Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Läufer sind meistens ziemlich dünn - dafür müssen sie aber ständig ihren inneren Schweinehund überwinden. Die Lauf-Diät verrät, wie man sich auch ohne Quälerei ans Rennen herantastet. Durchhalten muss man trotzdem.
Die erste Frage stellt sich, bevor man das lindgrüne Cover öffnet. Nach Sex-, Glücks-, Schlaf- und Montags-, braucht da irgendjemand noch eine Diät? Das Prinzip ist doch immer dasselbe: Es funktioniert ganz gut, solange man sich dran hält. Und es hört auf zu funktionieren, sobald man wieder in seine geliebten Gewohnheiten zurückfällt.
Ob die Diät für einen selbst und den eigenen Alltag taugt, kann nur jeder nur für sich selbst entscheiden. Warum also nicht auch ein paar Tipps für Leute, die ganz gerne laufen? Pesen doch die meisten von uns nicht nur aus Spaß an der Natur durch den Wald, sondern auch, um die Problemzonen ein bisschen unter Kontrollen zu behalten. Also eine Chance für die Laufdiät.
Einen Pluspunkt hat sie schonmal: Sie tut nicht so, als ginge das alles von ganz alleine. Denn von hochtrabenden Versprechungen haben wir doch spätestens seit dem dritten Jojo-Erlebnis mit 16 die Nase voll. Ein bisschen bewegen muss man sich halt. Macht ja nichts, dafür ist unser Körper ja auch gebaut. Auch der Slogan im Klappentext macht Mut. «Die Diät, die keine ist, und deshalb funktioniert.» Und was ergibt das flinke Durchblättern? Überall dünne Menschen, die laufen und dabei lachen. Und leckere Gerichte.
Okay, so soll es werden. Dann mal rein ins Buch. Die Autoren Herbert Steffny, Marathon-Olympiateilnehmer, und Wolfgang Feil, Biologe und Sportwissenschaftler, machen alles richtig: Zuallererst nehmen sie uns die Angst vor der Anstrengung und die Sorge vor der Magerkost. «Sanfte Bewegung» in Verbindung mit «asiatischer und mediterraner Küche», das klingt doch eher nach Wellness als nach heißem Schweiß. Es sieht so aus, als könnte es den beiden tatsächlich gelingen, ein paar Körperfaule in den Wald zu locken. Und Steffny und Feil machen noch etwas richtig, wenn sie die Diätfülle an sich durch Schlamm und Kakao ziehen. «Es wird sich nichts ändern, wenn sie sich nicht selbst verändern!», postuliert das Autorenduo. Eine knallharte Ansage für die sanfte Schlankheitskur.
Dem Stoffwechsel einheizen
Damit ihr Buch es auf seine knapp 200 Seiten bringt und nicht einfach nur gängige Lauftipps mit gesunden Rezepten mischt, haben sich Steffny/Feil ein Konstrukt ausgedacht. «Stoffwechsel-Offensive» ist die Kampfansage, und mit sieben Jokern ziehen wir mit dem Rennschuh gegen den erlahmenden Stoffwechsel. Denn: Ab 35 verlangsamen sich Hormonproduktion und Stoffwechsel, Muskulatur baut sich ab und Fett auf. Die Laufdiät will dem Stoffwechsel wieder kräftig einheizen.
Zum Beispiel durch Scharfes. Pfeffer mit Chili kombinieren, rät das Autorenduo. Gemeinsam mit Ingwer, Knobi, Kräutern und Keimlingen fungieren heiße Gewürze unter dem Codenamen Thermogenesejoker. Das Potential jeder Zutat wird nochmal tabellarisch aufgelistet, ein beliebtes Mittel, um die Fülle an Informationen zu ordnen.
Neu ist das alles natürlich nicht. Der Vitalstoffjoker empfiehlt Rohkost, erlaubt Kohlenhydrate, preist Vitamine, Mineralien und Spurenelemente – und verachtet «schlappe» Lebensmittel. Steffny und Feil raten zu Essenskultur und drei Hauptmahlzeiten statt ständiger Snacks und erlauben Nüsse, Obst oder Reiswaffeln, falls es gar nicht geht. Sie sind nett zu ihren Lesern und bleiben moderat in ihren Forderungen – damit aber auch realistisch. Süßes geht in kleinen, bewussten Portionen, und statt Fett und Zucker sollten wir lieber eine Komponente durch Obst ersetzen.
Wer wirklich Zeit und Lust hat, sich mit Ernährung auseinanderzusetzen, kann sich in den ersten Teil des Buches vertiefen, könnte aber auch genauso gut ein Standardwerk über Vollwertkost lesen. Wem das zu theoretisch ist, der blättert eben gleich auf Seite 103. Tageweise bekommen wir hier Menüs vorgestellt, bei denen Verzicht kaum auffällt – inklusive Nachtisch. Wenn man Zutaten wie Ingwer, Weizenkeime, Meerrettich und frische Kräuter erstmal auf der Einkaufsliste etabliert hat, sind die Rezepte relativ leicht zu realisieren – und dass sie mit Knäckebrot wenig zu tun haben, beweisen die leckeren Farbfotos.
Lauftreff ersetzt den Kneipenabend
Aber da war doch noch was. Richtig: «In Gang kommen» sollten wir, denn das Ziel ist ja, schreiben Steffny und Feil, «fitschlank statt schlappschlank»! Und sie versprechen, dass der Wunsch nach Gewichtsverlust bald begleitet werde von der Freude über Kondition, Muskeln und psychische Belastbarkeit. Sie finden sogar «10 auf einen Streich»-Gründe, was Laufen alles leistet. Aber mindestens eine halbe Stunde am Stück muss es schon sein. Weil der Tag 24 Stunden hat, muss der Kneipenabend dann eben schon mal dem Lauftreff weichen. Und vor allem faule Ausreden lassen die Autoren nicht gelten.
Der richtige Schuh, Pulsuhr oder Nordic-Walking-Stöcke – für Laufneulinge gibt es nicht nur Tipps, wie man dem Frust vorbeugt, sondern auch Infos zum Outfit. Obwohl die eigene Erfahrung eher nahelegt: Hauptsache irgendwas an, es geht schließlich ums Laufen. Das Profi-Equipment kann noch kommen, wenn man sich wirklich zum Halbmarathon anmeldet.
Die Lauf-Diät hat ihre Berechtigung, keine Frage. Rennen macht eben glücklich, und das gute Gefühl danach rettet den Tag. Wenn man das mit gesunder Ernährung koppelt, kann das Ergebnis Körper und Geist nur zugute kommen. Was die Autoren sich hätten sparen können, ist das Kapitel über Kalorienverbrauch und Body-Mass-Index. Hier fallen sie leider in gängige Diät-Schemata, die mit dem individuellen Wohlbefinden herzlich wenig zu tun haben.
Herbert Steffny und Wolfgang Feil erfinden das Rad nicht neu, denn das Meiste, was sie erklären, könnte auch der gesunde Menschenverstand ermitteln. Aber weil man dem gelegentlich ein bisschen auf die Sprünge helfen muss, führt die Lauf-Diät zumindest auf einen richtigen Weg. Zu einer geliebten Gewohnheit.
Herbert Steffny und Dr. Wolfgang Feil: Die Lauf-Diät, Südwest. 192 Seiten, 14,95 Euro.
kat/reu/news.de