Von news.de-Redakteur Christian Vock
Martin Kunz meint zu wissen, wie Männer sind und wie sie am besten abnehmen können. Für sein Buch Die Männer-Diät hat der Focus-Journalist tief in die Klischeekiste gegriffen - und damit daneben.
Low-Carb, Brigitte, FDH, Weight Watchers, Trennkost, Kohlsuppe, Glyx, Low-Fat. Die Anzahl der verschiedenen Diäten ist fast so groß wie die Zahl der Möglichkeiten, sich den vermeintlich überflüssigen Hüft-, Bauch- oder Po-Speck anzulegen. Sollte bei den Unmengen an Diäten dennoch eine Lücke geklafft haben, so hat Martin Kunz selbige nun geschlossen. Der Ressortleiter Forschung beim Münchener Nachrichtenmagazin Focus ist nämlich der Meinung, dass eine Zielgruppe noch einen weißen Fleck auf der Abnehmlandkarte darstellt: die Männer.
Angesichts dieser Erkenntnis und der beruflichen Herkunft von Kunz liegt der Entschluss nahe, ein Buch zu schreiben und es ganz schlicht Die Männer-Diät zu nennen. Diäten leben von Geboten und begründeten wie unbegründeten Thesen à la «Du sollst nicht», «Du darfst nicht», «Kohlenhydrate sind so und so» «Eiweiß macht das und das». Diese Diät-Prämisse überträgt Kunz auch auf seine Zielgruppe. Man hätte schon beim Untertitel ahnen können, dass hier eher Stereotype gefragt sind: Betriebsanleitung: Wie Sie in Bestform kommen lässt schon darauf schließen, dass hier ein eindeutiges Rollenbild vorliegt. Männer kaufen sich gerne Sachen, für die man eine Betriebsanleitung braucht. Also kann man ihnen so auch eine Diät erklären.
Dementsprechend stößt man in der Männer-Diät allenthalben auf Sätze wie diesen «Wenn Männer eine Küche betreten, wenn sie in Schränke oder gar Kochtöpfe blicken, dann wirken sie oft so hilflos wie Frauen in einer Autowerkstatt.» Aha. Von ebenso geistiger Eindimensionalität liest sich ein Satz wie dieser: «Männer suchen sich die Gefahr, um zu testen, sie lechzen nach Geschwindigkeit und vergöttern alles, was ihnen zu diesem großen Spaß verhilft.» Es mag ein Einzelfall sein, aber den Autor dieser Buchkritik interessiert Geschwindigkeit eher in ihrer langsamen Form und in Sachen Motorsport kann er lediglich zwischen Auto und Nicht-Auto unterscheiden. Mit der gleichen «Männer-sind-so»-Triftigkeit ließe sich sagen: «Männer lesen keine Bücher mit dem Wort Diät im Titel», und Herr Kunz müsste zustimmend nicken.
Kunz' Ausgangsthese: Männer achten nicht auf ihre Ernährung, Frauen schon. Ein Blick in jede x-beliebige Fußgängerzone dürfte das Haltbarkeitsdatum einer solchen Aussage deutlich machen und erahnen lassen, auf welch wackligen Beinen Kunz die folgenden Konsequenzen für ein erfolgreiches männliches Abnehmen stellt. Nun könnte man meinen, Kunz sei eben ein Spaßvogel und will seine Abnehmtipps ein wenig launiger als gewohnt präsentieren. Das mag in Teilen zutreffen, im Ganzen meint es Kunz jedoch ernst damit.
Umso nerviger ist es dann auf die Dauer, wenn er sein Wissen um den männlichen Körper, Rezepte und seine Abnehmtipps, die durchaus einen Mehrwert darstellen, ständig mit Auto-Analogien aufzupeppen versucht. Schiebt man all diese Schubladen einmal beiseite und sieht nach, was Kunz eigentlich zwischen all den Klischees zu sagen hat, dann entdeckt man tatsächlich viel Amüsantes, Ankedoten und Wissenswertes. Aber wenn man dabei über die Vorteile des Abspeckens solch einen Satz lesen muss «Sehr wichtig bei Überholvorgängen - wer ordentlich Schmackes auf die Kurbelwelle bringen kann, lässt dem Gegner keine Chance. Auch im Job!», dann spielt es auch irgendwann keine Rolle mehr, ob seine Anregungen wirken. Dann ist das nur sehr bedauerlich.
Lesetipp: Martin Kunz: Die Männer-Diät - Wie Sie in Bestform kommen. Betriebsanleitung, Goldmann Verlag, 192 Seiten, 16,95 Euro.
amg/reu/news.de
Ein untalentierter Autor schreibt über ein idiotisches Thema. Was soll man da anderes erwarten als ein bescheuertes Buch?
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