Mit dem MRT lassen sich Tumore besser aufspüren als mit der üblichen Mammographie. Dennoch sind sich Ärzte uneinig, welche Methode für die Früherkennung die beste ist. Denn beide Methoden haben ihre Stolperfallen.
Ein Streit um die beste Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko entzweit deutsche Mediziner. Hintergrund ist eine Studie, der zufolge die Magnetresonanztomografie (MRT) bei diesen Frauen Tumore weit zuverlässiger aufspürt als die gängige Mammografie. Viele Ärzte fürchten, die Diskussion könne Frauen verunsichern und das noch junge Programm der Brustkrebs-Früherkennung in Misskredit bringen.
Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 58.000 Frauen an Brustkrebs, 18.000 Patientinnen sterben an der Erkrankung. Seit wenigen Jahren soll ein bundesweites aufwendiges Programm eine frühe Diagnose ermöglichen und so die Prognose der Betroffenen bessern. Da die weitaus meisten Tumoren erst in höherem Alter entstehen, werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zweijährlich zur Mammografie geladen. Die Resonanz hält sich dort aber bislang in Grenzen. Nur 54 Prozent der Angeschriebenen folgen der Aufforderung. Zu wenige, findet Rolf Kreienberg von der Uniklinik Ulm.
Bis zu 25 Prozent sind besonders gefährdet
Doch dreht sich der Streit nicht um diese allgemeine Brustkrebs-Vorsorge. Vielmehr geht es um jene insgesamt 20 bis 25 Prozent der Frauen, die erblich bedingt besonders gefährdet sind. So tragen allein fünf bis zehn Prozent der Bundesbürgerinnen Mutationen auf einem der beiden Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2. Bei normaler Lebenserwartung entwickeln 60 bis 80 Prozent von ihnen ein Mammakarzinom.
Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegt die Wahrscheinlichkeit bei elf Prozent. Stark gefährdete Frauen - ab einem berechneten Erkrankungsrisiko von 30 Prozent - sollten sich gemäß der aktuellen Leitlinien schon ab dem Alter von 25 Jahren regelmäßig an einem von bundesweit zwölf Zentren für familiären Brustkrebs untersuchen lassen - per Mammografie, Ultraschall und auch per MRT.
Röntgen belasten das Brustgewebe
Wie zuverlässig die drei Verfahren sind, prüften nun Radiologen von vier deutschen Unikliniken an knapp 700 Frauen mit - stark oder moderat - erhöhter Gefährdung. Resultat: Die MRT spürte 25 der insgesamt 27 Tumoren auf, die Mammografie entdeckte nur neun - darunter allerdings zwei Brustkrebsvorstufen, die im MRT übersehen wurden.
Studienkoordinatorin Christiane Kuhl von der Uniklinik Bonn fordert nun, alle gefährdeten Frauen vorrangig per MRT zu untersuchen. Auf Ultraschall und auch die Mammografie könne man bei dieser Gruppe verzichten. Denn das Röntgenverfahren, so die Radiologin weiter, nutze nur wenig und gefährde zudem junge Frauen, deren Brustgewebe noch besonders empfindlich auf Strahlung reagiert.
«Wenn ab dem Alter von 25 Jahren jährlich jede Brust in zwei Ebenen mammografiert wird, ist die Strahlendosis nicht unerheblich», sagt Kuhl. «Deshalb sollte die Mammografie bei jungen Frauen unterbleiben.»
MRT löst die meisten Fehlalarme aus
Aber neben den Kosten - mit 400 Euro ist der Kernspin vier Mal teurer als die Mammografie - liegt ein Problem der MRT gerade in der Empfindlichkeit. Denn das Verfahren liefert nicht nur die höchste Trefferquote, sie löst auch die meisten Fehlalarme aus - also Verdachtsfälle, die sich im Nachhinein als harmlos erweisen. Das gilt vor allem dann, wenn Ärzte mit wenig Erfahrung die Bilder auswerten. Kuhl bestreitet diese Kritik nicht: «Man hat mit der MRT häufiger falsch positive Befunde, aber auch häufiger richtig positive Befunde.» Insgesamt jedoch, so betont sie, sei das Verhältnis von korrekten zu irrtümlichen Befunden bei der MRT am besten.
Dennoch lehnt Kreienberg Kuhls Forderung ab. «Die Kernspintomografie hat in der Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen mit stark erhöhter Gefährdung großen Wert», räumt der Gynäkologe zwar ein. «Aber dass davon auch Frauen mit moderat erhöhtem Risiko profitieren, ist keineswegs erwiesen.» Die Strahlengefahr der Mammografie werde übertrieben. «Auch bei jungen Frauen überwiegt der Nutzen des Verfahrens das Risiko bei weitem», betont er.
«Wichtiger Baustein der allgemeinen Früherkennung»
Der an Kuhls Studie beteiligte Radiologe Walter Heindel von der Uniklinik Münster schlägt einen Kompromiss vor. «Gerade bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko sollte man besonders genau vorgehen», betont er. «Deshalb würde ich nicht ganz auf die Mammografie verzichten.» Um die Strahlenmenge zu senken, solle man aber erwägen, bei jungen Frauen jede Brust nur noch auf einer statt wie bisher auf zwei Ebenen zu durchleuchten, sagt Heindel: «Man muss aus neuen Erkenntnissen lernen.»
Indes zweifelt auch Kuhl nicht am Nutzen der Röntgenuntersuchung im Rahmen der allgemeinen Brustkrebs-Vorsorge bei Frauen ab 50 Jahren. «Die Mammografie ist ein wichtiger Baustein der Früherkennung», betont sie.
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