Weihnachten ist oft nicht nur von leuchtenden Kinderaugen und Besinnlichkeit geprägt, sondern hat den bitteren Beigeschmack von Stress und Familienstreit. Von Ostern lässt sich kaum jemand aus der Ruhe bringen. Das hat viele gute Gründe.
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Schon komisch, dass man sich gegenseitig an Weihnachten noch mehr auf die Eier geht, als an Ostern...
«Nach Weihnachten nehmen die Anmeldungen zu den Therapien massiv zu», berichtet Psychologin Gerhild von Müller. Das sei jedes Jahr so. Auch steigen dann die Scheidungsanträge sprunghaft an. Nach Ostern dagegen herrsche eine fast himmlische Ruhe.
Die Gründe: So bestehe etwa zu Ostern nicht dieser Druck, für jeden ein passendes Geschenk besorgen zu müssen, was sich in massiven Stress steigern könne. Denn nicht nur fehle oft die Zeit für den kreativen Einkaufsbummel, auch drücke ein Geschenk wesentlich mehr als das Materielle aus. Es ist ein symbolischer Ausdruck dessen, welche Wertschätzung und Aufmerksamkeit man einer Person entgegenbringe, so von Müller. Wer da daneben greift kann ein Familiengeflecht, eine Beziehung oder eine Freundschaft schnell in eine Krise stürzen und Gefühle verletzen.
An Ostern ist das nicht so. Außer ein paar Süßigkeiten, die zudem meist den Kindern vorbehalten sind, steht bei vielen nichts auf der Einkaufsliste. Und wer bei der vermeintlichen Lieblingsschokolade für die Tante oder die Enkelin daneben greift, muss keine Angst haben, damit das Verhältnis in seinen Grundfesten zu erschüttern.
Aber nicht das Weniger an zu erledigenden Aufgaben alleine mache die entspannende Kraft des Osterfestes aus. «Ostern ist deutlich markiert durch die Wiederauferstehung der Natur», sagt von Müller. «Deshalb ist es ja auch mit so vielen Fruchtbarkeitssymbolen belegt, wie Eier oder Kaninchen», erklärt die Expertin. Dem Frühling blicke man meist als Neuanfang ganz positiv entgegen. Von Natur aus sozusagen. Der Wiederauferstehungsmythos, wie er von den Christen zu Ostern gepflegt wird, finde sich deshalb auch nicht zufällig in vielen anderen Kulturkreisen wieder.
Gegenstück zum November-Blues
In diesem Frühlingsanfang arbeitet auch das Wetter zugunsten der guten Laune. «Wer seinen Mantel im Sonnenschein öffnen kann, der wird auch psychisch offener», sagt von Müller. Damit ist die Osterzeit das Gegenstück zum November-Blues. Viele Patienten, die an Depressionen leiden, würden dann ohne Medikamente zurecht kommen, wenn sie einfach regelmäßig in der Frühlingssonne spazieren gingen. Allerdings: «Diese Menschen werden dann im November meist schnell wieder rückfällig», so von Müller.
Für solche Spaziergänge haben die Meisten gerade zu Ostern viel Zeit. Viele nutzen die Osterfeiertage, um eine kleine Reise zu machen, ein paar Tage ganz ruhig zu entspannen oder einfach Zeit im Freien zu verbringen. Die großen Familienfeste, wie sie zu Weihnachten oft zum Zwang und Quelle großer Streitereien werden, stehen hier nicht so stark im Mittelpunkt. Und sollte dennoch die Familie zusammenkommen, dann hat man leicht die Möglichkeit, sich ein wenig aus dem Weg zu gehen und gegenseitig Raum zu gönnen. Man hocke halt nicht eng unterm Baum, sondern tobe mit den Kindern beim Eiersuchen fröhlich durch den Garten oder unternehme lange Spaziergänge durch Wald und Wiesen.
In der Ernährung stecke ein weiterer großer Relax-Faktor des Osterfestes. Während zu Weihnachten die schweren Festmahle aufgetischt werden und in Verbindung mit fetten, zuckrigen Gebäcken und Alkohol den Körper unter Dauerstress stellen, heißt die Osterdevise: Immer schön leicht. Hier ein Hefezopf, dort ein leckeres Frühstück, zwischendurch ein hartgekochtes Ei und natürlich ein Lammbraten. Da fallen dann ein paar genüsslich geschlemmte Schokohasen nicht ins Gewicht. «Auch befindet sich Ostern am Ende der Fastenzeit, sodass man sich auf die frischen Zutaten, die die Natur nun wieder zu bieten hat, freuen darf», erklärt von Müller die kulinarische Tradition.
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