Sa., 26.05.12

Schichtarbeit 23.03.2010 Leben gegen die innere Uhr

Schichtarbeit ist ungesund (Foto)
Schichtarbeit vor allem nachts wie hier bei Fluglotsen ist für den Körper Gift. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiter Andreas Schloder

Längerer Urlaub und mehr Geld. Schichtarbeit zahlt sich aus, aber nicht für den Körper. Im Gegenteil: Wer gegen seine innere Uhr arbeitet, macht seinen Körper kaputt. News.de zeigt, wie man die fatalen Schlafstörungen zumindest eindämmen kann.

In Deutschland leisten Millionen von Beschäftigten Schichtarbeit. Mittlerweile wird in mehr als jedem zehnten Unternehmen rund um die Uhr gearbeitet, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Wirtschaftlich sind die Maßnahmen äußerst effizient. Aber für den Körper stellen sie eine unzumutbare Belastung dar, wie Professor Jürgen Zulley, Vorsitzender der Deutschen Akademie für Gesundheit und Schlaf, betont. «Wer dauerhaft zu verschiedenen Uhrzeiten arbeitet, lebt gegen die eigene Uhr. Und die lässt sich über kurz oder lang nicht austricksen.»

Die Konsequenz ist dem Experten zufolge gefährlich. Bei einem gestörten Biorhythmus findet der Körper buchstäblich keine Ruhe mehr. Der Stress macht den Körper krank. Neben Schlafstörungen kommt es auch zu Bluthochdruck. «Damit ist auch das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt deutlich erhöht», warnt Zulley. Zudem sind Depressionen und Magengeschwüre bei den Arbeitern häufiger als sonst festzustellen.

Mittel gegen Schlafprobleme

Denn die Schichtler haben zwei Probleme: Die Schwierigkeit, sowohl am Tage zu schlafen, weil der Körper anders programmiert ist, als auch sich in der Folge nachts wachzuhalten. Im Vergleich zur durchschnittlichen Schlafdauer von Menschen, die tagsüber arbeiten, ist ihr Schlafzyklus um bis zu vier Stunden verringert. Vor allem der Schlaf am helllichten Tage wird häufiger gestört und erreicht bei weitem nicht die Qualität wie die der Nachtruhe, so Zulley.

Um die schwerwiegenden Folgen der Schichtarbeit in den Griff zu bekommen, gibt es laut dem Leiter des Regensburger Schlaflabors nur eine Konsequenz: «Das beste Mittel, um mit der Schichtarbeit klarzukommen, wäre, damit aufzuhören», erklärt Zulley drastisch. Es gebe lediglich ein paar Möglichkeiten, den Biorhythmus nicht zu stark zu belasten. «Was helfen kann, sind schnell rotierende Schichten innerhalb von ein paar Tagen anstelle der häufig angesetzten Nachtschichten», rät Zulley. Auch Ruhephasen außerhalb der Pflichtzeiten wären sinnvoll. «Durch verschiedene Techniken wie etwa der richtigen Atmung kann man sich auch mit einem kleinen Nickerchen von zehn Minuten so richtig entspannen», weiß Zulley, der das auch in seinen Pausen öfters selbst macht.

Außerdem wären die Nachtschichtler gut beraten, auch an arbeitsfreien Tagen zu festen Zeiten ins Bett zu gehen, um ihren Rhythmus zu finden. Wer sich tagsüber hinlegen muss, sollte alle möglichen Störquellen wie etwa Telefon und Klingel ausschalten. Um sich selbst die Nacht vorzugaukeln, sollte im Schlafzimmer absolute Dunkelheit herrschen.

Auch eine gesunde Ernährung wirke sich positiv auf den Schlaf aus. Schichtarbeiter sollten auf schwer verdauliche Nahrung verzichten, dafür aber mehr Kohlenhydrate und Eiweiß zu sich nehmen. Ebenso sollten sie nicht mit einem Magengrummeln oder übersatt ins Bett gehen – beides verschlechtere die «Nachtruhe». Wer sich zudem in der Schicht mit Koffein wach hält, kann nie und nimmer erholsam schlafen.

Alkohol irreführendes Einschlafmittel

Viele verwenden Alkohol als Einschlafmittel. Das hält der Experte für gefährlich. Zwar kann ein Gläschen Wein oder Bier der Entspannung dienen, aber: «Gesunder Schlaf ist nicht möglich, denn der Körper ist damit beschäftigt, den Alkohol abzubauen», sagt Zulley.

kat/reu/news.de
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