige Wissen. Übersetzt bedeutet die ayurvedische Lehre somit: Wissenschaft vom Leben. Gute Ernährung und Verdauung ist für die Ayurveden, so nennen sich die Anhänger der indischen Traditionsmethode, die wichtigste Grundlage für Gesundheit. Falsches Essen und eine schlechte Verdauung sind demnach auch die Hauptursache für Krankheit.
Das Ziel der Lebensweise, die auch als Heilmethode eingesetzt wird, ist es, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen und so das Immunsystem zu stärken. Die Augsburger Ernährungsberaterin Gudrun Glock erklärt, warum sie seit einer Indienreise von dieser Ernährungsform fasziniert ist: «Mit der ayurvedischen Ernährungsweise sind Sie sehr bald in der Lage, zu Ihrem natürlichen Gleichgewicht zurückzufinden und dieses dann auch zu erhalten.»
Das Kernstück der Ayurveda ist die Unterscheidung von drei menschlichen Grundkonstitutionstypen, den sogenannten Doshas: vata (Lufttyp), pitta (Feuertyp) und kapha (Erdtyp). Alle Lebensformen sind laut der indischen Lehre durchdrungen von diesen drei Kräften. Glock bezeichnet sie als das wichtigste Glied in der Nahrungskette. Deshalb gelte es zu bestimmen, welche natürlichen Bedürfnisse, aber auch Schwächen und Stärken der individuelle Organismus besitzt. Das Prinzip ist ganz einfach: Arbeiten die Doshas harmonisch zusammen, ist der Mensch gesund.
Der Appetit einer Person, bei der das vata-Prinzip überwiegt, sei laut Glock unregelmäßig, seine Verdauungskapazität ist schwach. Auch seine Persönlichkeit zeichne sich eher durch Sprunghaftigkeit aus. Zudem können sie nicht mehr als sechs bis acht Stunden am Stück konzentriert arbeiten. Ein pitta-Mensch isst dagegen viel. Auch ist er mit einer guten und schnellen Verdauung gesegnet. Sein Arbeitsplatz ist aufgeräumt und gut organisiert. Der Appetit der kapha-Menschen ist eher gering, seine Verdauung langsam. Kapha-Menschen versprühen gute Laune und sind nicht so leicht zu verärgern.
Hat man festgestellt, welches Dosha beruhigt oder gestärkt werden soll, kann man sich einen persönlichen Plan für seine Ayurveda-Ernährung machen. «In der Regel sollte die Nahrung diejenigen Elemente zurückführen, die fehlen und diejenigen abschwächen, die eine vorherrschende Rolle eingenommen haben», erläutert die Ayurveda-Expertin.
Dabei zählt der Geschmack, deshalb werden in der Ayurveda alle Nahrungsmittel in sechs Geschmacksrichtungen, die sogenannten Rasas, eingeteilt: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb. In bestimmten Zusammenstellungen wirken diese Geschmacksrichtungen entweder ausgleichend oder verschärfend auf den jeweiligen Konstitutionstyp. «Der Geschmack ist auf körperlicher Ebene das, was Emotionen für unsere Psyche sind», so Glock. Ein Gefühl könne im Körper den entsprechenden Geschmack verursachen und umgekehrt. Der Spruch «In den sauren Apfel beißen» etwa zeige eine deutliche Verbindung zwischen Gefühlen und Nahrung. Glock: «Wer sich oft in diesem Gemütszustand befindet, muss darauf achten, dass er nicht zu viel Saures zu sich nimmt.»
Ist der Speiseplan perfekt ausbalanciert, tritt ein bis zwei Stunden nach der Mahlzeit ein Gefühl der Leichtigkeit ein. Dafür sorgt ein gut funktionierendes Agni (Verdauungsfeuer). Zu den Grundregeln der ayurvedischen Ernährung gehört, dass die schwerste Mahlzeit um die Mittagszeit gegessen wird, weil dann das Agni am stärksten ist. Im Gegensatz zu westlichen Ernährungslehren hält Ayurveda nicht viel vom großen Frühstück. Denn dafür stünde nicht genügend Verdauungskraft zur Verfügung: «Statt Energie für den Tag zu liefern, macht es uns träge und schwer», sagt Glock. Bei Krankheit, geistigem und emotionalem Stress wird übrigens eine generelle Zurückhaltung beim Essen empfohlen.
In der ayurvedischen Lehre gibt es keine verbindliche Ernährungsform für jedermann, sondern auf den Typ und die momentane Verfassung sowie auf die Jahreszeit abgestimmte Ernährungsweisen. Das macht diese Lehre kompliziert. Schließlich muss jeder für sich selbst den individuellen Königsweg finden.
Der Ratgeber von Gudrun Glock bietet da eine recht einfache Einführung in die ayurvedische Küche. Die allgemeinen Ernährungsregeln sind etwas für jeden, der sich gesünder ernähren möchte - auch wenn man sonst nichts mit Ayurveda am Hut hat. Die abwechslungsreichen Rezepte machen zudem Lust darauf, den Kochlöffel zu schwingen. Um die Lehre der Ayurveda zu begreifen und für sich umzusetzen, ist allerdings der Besuch eines Seminars und weiterführende Lektüre notwendig.
Lesetipp: Gudrun Glock: Sanft heilen mit Ayurveda. Die verschwenderische Kraft der ayurvedischen Küche, Schlütersche Verlagsgesellschaft, 192 Seiten, 2010.
kat/ivb/news.de