Gerümpeldiät Hör auf, dich zuzumüllen

Gerümpeldiät (Foto)
Im Chaos lässt sich nicht achtsam Essen. Diäten haben dann keine Chance. Bild: ddp

Katharina SchlagerVon news.de-Redakteurin
Weg damit: Krimskrams muss aus der Küche und dem Alltag verschwinden - erst dann kann man anfangen, Fettpolster abzuspecken. So die Strategie von Organisationsspezialist Peter Walsh. Daraus hat er die Gerümpeldiät entwickelt.

Er ist kein Ernährungsexperte und hatte auch nie vor, in seinem Ratgeber irgendwelche Rezepte aufzulisten. Die meisten Übergewichtigen wüssten alles über Diäten, so Organisationsexperte Peter Walsh. Der Amerikaner hat sich in seinen Büchern und Fernsehsendungen darauf spezialisiert, Menschen zu helfen, die ihr Haus mit Krimskrams zumüllen. Seine Feststellung: Diejenigen, die ihr Zuhause vollstopfen, behandeln ihren Körper ebenso achtlos und leiden deshalb unter Übergewicht.

Nichts sei leichter in den USA, als dick zu sein, beklagt Walsh. Die Portionen in Restaurants und Fast-Food-Ketten nehmen übermäßige Dimensionen an und in jedem Lebensbereich legen die Werbung und der Überfluss in Geschäften den Dauerkonsum nahe. Das gelte für Krimskrams wie für das Essverhalten. Auch in Deutschland macht sich dieses Verhalten, das Medizinern Sorgen bereitet, langsam breit.

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Den Hunger austricksen

Walsh glaubt, ein Grund für die Vermüllung des Lebens sei die Sofortbefriedung, die in fast alle Lebensbereiche eingedrungen ist. Sich an den Herd zu stellen, um etwas Nahrhaftes zu kochen, sei vielen zu aufwendig geworden. Essen zum Mitnehmen oder schnelle Fertiggerichte für die Mikrowelle tun es ja auch. Und sind die überflüssigen Pfunde erstmal auf den Hüften, versprechen hunderte von wundersamen Blitzdiäten Abhilfe.

Doch genau da liege der Irrtum, das Scheitern und der große Jojo-Effekt. Wer sein Gewicht in den Griff bekommen wolle, müsse nicht Kalorien zählen. Stattdessen gelte es Ordnung in Haus, Kaufverhalten und Alltag zu bringen. Nur wer sich umstellt, kann Erfolg haben.

Mit zu viel Essen die Leere füllen

Von Unordnung überhäufte Menschen hätten den Fokus im Leben aus den Augen verloren und lebten mit einem unscharf definiertem Verlangen, die daraus entstehende Leere zu füllen. «Indem sie mehr und mehr Sachen ansammeln oder mehr und mehr essen, versuchen sie ihr Bedürfnis nach etwas ‹Anderem› zu befriedigen», so Walsh. «Gerümpel und Fett sind nicht sonderlich verschieden: Wir kaufen zu viel. Wir essen zu viel. Genauso, wie wir uns mit allem möglichen Kram umgeben, überwältigen wir auch unsere Körper mit Kalorienbergen, die vor allem aus Zucker und Fett bestehen.»

Wird nur ein kleiner Bereich für ein paar Wochen verändert und den Fernsehabend jeden Mittwoch gegen eine Joggingrunde ausgetauscht, sei Rückfall vorprogrammiert.

Zwar sollte jeder Raum entschlackt werden und das Bett nicht unter Spielzeugbergen und Wäschehügeln verschwinden. Doch der wichtigste Ort, den es zu entrümpeln gelte, sei die Küche.

Alle Geräte - Bestecke, Messer, Teller oder besondere Töpfe -, die nie oder nur selten verwendet werden, gehören aussortiert und aus dem Haus geschafft, rät Walsh. Und bitte kein Hintertürchen im Kellerregal oder in der Garage. Weg damit.

Die Küche darf kein Ort sein, an dem sich die Post stapelt oder die Zeitungen der vergangenen Monate Staub fangen. Es sei der Platz, an dem Essen zubereitet werde. Die Arbeitsflächen müssen frei sein und nicht zweckentfremdet werden. Denn wer nach Feierabend erst aufräumen muss, bevor er genug Platz findet, um Gemüse in einen Topf zu schnippeln, wird immer auf Tiefkühlpizza zurückgreifen oder auf dem Heimweg einen Burger kaufen.

Nach dem Aufräumen kommt der Plan

Ähnliches gelte für den Esstisch. Ist der zugemüllt, landet der Teller schnell auf dem Schoß, während man beim Fernsehabend auf der Couch das Essen unkontrolliert in sich hinein schaufelt. Vorratskammer sowie Kühlschrank werden ebenfalls einer radikalen Abspeckkur unterzogen. Alles, was nicht gebraucht und in der kommenden Woche wahrscheinlich nicht gegessen wird, sollte verschwinden. Wer das gehamsterte Essen nicht wegschmeißen will, könne es einem wohltätigen Zweck spenden, so Walsh.

Erst wenn Küche und Vorräte auf ein Minimum abgemagert sind, Ordnung und Platz geschaffen wurden, geht es an die Ernährungsumstellung. Und die funktioniert nur mit einem Wochenplan. Es wird genau aufgeschrieben, welche Gerichte für die gesamte Woche geplant sind, so dass fehlende Zutaten nicht dazu verleiten, den Pizzadienst anzurufen. Aufgeschrieben lassen sich auch «schlechte» Lebensmittel, leichter gegen gesunde Alternativen tauschen.

Steht der Wochenplan, folgt die Einkaufsliste. Und nur, was auf dieser stehht, sollte im Einkaufswagen landen. Wer dieses Ritual einmal wöchentlich einige Monate durchhält – kleine Rückschläge sind zu erwarten und erlaubt –, ist auf dem besten Weg, sein Leben und sein Gewicht in den Griff zu bekommen, ist Walsh überzeugt.

Eines sollte aber klar sein: Eine einfache, schnell Lösung, die den bequemen Lebensstil unangetastet lässt, gibt es nicht. Und: Nur wer immer selbst kocht, kann kontrollieren, womit er seinen Körper versorgt, anstatt ihn zuzumüllen.


Lesetipp: Peter Walsh: Die Gerümpel-Diät – Aufräumen und abnehmen – wie sie es endlich schaffen, Bastei Lübbe Verlag, 269 Seiten, 2010.

ham/reu/news.de

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