Sa., 26.05.12

Depression 02.05.2010 Eltern überfordern Kinder

Psychisch kranke Eltern - Kinder überfordert (Foto)
Psychische Krankheiten der Eltern beeinträchtigen auch das Leben ihrer Kinder sehr. Bild: dpa

Wenn Eltern psychisch krank sind, trifft das die Kinder besonders hart. Denn sie machen sich oft selbst verantwortlich für die traurige Stimmung von Mama und Papa. Auch springt der Nachwuchs im Haushalt oft ein und ist damit überfordert.

«Man hat sich früher in Forschung und Praxis mehr mit den Eltern und Partnern beschäftigt als mit den Kindern der Betroffenen», sagte der Aachener Professor Johannes Jungbauer. Die Kinder blieben lange Zeit unbeachtet. Kranke Eltern könnten sich aber phasenweise nicht mehr um ihre Kinder kümmern. Spektakuläre Fälle, in denen Kinder verhungern oder verdursten, stellten nur die Spitze des Eisbergs dar. «Die Psychiater sollten bei Patienten mit minderjährigen Kindern deren Lebenssituation mehr beachten.»

In einem Jahr begeben sich etwa 1,6 Millionen Erwachsene in psychiatrische Behandlung, meistens wegen Depression. «Insgesamt wird die Zahl der betroffenen minderjährigen Kinder in Deutschland auf 500.000 geschätzt», sagte der Psychologe an der Katholischen Hochschule NRW Aachen am Rand eines Fachkongresses.

Die Antriebslosigkeit sei bei depressiven Menschen ein großes Problem. Sie kommen nicht mehr aus dem Bett, können ihre Aufgaben nicht mehr bewältigen und haben eine traurige Grundstimmung. «Die Kinder können das nicht einordnen, und manche denken, sie seien schuld», sagte Jungbauer. Die Eltern wollen die Kinder nicht belasten und reden nicht mit ihnen. Die Kinder fühlten sich hilflos und alleingelassen. Aus Scham vertrauten sie sich auch keinem Außenstehenden an.

Im Alltag springen die Kinder für ihre Eltern ein. «Wir haben acht und neunjährige Mädchen, die kümmern sich um die Geschwister, gehen einkaufen und machen den Haushalt», erzählte Jungbauer. Vor allem Mädchen versuchten, den Familienbetrieb aufrecht zu erhalten. Durch die chronische Überforderung hätten Kinder ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten, beispielsweise Angstsymptome, Schulversagen oder Einnässen.

Eltern in diesen Notsituationen wendeten sich fast nie von selbst ans Jugendamt. «Die Eltern haben oft die Befürchtung: Wenn das Jugendamt mich einmal im Visier hat, nehmen sie mir das Kind weg.»

kat/tfa/reu/news.de/dpa
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